Ein Klassiker des Kinderprogramms - die "Sesamstraße"

Die Sesamstraßen-Bewohner feiern © NDR/Sesame Workshop Detailansicht des Bildes Die Sesamstraße ist ein Klassiker unter den Sendungen für kleine Leute. Ein zwei Meter großes Monster mit braunem Zottelfell und Kleinkind-Allüren, einen grünen Griesgram, der in einem Regenfass lebt, ein ziemlich cleveres Schaf, das öfter mal Detektiv spielt, oder eine kurzsichtige Schnecke, die Skateboard fährt - wo gibt es denn so was? Na klar, in der Sesamstraße.

Seit 1973 flimmert die Sesamstraße in Deutschland über den Bildschirm. Und das ist heute, in der schnelllebigen Fernsehwelt, fast einmalig. Längst ist der Pionier des Kinderprogramms zum Klassiker unter den Sendungen für kleine Leute geworden.

Kinder-Unterhaltung aus den USA

Kermit und Krümelmonster aus der Sesamstraße © picture-alliance / dpa Fotograf: Dieter Klar Detailansicht des Bildes Die amerikanische "Sesame Street" feierte ihre Fernsehpremiere im November 1969. Die amerikanische "Sesame Street" feierte ihre Fernsehpremiere im November 1969. Vorbild für die deutsche Sesamstraße war die US-amerikanische "Sesame Street". Als Vorschulprogramm konzipiert, lief diese Serie erstmals 1969 im Fernsehen - und mauserte sich im Laufe der Zeit zur populärsten Kinder-Unterhaltung in den USA.

"Sesame Street" nahm mit seinen pädagogischen Zielen damals eine Pionierrolle ein. Das Medium Fernsehen wurde von den Machern der Sendung als eine Möglichkeit zur Vorschulerziehung - vor allem bei sozial benachteiligten Kindern - genutzt. Formal orientierte sich das Vorschulprogramm an der Präsentation der Werbung im amerikanischen Fernsehen, die in ihren kurzen, unterhaltsamen und oft wiederholten Spots bei Kindern Aufmerksamkeit und einen hohen Lerneffekt erzielte.

Deutsche Fernsehmacher lernten die "Sesame Street" erstmals 1970 in München beim "Prix Jeunesse", einem internationalen Wettbewerb für Kinder- und Jugendsendungen, kennen. Die Serie gewann dort den Hauptpreis. Ein so spritzig und zugleich intelligent gemachtes Programm für Kinder hatten die Fernsehmacher bis dahin noch nicht gesehen.

Wie alles begann

Matt Robinson (Gordon) und Loretta Long (Susan) mit Ernie und Bert in der "Sesame Street" © NDR/Sesame Workshop Detailansicht des Bildes Die Dritten Programme zeigten 1972 eine sychnonisierte Fassung der amerikanischen "Sesame Street". Die Dritten Programme zeigten 1972 eine sychnonisierte Fassung der amerikanischen "Sesame Street". Nach einem kurzen heftigen Wettlauf von ARD und ZDF um die Rechte an der Sendung entschieden die Amerikaner sich schließlich für den NDR. Das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft förderte das Projekt mit drei Millionen Mark, ein achtköpfiger wissenschaftlicher Beirat zur Unterstützung der Redaktion wurde installiert, und dann ging es los: Am 1. August 1972 war die Originalfassung der "Sesame Street", deutsch synchronisiert, erstmals in den Dritten Programmen zu sehen.

Die Sesamstraße in ihrer jetzigen Form - eine Mischung aus deutschen und amerikanischen Szenen, startete dann am 8. Januar 1973 im Ersten sowie in den Dritten Programmen von NDR, Radio Bremen, SFB, HR und WDR. Im Herbst sprang auch die "Südkette" der ARD-Sender auf den Sesamstraßen-Zug auf. Nur der Bayerische Rundfunk weigerte sich: Ihm war die Machart des Kinderprogramms nicht geheuer. Außerdem entspräche die soziale Situation in Deutschland nicht der in der Sendung - es gäbe "zu viele Szenen aus dem Slum-Milieu".

