Fischer bei der Arbeit. Foto: Torsten Mann, Kappeln
"Frasch för en arken" het det fresk senderä üüb a NDR 1 Welle Nord en weedensdai injem. Iantelk skul´t oober "Nordfrasch för en arken" het. Frasch, of üüb Fering ´fresk´ as nämelk en wurd, wat gans algemian brükt wurt: Ei bluat föör a nuurdfresk spriakwiisen - uk a waast- an uastfresk dialekten kön´r määnd mä wees.
"Tatsächlich ist die dialektale Vielfalt ein wesentliches Merkmal des Friesischen. Es nimmt aufgrund dieses Tatbestandes eine einzigartige Stellung in der germanischen Sprachenfamilie ein. Friesisch gliedert sich in drei Zweige: Westfriesisch ist in der Provinz Friesland der Niederlande verbreitet und wird von etwa 400000 Menschen gesprochen. Ostfriesisch ist im eigentlichen Kernland ausgestorben, hat sich aber außerhalb Ostfrieslands in der oldenburgischen Gemeinde Saterland erhalten und ist für rund 2000 Menschen die Muttersprache. Nordfriesisch [...] wird an der Nordwestküste des Bundeslandes Schleswig-Holstein sowie auf der Insel Helgoland gesprochen. [...]
Friesisch zählt gemeinsam mit dem Nieder- und Hochdeutschen, dem Niederländischen und dem Englischen zur westgermanischen Sprachengruppe. Mit dem Angelsächsischen zählt es zum Nordseegermanischen (Ingwäonisch). In zahlreichen Wörtern zeigen sich noch heute Ähnlichkeiten mit der englischen Sprache. ‚Schlüssel‘ zum Beispiel heißt auf englisch key, auf Föhr kai, in der Bökingharde koie; ‚Ärmel‘ auf englisch sleeve, auf Föhr sliaw und in der Bökingharde sliiw."
(Prof. Dr. Thomas Steensen, geb. 1951 in Bredstedt , Direktor des Nordfriisk Instituut in Bredstedt und Christina Tadsen, stellvertretende Leiterin des Nordfriisk Instituuut in Bredstedt: Friesisch und die Mehrsprachigkeit im Sprachenland Nordfriesland. In: Das große Nordfriesland-Buch, Ellert & Richter Verlag)
Barfuß im Strandkorb
En bilj, wat a baaseliidj ei tu wen san: Uun hög geegenden stun ´r taarepsskäälten mä tau spriaken üüb. "Bredstedt" stäänt´r tun bispel suart üüb güül. An diar oner do: "Bräist" – a nuurdfresk nööm. Föör föölen as´et föör al at fresk, wat hörens identiteet üüs nuurdfresken ütjmaaget. Troch a spriak feel´s jo uk ians mä dön fresken faan Niedersachsen an faan Waastfresklun uun Hollun – uk wan a spriakwiisen rocht onerskiaselk san! A waast- an a nuurdfresken tun bispel kön enöler knaap ferstun.
"Die sprachliche Sonderstellung des Nordfriesischen wurde durch einen erheblichen dänisch-jütischen Einfluß verstärkt, der auch den zentralen Wortschatz betraf. Selbst die dänische Verneinung ikke, ej wurde als ai, ei, ek für ‚nicht‘ in die meisten nordfriesischen Dialekte aufgenommen. ‚Junge‘ ist zum Beispiel im Dänischen dreng, auf Föhr und in der Bökingharde jeweils dring, ‚Feuer‘ heißt auf dänisch ild, auf Föhr ial, in der Bökingharde iijl. Als Faustregel gilt, wie schon der erste nordfriesische Wörterbuchschreiber Boy Jacobsen 1745 bemerkte, ‚daß je näher Husum je mehr Plattdeutsch, je näher Tondern je mehr Dänisch mit unterläuft‘. Selbstverständlich sind in der Gegenwart alle nordfriesischen Dialekte den über Medien, Schule usw. einströmenden hochdeutschen Einflüssen ausgesetzt. [...]
(Prof. Dr. Thomas Steensen, geb. 1951 in Bredstedt , Direktor des Nordfriisk Instituut in Bredstedt und Christina Tadsen, stellvertretende Leiterin des Nordfriisk Instituuut in Bredstedt: Friesisch und die Mehrsprachigkeit im Sprachenland Nordfriesland. In: Das große Nordfriesland-Buch, Ellert & Richter Verlag)
"Ferteel iinjsen!" (fertel ens) het a nuurdfresk fertel-weedstriidj faan a NDR 1 Welle Nord. Wan´em ginau as, het ´r oober bluat uun a böökinghias so, det het uun a naichte faan Naibel an trinjenaam. De wat heer fresk snaaket, snaaket ´frasch´. Hoker diarjin üüb Feer fresk snaaket, de snaaket ´fering´. An wan üüb Feer hoker fertel skal, do sait ham "fertel ens!" tu ham. At nuurdfresk wurt uun en mase onerskiaselk dialekten snaaket.
