Stand: 17.06.2010 17:14 Uhr
Heidi Kabel - Die Bühne war ihr Leben
Was machen die Nachbarn? Heidi Kabel als Frau Boldt in dem legendären Ohnsorg-Stück "Tratsch im Treppenhaus".
Sie gehörte zu Hamburg wie der Michel und die Elbe. Und wer an Heidi Kabel denkt, dem fällt sofort das Ohnsorg-Theater ein. 66 Jahre lang stand sie dort in mehr als 160 plattdeutschen Stücken auf der Bühne und spielte sich in die Herzen eines Millionen-Publikums. Unvergessen bleiben ihre Auftritte in Klassikern wie "Tratsch im Treppenhaus", "Trautes Heim" oder "Die Kartenlegerin", die auch fürs Fernsehen aufgezeichnet wurden und noch heute die Zuschauer begeistern.
Geradlinigkeit, Witz und Herz
Hausfrauen, Schlampen, Hausdrachen oder Mütter - Heidi Kabel schlüpfte in alle Rollen großer Frauengestalten des Volkstheaters und das mit norddeutscher Geradlinigkeit, Witz und Herz. In den 40er-Jahren spielte sie zur Aufbesserung ihrer Gage noch Schifferklavier, da die Bühnen nur wenig besucht wurden. Mit der bundesweiten Übertragung der Ohnsorg-Aufführungen im Fernsehen nahm ihre beeindruckende Karriere Mitte der 50er-Jahre ihren Anfang. Heidi Kabel machte das Plattdeutsche salonfähig und schuf damit ein norddeutsches Gegenstück zu den großen Mundart-Bühnen wie dem bayerischen Komödien-Stadl und der "kölschen" Bühne von Willy Millowitsch.
Neben dem Theater wirkte sie auch in zahlreichen Fernsehfilmen und -serien mit. Zu den bekanntesten zählen "Klein Erna auf dem Jungfernstieg" (1969), "Grün ist die Heide" (1972) mit ihrem langjährigen Bühnenkollegen Henry Vahl, die Krimireihe "Tante Tilly" (1986-1987) und die musikalische Unterhaltungsshow "Haifischbar" (1970-1973). Ihre letzte Rolle spielte Heidi Kabel mit 92 - an der Seite ihrer Tochter in dem Detlev-Buck-Film "Hände weg von Mississippi".
Heidi Kabel: 66 Jahre im Rampenlicht
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1937 heiratet Heidi Kabel ihren Schauspiel-Kollegen vom Ohnsorg-Theater, Hans Mahler (undatierte Aufnahme). Er übernimmt 1947 die Leitung des Hauses und hat entscheidenden Einfluss auf die Rollen seiner Frau.
Wohl das bekannteste und beliebteste Ohnsorg-Stück: Heidi Kabel und Henry Vahl in "Tratsch im Treppenhaus". Uraufgeführt wurde es am 1. Januar 1962.
Auch beim Film hat Heidi Kabel Erfolg. In "Klein Erna auf dem Jungfernstieg" spielt sie 1969 die Tante des rotzfrechen Mädchens. Als Frieda Pumeier steht sie in der Komödie mit viel Hamburger Lokalkolorit an der Seite von "Vater" Harald Juhnke und "Onkel Fritz" Heinz Erhard.
Bei den Dreharbeiten zu "Klein Erna auf dem Jungfernstieg" genießen Heidi Kabel und ihre Tochter Heidi Mahler, die ebenfalls am Ohnsorg-Theater zum Star wird, Erdbeeren.
Weiterer Filmerfolg: Heidi Kabel mit Henry Vahl während der Dreharbeiten zu "Grün ist die Heide" im Oktober 1972. In dem Heimatfilm spielt sie die Frau Engelmann, Henry Vahl den "Opa".
Heidi Kabel ganz privat: 1976 mit Tochter Heidi Mahler bei einer Kaffeestunde in ihrem Haus im Hamburger Stadtteil Nienstedten ...
... und in ihrer Küche, wo sie sich einen selbst zubereiteten Kartoffelpuffer schmecken lässt.