Lernen ohne pädagogischen Zeigefinger

Uwe Friedrichsen zeigt Tiffy einen Wecker. © picture-alliance / dpa Fotograf: Gus Detailansicht des Bildes Uwe Friedrichsen spielte in der Sesamstraße von 1979 bis 1981. Gerade die neue Machart kam bei den deutschen Kindern jedoch sehr gut an. Mitte 1973 kannten fast 100 Prozent der Kinder zwischen drei und sechs Jahren die Sendung. Die Sesamstraße legte (und legt heute noch) großen Wert auf das Erlernen von sozialem Verhalten, Kreativität und Selbstbewusstsein.

Uwe Friedrichsen spielte in der Sesamstraße von 1979 bis 1981. Neben Lob gab es allerdings auch Kritik. Eltern, Erzieher und Wissenschaftler bemängelten vor allem die amerikanischen Straßenszenen, die nicht viel mit der Lebenswelt deutscher Kinder gemein hätten. In der Folge ließ die Sesamstraßen-Redaktion diese Geschichten ab Januar 1976 weg. Ein Sturm der Entrüstung, diesmal seitens der Kinder, brach los: Ihnen fehlten die Identifikationsfiguren, die bekannten Orte. Das führte zu einer Überarbeitung der Sendung  unter Berücksichtigung neuester Kritik und Forschungsergebnisse.

In einer auch für deutsche Kinder wiedererkennbaren Umgebung sollten Menschen und Puppen gemeinsam ihre Geschichten spielen. Ab 1978 hieß es deshalb: Bühne frei für die neuen Puppen Samson, Tiffy, Rumpel und Finchen sowie bekannte Darsteller wie Lilo Pulver, Manfred Krug und Uwe Friedrichsen. Bald schon richteten sich Briefe an die "Samsonstraße".

Ein Abbild des "richtigen Lebens"

Pferd mit Wolle im Stall © NDR / Studio Hamburg Detailansicht des Bildes Seit 2002 machen Wolle und Pferd in der Sesamstraße mit. Seit 2002 machen Wolle und Pferd in der Sesamstraße mit. Die Rahmenhandlungen der Sesamstraße erzählen Geschichten, die für Kinder nachvollziehbar sind - mit ganz unterschiedlichen Identifikationsfiguren. Samson, Finchen oder Rumpel wurden beim NDR in Hamburg geboren: Sie gesellten sich zu Ernie und Bert.

Die Sesamstraße wuchs und entwickelte sich. Menschen und Puppen leben darin zusammen: mit verschiedenen Neigungen und Wünschen, mit der Sehnsucht nach Anerkennung und mit kleinen Konflikten. Die Einflüsse der Stadt sind sichtbar. Aber das Tempo in dieser Welt orientiert sich an dem der Kinder.

Inzwischen sind einige Puppen, wie zum Beispiel Herr von Bödefeld, Mutter Moni und Lena, das Monsterbaby, aus der Sesamstraße ausgezogen, andere, wie Wolle und Pferd, sind dazugekommen. Wolle, das Schaf und sein Freund Pferd haben 2010 sogar ihre eigene Sendung bekommen: in dem Spin-Off "Sesamstraße präsentiert: Eine Möhre für Zwei" spielen die beiden die Hauptrolle.

Puppen pendeln zwischen New York und Hamburg

Elmo winkt © 2004 Sesame Workshop Detailansicht des Bildes Ab Herbst 2012 ist Elmo in der Sesamstraße zu sehen. Wann immer neue Geschichten für die Sesamstraße gedreht werden, müssen die Puppen, die mitspielen, in New York beim Sesame Workshop, dem Mutterhaus der Sesamstraße, bestellt werden. Sie kommen dann in Kisten verpackt aus Amerika herübergeflogen.

Ab Herbst 2012 ist Elmo in der Sesamstraße zu sehen Einige Figuren wurden speziell für die deutsche Sesamstraße gebaut und mit ihnen wird ausschließlich in Deutschland produziert. Andere Muppets wurden für die NDR Produktionen noch mal nachgebaut, da sie auch zeitgleich für Produktionen der Sesame Street gebraucht werden. 2005 kamen so Ernie und Bert nach Hamburg. Sie werden nur für die Reinigung  und Reparatur nach Amerika geschickt - zur Jim Henson Company, der Firma des berühmten Puppenbauers Jim Henson in New York. Aktueller Neuzugang im Sesamstraßen-Team ist das rote Plüschmonster Elmo. Ab Herbst ist Elmo in der Sesamstraße zu sehen.

