Stand: 25.07.2016 18:28 Uhr

Alice Weidel - Hoffnungsträgerin der AfD

Wer sind die Männer und Frauen, die in Zukunft in Berlin Politik machen? Die Korrespondenten von NDR Info im ARD-Hauptstadtstudio porträtieren sechs potenzielle Aufsteiger aus sechs Parteien, die gute Chancen haben, 2017 in den Bundestag einzuziehen.

Von Dagmar Pepping, NDR Info Korrespondentin im Hauptstadtstudio Berlin

Alice Weidel kann etwas, was nicht allzu viele Spitzenpolitiker der AfD können. Die 37-jährige Unternehmensberaterin aus Überlingen am Bodensee kann lachen. Das Verbissene einer Frauke Petry oder das Verkniffene einer Beatrix von Storch fehlt der promovierten Volkswirtin. Auch wenn drei Jahre Mitgliedschaft in der AfD einen Preis gefordert haben. Sie habe mit Stigmatisierung zu kämpfen. "Das macht es im Beruflichen und im Privaten, im Freundeskreis, teilweise sehr, sehr schwierig", erzählt sie.

Stets wie aus dem Ei gepellt

Das Porträt zum Nachhören
03:18 min

Alice Weidel rückt in den AfD-Vordergrund

26.07.2016 10:50 Uhr
NDR Info

Die 37-jährige Unternehmensberaterin Alice Weidel ist seit einem Jahr Mitglied des AfD-Bundesvorstandes. Schritt für Schritt rückt sie in ihrer Partei in den Vordergrund. Audio (03:18 min)

Hippe Turnschuhe zum blauen Blazer, die blonden Haare zum Pferdeschwanz gebunden, dezentes Makeup: Weidel ist stets wie aus dem Ei gepellt, nicht nur in TV-Talkshows. Ihre Umgangsformen sind geschliffen, ihre Zunge ist scharf. Anders als viele ihrer Parteikollegen beteiligt sich das Vorstandsmitglied aber nicht an öffentlichen Ränkespielen. Dass sie der Machtkampf zwischen Parteichefin Petry und ihrem Co-Vorsitzenden Meuthen nervt, ist ihr anzumerken. Ihr Rat für die zerstrittene Partei: Einigkeit. "Man muss in irgendeiner Form immer Kompromisse schließen!" Das erwarte auch die Basis.

Nach Rückkehr aus China in AfD eingetreten

Weidel hat nach dem VWL-Studium fast sechs Jahre in China gearbeitet. "Eine tolle Erfahrung", sagt sie. Nach ihrer Rückkehr trat sie aus einem Grund in die damalige Lucke-AfD ein: wegen der Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung und der EU, denn die AfD habe das als einzige Partei thematisiert: "Diese Rechtsbrüche, die enorm gefährlich sind, und die Auswirkungen auf die Wirtschaft." Die FDP sei für sie keine Option gewesen: Der Partei fehle der politische Kompass. Für sie ist die FDP eine "opportunistische Partei, die ihr Fähnchen mal so, mal so in den Wind hängt."

Treffen mit Zentralrat der Muslime abgelehnt

Scharfe Kritik übt Weidel auch am Islam. Ein Treffen mit dem Zentralrat der Muslime lehnte sie ab, zum Verdruss von Parteichefin Petry, die diesen öffentlichkeitswirksamen Termin eingefädelt hatte. Spricht man sie auf ihren Parteikollegen Björn Höcke an, reagiert Alice Weidel schmallippig. Mit dessen völkischen Äußerungen wie über den "lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstypus" kann sie nichts anfangen. Würde sie Angela Merkel als "Kanzler-Diktatorin" bezeichnen, wie es AfD-Vize Gauland tut? "Nein, auch das nicht", erwidert Weidel. Das sei nicht ihr Geschmack.

Genau wie die Familienpolitik der AfD an vielen Stellen des Parteiprogramms. Weidel, die sich als konservativ-liberal bezeichnet, lebt in einer eingetragenen Partnerschaft, mit Frau und einem kleinen Sohn. Ihre Partei sei aber keineswegs intolerant. Sie "lebe schließlich ein völlig anderes Lebensmodell als Vater-Mutter-Kind", betont Weidel, "und sitze trotzdem im Bundesvorstand".

Parteifreunde nennen sie als Alternative zu Petry

Das nächste Ziel ist im kommenden Jahr der Deutsche Bundestag. Bundespolitisch zu gestalten - wenn auch zunächst nur als Oppositionspartei - sei "eine tolle Aufgabe". Führende AfD-Politiker wie Jörg Meuthen bringen sie sogar als mögliche Spitzenkandidatin ins Spiel - als Alternative zu Frauke Petry. Weidel winkt aber ab. "Das hatte mich sehr überrascht, davon zu hören. Auf der anderen Seite fand ich es schön, dass meine Arbeit solche Anerkennung findet", gibt sie zu.

NDR Info Serie

"Die Aufsteiger" - Hoffnungsträger in Berlin

Wer sind die nächsten wichtigen Menschen in der deutschen Politik? NDR Info stellt in der Serie "Die Aufsteiger" Politiker vor, die in der zweiten Reihe mit den Füßen scharren. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 26.07.2016 | 10:50 Uhr

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