Auftritt als "Glücksfee" in der Sendung "Der große Preis" am 15. Juni 1976 an der Seite von Wim Thoelke und Beate Hopf.
Heidi Kabel spielt häufig gemeinsam mit ihrer Tochter Heidi Mahler, unter anderem in dem Stück "Land in Sicht" im Januar 1979.
Zwei deutsche Schauspieler-Legenden: Heidi Kabel mit ihrem langjährigen Kollegen und Freund Willy Millowitsch am 8. Juli 1996 in Köln.
"Mein ehrlicher Tag" feiert am 1. April 1997 im Hamburger St.Pauli-Theater Premiere. Mit diesem Stück beendet Heidi Kabel am Silvesterabend 1998 ihre Schauspielkarriere im Alter von 84 Jahren - nach 66 Jahren auf der Bühne.
Fortan konzentriert sie sich aufs Private, hier in ihrem Garten im Juli 1999.
Bei wichtigen Anlässen fehlt sie dennoch nicht, etwa 2004 auf der Festveranstaltung des Hamburger Ohnsorg-Theaters zu dessen 50-jähriger Fernseh-Geschichte. Mit dabei: Der damalige NDR Intendant Jobst Plog (li.) und der Intendant des Ohnsorg-Theaters, Christian Seeler.
Ihren 90. Geburtstag feiert Heidi Kabel am 27. August 2004 in kleinem Kreise in einem Hotel an der Elbe. Zu dem Empfang kommen Kollegen, Freunde und Bekannte.
Von Tochter Heidi Mahler gibt es einen dicken Geburtstagskuss.
Am 18. November 2004 hat Heidi Kabel ihren letzten öffentlichen Auftritt: im "Theater im Hafen" in Hamburg bei der "Bambi"-Verleihung.
Nach 1989 und 1990 ist es ihr dritter "Bambi" - diesmal für ihr Lebenswerk. Die Grande Dame der niederdeutschen Bühne in der ersten Reihe mit Schauspielerin Sophia Loren und Sänger Seal.
2009 feiert die Schauspielerin, die inzwischen in einem Seniorenheim lebt, ihren 95. Geburtstag.
Ein knappes Jahr später, am 15. Juni 2010, stirbt sie in ihrer Heimatstadt. Bei der Trauerfeier im Michel nehmen Familienangehörige und Weggefährten Abschied.
Begraben wird Heidi Kabel neben ihrem Mann auf dem Friedhof in Hamburg-Nienstedten.
Begraben wird Heidi Kabel neben ihrem Mann auf dem Friedhof in Hamburg-Nienstedten.
Mit 18 zum Ohnsorg-Theater
Heidi Bertha Auguste Kabel wurde am 27. August 1914 in Hamburg geboren - gegenüber der "Niederdeutschen Bühne" in den Großen Bleichen - ein geradezu wegweisender Start ins Leben. Eigentlich wollte sie Pianistin werden. Aber als sie mit 18 Jahren eine Freundin zum Vorsprechen begleitete, wurde sie an ihrer Stelle in das Ensemble des späteren Ohnsorg-Theaters aufgenommen. Im selben Jahr hatte sie ihre Bühnenpremiere mit dem Stück "Ralves Carstens" und etablierte sich schnell im Haus. Das Plattdeutsche lernte sie schon in früher Jugend von ihrem Vater: Der selbstständige Buchdrucker war "Vorsitzender des Vereins für geborene Hamburger" und veranstaltete niederdeutsche Abende.
Um auf der Bühne bestehen zu können, begann Heidi Kabel eine Schauspielausbildung. 1937 heiratete sie ihren Kollegen, den Schauspieler Hans Mahler, der 1947 die Leitung des Ohnsorg-Theaters übernahm und auf die Rollen seiner Frau entscheidenden Einfluss hatte. Er starb 1970. Aus der Ehe stammen die Söhne Jan-Rasmus und Heiko sowie die Tochter Heidi, die ebenfalls am Ohnsorg-Theater zum Star wurde.