Prominente Gäste kommen gern

Xavier Naidoo, Ernie und Bert mit dem fertigen Kuchen © NDR / Uwe Ernst Detailansicht des Bildes Musiker wie Xavier Naidoo singen gern mit Ernie und Bert. Musiker wie Xavier Naidoo singen gern mit Ernie und Bert. Auch in den aktuellen Produktionen sind prominente Schauspieler und Musiker immer wieder Gäste der Sesamstraße. So spielte Ralf Schmitz einen Außerirdischen auf Abwegen, Otto war der Regenmann und Barbara Schöneberger die Sonnenfrau in einem Wetterhäuschen. Auch Anke Engelke spielte in vielen Rahmengeschichten mit, zum Beispiel als "Lou, der Lappen". Annette Frier heiratete sogar in der Sesamstraße: den Gemüsehändler Nils (Nils Julius).

Für die Reihe "Sesamstraße präsentiert: Ernie & Bert Songs" haben deutsche Musikstars wie Herbert Grönemeyer, Xavier Naidoo, Jan Delay und Lena Meyer-Landrut gemeinsam mit Ernie und Bert neu getextete Versionen ihrer Hits gesungen.

Träumen mit Ernie und Bert als Knetfiguren

Ernie und Bert in ihrem Schlafzimmer © NDR Detailansicht des Bildes Das fliegende Bett von Ernie und Bert trägt die beiden an immer neue Traumland-Orte. Das fliegende Bett von Ernie und Bert trägt die beiden an immer neue Traumland-Orte. Ernie und Bert sind übrigens auch Helden einer Animations-Serie. Erstmalig sind die beiden Sesamstraßen-Bewohner dabei nicht als Puppen, sondern als Knetfiguren zu sehen. In den jeweils fünfminütigen Geschichten erleben die beide lauter verrückten Abenteuer. Ihr fliegendes Bett trägt sie jedes Mal zu einem neuen Schauplatz im (Knet-)Traumland.

Ein Programm wie die Sesamstraße über Jahrzehnte nicht nur am Leben zu erhalten, sondern weiterzuentwickeln und immer wieder kritisch zu hinterfragen, verlangt genaue Beobachtung und Analyse kindlicher Bedürfnisse und gesellschaftlicher Entwicklungen - dieser Aufgabe hat sich der NDR kontinuierlich gestellt.

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/land_leute/norddeutsche_gesichter/sesamstrasse108.html
Wieso, warum, weshalb...

Was Sie immer schon über die "Sesamstraße" wissen wollten


Wo sind eigentlich Oskar und Bibo geblieben?
Oskar und Bibo sind immer Teil der "Sesamstraße" gewesen und sind es auch heute noch. In den frühen Siebzigerjahren waren sie häufiger zu sehen, weil sie Teil der amerikanischen Studioszenen waren, die dann durch die deutschen Studiogeschichten ersetzt wurden. Heute sieht man beide regelmäßig - wenngleich nicht so oft wie anderen - in den Puppenszenen.

Warum altern die Puppen nicht? Sie sind schließlich schon seit über 30 Jahren auf
dem Bildschirm ...
Die Puppen haben einfach Glück! Sie bleiben wer sie sind - und bleiben damit auch auf einer ganz bestimmten - archetypischen - Entwicklungsstufe.

Was ist mit Herrn von Bödefeld passiert?
Fast zehn Jahre lang gehörte Herr von Bödefeld, immer ungeheuer feinsinnig und ete-petete, zur "Sesamstraßen"-Familie. Dann wurde die Lizenz für die Puppe nicht mehr verlängert und Herr von Bödefeld musste aus der "Sesamstraße" ausziehen. Für ihn kam Rumpel neu hinzu.

Links

Videos, Spiele und Infos zu den Puppen auf der offiziellen Website der amerikanischen Sesamstraße.

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