Stand: 15.08.2017 18:22 Uhr

Air Berlin ist über Umwege ins Aus geflogen

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin hat Antrag auf Insolvenz gestellt. Das Unternehmen reagiert damit auf die Entscheidung des Hauptaktionärs Etihad, die finanzielle Unterstützung einzustellen. Um den Flugverkehr aufrecht zu erhalten, unterstützt die Bundesregierung Air Berlin mit einem Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro. Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) geht davon aus, dass damit der Betrieb für drei Monate gesichert ist.

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Ryanair, Easyjet und Co. warten nur darauf, die Schwächen der anderen zu ihrem Vorteil auszunutzen, meint Jens Brommann.

Das war's dann wohl mit Air Berlin. Deutschlands zweitgrößte Airline wird nur dank eines Überbrückungskredits mit Bundesbürgschaft einige Monate noch planmäßig fliegen können. Die 150 Millionen Euro werden Urlaubsflüge von Hunderttausenden jetzt im Hochsommer retten.

Die Fluggesellschaft Air Berlin aber ist nicht mehr zu retten. Kein ernst zu nehmender Investor wird einer seit Jahrzehnten verlustreichen Linie mit einer milliardenschweren Schuldenlast neues Leben einhauchen können. Großaktionär Etihad hat es sechs Jahre lang mit kräftigen Finanzspritzen versucht - und jetzt den Geldhahn zugedreht.

Viele Schulden und immer größere Ratlosigkeit

Der Flugmarkt boomt weltweit, doch Air Berlin schafft es einfach nicht, sich aus dem Abwärtsstrudel zu befreien. Als deutscher Ferienflieger gestartet, wollte Air Berlin weltweit in der Topliga mitfliegen. Die Spitzenmanager wechselten häufig - und mit ihnen die Strategien und geschlossenen Flugallianzen. Was blieb, waren die angehäuften Schulden und die zunehmende Ratlosigkeit, was denn noch helfen könnte. Das Ausleihen von Maschinen mit der gesamten Crew und Wartung - etwa an die Lufthansa-Tochter Eurowings - gehört dazu.

Boomender Markt schluckt Air Berlin

Eine Maschine der Fluggesellschaft Air Berlin im Landeanflug.

"Vertrauen in Air Berlin ist Kraftanstrengung"

Welche Folgen hat die Air-Berlin-Insolvenz für die Kunden? Fragen in einem NDR Info Interview an den Reiserechtsexperten des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Felix Methmann.

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Air Berlin hat kein eigenes Marken-Image. Andere waren und sind günstiger im Preis, freundlicher im Service, engmaschiger im Streckennetz, verlässlicher im Flugplan. Wer als mittelmäßiger Anbieter Milliardenverluste einfliegt, hat auf einem boomenden Markt nichts mehr zu suchen. Air Berlin wird verschwinden und in anderen Fluggesellschaften aufgehen.

Die Verhandlungen mit Lufthansa laufen bereits seit Monaten. Und vieles spricht dafür, dass Lufthansa sich bei Air Berlin - noch mehr als bisher - bedienen wird: bei Maschinen, Personal und vor allem bei den wichtigen Start- und Landerechten an den Flughäfen.

Lufthansa-Strategie kann auch nach hinten losgehen

Ob dann alles besser wird, darf bezweifelt werden. Denn auch das Markenprofil der Lufthansa-Billigtochter Eurowings ist unscharf. Auch für Eurowings gilt: Andere sind günstiger.

Angefacht durch die irische Fluggesellschaft Ryanair tobt unter den Billigfliegern derzeit ein harter Verdrängungswettbewerb. Dass ausgerechnet Lufthansa mit ihren vergleichsweise hohen Kosten dem gewachsen sein wird, ist völlig offen. Mit alten Air-Berlin-Strecken die eigene Eurowings wettbewerbsfähiger machen: Diese Strategie kann auch nach hinten losgehen.

Ryanair, Easyjet und Co. warten nur darauf, die Schwächen der anderen zu ihrem Vorteil auszunutzen.

Weitere Informationen

Air-Berlin-Pleite: Hamburg kaum betroffen

Der Hamburger Flughafen gibt sich angesichts der Insolvenz von Air Berlin gelassen. Air Berlin gehörte bereits vor der Pleite nicht mehr zu den großen Fluggesellschaften am Airport. mehr

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Air Berlin stellt Insolvenzantrag

Die Fluggesellschaft Air Berlin hat einen Insolvenzantrag gestellt. Der Flugbetrieb werde aber fortgeführt, teilte das Unternehmen mit. Mehr zu diesem Thema bei tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentare | 15.08.2017 | 18:30 Uhr

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