Stand: 25.01.2016 15:14 Uhr

Ausbau der Windenergie: "Kein leichter Weg"

Bild vergrößern
Greenpeace-Vertreter setzen sich am Rande des Windenergiegipfels in Wismar für den Ausbau der Erneuerbaren Energien ein.

Die Regierungschefs der norddeutschen Bundesländer haben sich am Montag auf dem Windenergiegipfel in Wismar für den konsequenten Ausbau der Windenergie an Land und auf hoher See ausgesprochen. Eines der Hauptthemen war die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ab 2017.

Nordländer fordern deutlichen Ausbau

Die Nord-Regierungschefs setzen sich gemeinsam mit dem Bundesverband Windenergie, dem Arbeitgeberverband Nordmetall und der IG Metall Küste für den weiteren Ausbau auf See und an Land ein. Sie fordern im sogenannten Wismarer Appell von der Bundesregierung Änderungen bei der geplanten Reform des EEG. Auf See sollen auch im kommenden Jahrzehnt zwei bis drei Windparks pro Jahr neu ans Netz gehen. Am ursprünglich vorgesehenen Zubau von Windrädern an Land mit einer Jahresleistung von 2,5 Gigawatt soll festgehalten werden. Es sei wichtig, dass die Nordländer Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen eine gemeinsame Linie verfolgten, um gegen die Interessen etwa der Kohleindustrie oder süddeutschen Bundesländer bestehen zu können, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). "Uns ist klar, dass das kein leichter Weg sein wird."

Die Bundesregierung plant im Rahmen der EEG-Reform 2017 Förderung über feste Stromvergütungen durch Ausschreibungen abzulösen. Der günstigste Anbieter soll dann den Zuschlag erhalten. Die Regierungschefs fürchten, dass die daraus resultierenden höheren Kosten und Risiken für Investoren der Energiewende schaden würden und zum Ausbaustopp führen. Zudem müsse es bei dieser Umstellung auf das von der Bundesregierung vorgesehene Ausschreibungsmodell Ausnahmen für Bürgerenergieprojekte geben, hieß es weiter. IG Metall Küste und der Bundesverband Windenergie äußern in diesem Zusammenhang die Sorge, dass zu starre Kapazitätsobergrenzen den Ausbau der erneuerbaren Energien ausbremsen.

Windenergie setzt weltweit Maßstäbe

Weitere Informationen
Link

EEG-Umlage - Wieso, wie hoch, warum?

Um mehr Öko-Strom aus Sonne, Wind, Biomasse oder Wasserkraft zu gewinnen, zahlen Verbraucher die sogenannte EEG-Umlage. Derzeit liegt sie bei 6,35 Cent pro Kilowattstunde. Mehr dazu bei tagesschau.de. extern

Die geplante Deckelung auf einen Anteil von 40 bis 45 Prozent an der Stromversorgung im Jahr 2025 gefährde im Norden zahlreiche Industrie-Arbeitsplätze, sagte Sellering. Die Windkraft sei für die norddeutschen Länder von großer Bedeutung. "Wir sind führend bei der Stromversorgung durch erneuerbare Energien. Außerdem sind in unseren Ländern in den letzten Jahren Tausende neuer Arbeitsplätze in der Windkraftindustrie und bei ihren Zulieferern entstanden", so Sellering. Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) plädierte für einen weiteren zügigen Ausbau der Erneuerbaren Energien. "Der Klimagipfel in Paris zeigt: Wir müssen unsere Klimaschutzanstrengungen steigern, um unsere Ziele zu erreichen - bereits bis 2020, aber auch und gerade darüber hinaus." Für Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, ist Windenergie an Land die "wichtigste und kostengünstigste Form der Energieerzeugung". Offshore-Windenergie sei am besten in der Lage, "grundlastfähig" Strom zu produzieren, das heißt den Versorgungssockel abzusichern. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) erklärte, die Windenergiebranche setze weltweit Maßstäbe. Damit sich die Investitionen in die Windenergieerzeugung, insbesondere in Offshore-Windparks weiterhin lohnten, würden stabile Rahmenbedingungen gebraucht. Denn schließlich sei die Windenergiebranche in Hamburg und im gesamten Norden für eine sichere Energieversorgung in ganz Deutschland unverzichtbar.

Weitere Informationen

Windenergie - der Norden als Vorreiter

Windenergie gilt als eine umweltschonende Alternative zu Erdöl und Steinkohle. An den Küsten der Nord- und Ostsee kommt sie besonders zum Zuge. Dort sollen weitere Windparks entstehen. mehr

Rekordjahr für Windparks auf See

2015 sind so viele Offshore-Windparks ans Netz gegangen wie nie zuvor. So wird es aber nicht weitergehen. Zudem möchte Bundeswirtschaftsministerin Aigner den Ökostromausbau drosseln. (18.01.2016) mehr