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Wolfgang Petersen 1972 - damals war der Regisseur noch nicht ganz so bekannt.
Als der damals einem breiten Publikum noch nicht bekannte Regisseur Wolfgang Petersen 1977 für den NDR den Tatort "Reifezeugnis" dreht, ist das für den kühlen Blonden aus dem hohen Norden bereits sein sechster Tatort. Aber spätestens mit diesem Fernseh-Krimi ist Petersen endgültig auch bei den Fernsehzuschauern der ganzen Republik angekommen - sein Durchbruch beim Publikum und ein entscheidender Meilenstein in einer bemerkenswerten Karriere, die ihn bis nach Hollywood führen soll.
Der deutsche Regisseur und Filmproduzent, der am 14. März 1941 in Emden geboren wurde, hat jetzt seinen 70. Geburtstag gefeiert. An Ruhestand denkt er aber freilich noch lange nicht.
Die ersten Jahre seiner Kindheit verbringt der Sohn eines Marine-Offiziers in Mecklenburg. Nach dem Krieg zieht die Familie zunächst zurück in Wolfgang Petersens Geburtsort Emden und 1950 schließlich nach Hamburg. Bereits auf dem Gymnasium dreht er erste Filme auf 8-mm-Schmalfilm. Nach dem Abitur arbeitet er als Regieassistent und Schauspieler, inszeniert am Jungen Theater in Hamburg bereits Theaterstücke für Kinder.
1965 beginnt er ein Studium der Theaterwissenschaft in Hamburg und Berlin. Dort wechselt er 1966 an die gerade gegründete Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Als einer der ersten Absolventen beendet er dort 1969 sein Studium mit dem Film "Ich werde dich töten". Daneben inszeniert er in Hamburg weiterhin Theaterstücke.
Sowohl für den Regisseur Wolfgang Petersen als auch für Schauspielerin Nastassja Kinski war der Tatort "Reifezeignis" der Durchbruch.
Ab 1971 arbeitet Petersen als Regisseur für den WDR und schließlich den NDR. Hier dreht er bis 1977 sechs Tatort-Folgen mit Klaus Schwarzkopf als Kieler Kommissar Finke. Bis heute erfolgreichster Tatort - gemessen an Zuschauerzahlen und damit Bekanntheit - ist zugleich Petersens letzter: "Reifezeugnis" mit Christian Quadflieg, Judy Winter und der jungen Nastassja Kinski, die mit diesem Film über Nacht berühmt wird.
Mit dem Spielfilm "Die Konsequenz" greift Petersen 1977 das Thema homosexuelle Liebe auf - damals ein Tabu, das bei seiner Fernsehausstrahlung im Ersten den Bayerischen Rundfunk zum Abschalten des Gemeinschaftsprogramms veranlasst.
In Wolfgang Petersens Erfolgsfilm "Das Boot" spielt Jürgen Prochnow (links) den "Alten".
1980 markiert einen weiteren Meilenstein in der Karriere Wolfgang Petersens: Die Bavaria Film überträgt ihm die Regie für die Verfilmung von Lothar Buchheims autobiografischem Roman "Das Boot". Die Geschichte beschreibt das Schicksal der U-Boot-Fahrer auf dem deutschen Kriegsschiff U 96. In Deutschland wird der Film, in dem unter anderem Jürgen Prochnow, Otto Sander und Herbert Grönemeyer mitspielen, zum Erfolg - in der USA gar zum Kassenschlager.
Mit dem damals größten Budget der deutschen Nachkriegsgeschichte von 50 Millionen Mark dreht Petersen anschließend "Die unendliche Geschichte" nach dem Roman von Michael Ende.
1984 erhält Petersen seinen ersten Regieauftrag in Hollywood, den Science-Fiction-Thriller "Enemy Mine" (Geliebter Feind). 1987 zieht er mit seiner Frau Maria nach Los Angeles und dreht fortan große Kino-Produktionen für den internationalen Markt: Tod im Spiegel (1991), In the Line of Fire - Die zweite Chance (1993), Outbreak - Lautlose Killer (1995), Air Force One (1997), Der Sturm (2000), Troia (2004) und Poseidon (2006).
Über die Regie-Arbeit hinaus realisiert Petersen in den USA als Produzent außerdem mehrere große Kinofilme, unter anderem für MGM "Red Corner - Labyrinth ohne Ausweg" (1997).
Wolfgang Petersen ist von seiner Arbeit "besessen" und hat noch viele Projekte.
In Rente zu gehen, kommt für Wolfgang Petersen nicht infrage, er will weiter Filme drehen. Das sei "wie eine Droge", verrät er kurz vor seinem 70. Geburtstag in seinem Büro im kalifornischen Santa Monica. "Das ist ein Teil unseres Lebens, sonst könnten wir Filmschaffende gar nicht richtig atmen." Er selbst sei immer noch "so besessen" von seiner Arbeit, dass ihn allein das jung halte. "Das war ja auch bei Bernd Eichinger so, man hätte sich den Bernd niemals als Rentner vorstellen können", sagt Petersen über den langjährigen Freund und Wegbegleiter, der Anfang 2011 überraschend starb.
Spricht Petersen von seinen nächsten Projekten, kommt er ins Schwärmen: Im Herbst will er mit den Dreharbeiten für eine Liebesgeschichte im Science-Fiction-Kleid beginnen, nach dem Roman "Old Man's War" (deutscher Titel: "Krieg der Klone") von John Michael Scalzi. Geplant sei auch ein deutscher Spielfilm als Remake der 70er-Jahre-Fernsehkomödie "Vier gegen die Bank". Hierfür will Petersen etwa mit Till Schweiger in Deutschland drehen. Er, Petersen, sei zwar ein Deutscher, der gerne in den USA lebe, aber nach fast 24 Jahren in Hollywood freue er sich sehr auf den Dreh in der Heimat.