In Nordfriesland unterscheidet man, jeweils von Nord nach Süd, folgende Hauptdialekte (die sich teilweise wiederum in verschiedene Unterdialekte aufgliedern):
Syltring (sölring)
Föhring-Amring (fering-öömrang)
Helgoländisch (halunder)
Wiedingharder (freesk)
Bökingharder (frasch)
Karrharder (fräisch)
Nordergoesharder (fräisch, freesch)
Mittelgoesharder (freesch)
Halligfriesisch (freesk) [...]
Die drei inselnordfriesischen Hauptdialekte weisen teils erhebliche Unterschiede auf, sind aber bei aller Verschiedenheit untereinander enger verwandt als mit dem Festlandsnordfriesischen. Dieses bildet eher ein Kontinuum, weist also in der Regel nur graduelle Abweichungen auf. Daß für einen Gegenstand in den verschiedenen Dialekten völlig unterschiedliche Wörter benutzt werden, kommt nur selten vor. Eine solche Ausnahmebilden die friesischen Entsprechungen für ‚Tisch‘, der in der Bökingharde scheew, auf Föhr und Amrum boosel, auf Sylt staal, auf Helgoland taffel genannt wird.
"Die Zweiteilung ins Insel- und Festlandsfriesische besteht schon von Anfang an. Die Friesen kamen nämlich in zwei Schüben aus ihrem ursprünglichen Siedlungsgebiet an der südlichen Nordseeküste hierher. Zunächst wurden ab dem 7. Jahrhundert vor allem die Inseln Sylt, Föhr, Amrum und Helgoland, sowie das westliche Eiderstedt besiedelt. Vom 11. Jahrhundert an nahmen die Friesen systematisch auch das Festland in Besitz und machten das sumpfige Land urbar, indem sie die oberste Torfschicht abgruben – zeitweise wurde aus ihr Salz gewonnen – und sodann den Marschboden beackerten. Daß das Friesische der Halligen als Festlandsfriesisch gilt, ist auf die zum Zeitpunkt der Einwanderung ganz anders geartete Küstengestalt zurückzuführen.
Es gab kein nordfriesisches Staatswesen, das vereinheitlichend hätte wirken können. Ebenso fehlte ein auf die ganze Region ausstrahlendes politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum.
Die einzelnen nordfriesischen Harden waren größtenteils durch Meeresarme, Flüsse oder sumpfige Niederungen voneinander getrennt und hatten verhätnismäßig wenig Verbindung miteinander. Sie entwickelten sich in vieler, vor allem auch in sprachlicher Hinsicht weitgehend unabhängig. Man identifizierte sich stark mit der eigenen Harde, der eigenen Insel und auch mit dem eigenen Dialekt, den man jeweils für ‚das eigentliche‘, ‚das reinste‘ Friesisch hielt."
(Prof. Dr. Thomas Steensen, geb. 1951 in Bredstedt , Direktor des Nordfriisk Instituut in Bredstedt und Christina Tadsen, stellvertretende Leiterin des Nordfriisk Instituuut in Bredstedt: Friesisch und die Mehrsprachigkeit im Sprachenland Nordfriesland. In: Das große Nordfriesland-Buch, Ellert & Richter Verlag)
Tu de NDR 1 Welle Nord reporter, wat faan´t taarep Aalkersem üüb Feer berocht, sait de ääler maan solt uk dön jong liidj, wat heer san, snaake altermal fering; hoker nian fering snaaket as ´out´. ´In´ san sodening dönen, wat det hiisig spriakwiis, at fering kön – nian wonder do, bitu tu Risem-Lunham üüb a feesteeg as at fresk spriak üüb Feer huuch uunsen. Fresk snaake uun´t gehial so am an bi 10.000 lidj uun nuurdfresklun. [...]
"Durch die Jahrhunderte war Friesisch die allgemein gebräuchliche Sprache in der Familie, im Dorf und im Nahbereich. Als Amts-, Kirchen- und Schulsprache herrschte jedoch spätestens seit der Reformation das Niederdeutsche. Nordfriesisch blieb lange auf den mündlichen Gebrauch beschränkt. Erst von etwa 1800 an wurde es zunehmend als Schriftsprache benutzt. Seitdem ist eine recht breite und vielfältige Literatur entstanden. Wie groß das Interesse ist, zeigten verschiedene Autorenwettbewerbe.
Die seit dem 19. Jahrhundert entstandene friesische Bewegung hat es sich zum Ziel gesetzt, friesische Sprache und Kultur zu bewahren und fortzuentwickeln. Lange Zeit wurden diese Bestrebungen jedoch von der übermächtigen nationalen Auseinandersetzung zwischen Deutsch und Dänisch im alten Herzogtum Schleswig überlagert und überschattet.
Verschiedene friesische Vereine und Institutionen haben sich herausgebildet. Der Nordfriesische Verein, 1902 als erster Heimatverein für ganz Nordfriesland gegründet, umfasst mit den ihm angeschlossenen Vereinigungen heute etwa 4800 Mitglieder. Er hat sich korporativ dem Schleswig-Holsteinischen Heimatbund angeschlossen. [...]
Die örtlichen friesischen Vereine leisten mit grossem Engagement eine vielfältige kulturelle Arbeit. Sie bieten friesische Sprachkurse an, bemühen sich um friesisches Theaterspiel, unterhalten Tanz- und Trachtengruppen, richten zum Teil das ‚Biikebrennen‘ aus, das jeweils am 21. Februar gefeierte ‚Nationalfest‘ der Nordfriesen, setzen sich für Natur- und Denkmalschutz ein und vieles mehr.
Die rund 600 Mitglieder zählende Foriining for nationale Friiske, gegründet 1923 als Friesisch-schleswigscher Verein, bemüht sich vor allem um die Förderung der friesischen Sprache in möglichst vielen Lebensbereichen. Die Foriining arbeitet mit der dänischen Minderheit zusammen und lässt sich politisch vom Südschleswigschen Wählerverband (SSW) vertreten. [...]
Als zentrale wissenschaftliche Einrichtung in Nordfriesland für die Pflege, Förderung und Erforschung der friesischen Sprache, Geschichte und Kultur dient seit 1965 das Nordfriisk Instituut in Bredstedt. Es wird von dem etwa 850 Mitglieder zählenden Verein Nordfriesisches Institut getragen, der 1948 gegründet wurde. Das Institut unterhält u.a. eine Fachbibliothek und ein Archiv, gibt die Vierteljahresschriften ‚NORDFRIESLAND‘ und ‚Der Maueranker‘, das ‚Nordfriesische Jahrbuch‘ sowie Bücher in deutscher und friesischer Sprache heraus, bietet Kurse, Vortragsveranstaltungen, Seminare, Fachtagungen und Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen an. [...]
An der Universität Kiel besteht seit 1950 die Nordfriesische Wörterbuchstelle, die bereits mehrere lexikalische Werke für den wissenschaftlichen und praktischen Gebrauch sowie friesische Lehrbücher und Sprachkurse herausgegeben hat. Geleitet wird die Wörterbuchstelle von dem Inhaber der 1978 eingerichteten Professur für Friesisch. Das Friesische Seminar an der Universität Flensburg dient vor allem der Ausbildung von Friesischlehrkräften; es ist zur Zeit nicht hauptamtlich besetzt.
Über ein eigenes Schulwesen verfügen die Nordfriesen – im Unterschied etwa zur dänischen Minderheit in Süd- und zur deutschen Minderheit in Nordschleswig – nicht. Stattdessen wird an den staatlichen Schulen sowie an einzelnen Schulen der dänischen Minderheit auch Friesisch unterrichtet. Seit den siebziger Jahren konnte dies, wie zuvor schon einmal in den 1920ern, fast flächendeckend an allen Grund- und Hauptschulen im friesischen Sprachgebiet erreicht werden. Allerdings werden in der Regel nur vom dritten bis zum sechsten Schuljahr zwei Wochenstunden erteilt, und zwar auf freiwilliger Grundlage. Zunehmend berücksichtigt wird die friesische Sprache auch in Kindergärten. [...]
Im öffentlichen Leben wird der friesischen Sprache seit einigen Jahren mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Seit dies 1997 erlaubt wurde, haben mehrere Gemeinden ihre Ortstafeln zweisprachig deutsch-friesisch gestaltet. In vielen Orten gibt es auch friesische Straßenschilder. Manche Standesämter ermöglichen es Hochzeitspaaren, sich auf friesisch trauen zu lassen. Im kirchlichen Bereich werden seit einigen Jahren wieder gelegentlich Gottesdienste auf friesisch gehalten, die grossen Zuspruch finden."
(Aus: Prof. Dr. Thomas Steensen, geb. 1951 in Bredstedt , Direktor des Nordfriisk Instituut in Bredstedt: Die Nordfriesen. In: Kulturen-Sprachen-Minderheiten. Ein Streifzug durch die Dänisch-Deutsche Grenzregion)