Siegfried Lenz - der engagierte Beobachter
Siegfried Lenz zählt zu den meistgelesenen deutschen Autoren der Nachkriegszeit. mehr
Norddeutscher Charakter mit Herz: Jan Fedder.
Den Polizisten Dirk Matthies vom "Großstadtrevier", Bauer Kurt Brakelmann in der Serie "Neues aus Büttenwarder" oder den Taucher Jan Hinrichs in der Buchverfilmung "Der Mann im Strom": Jan Fedder spielt meist typische norddeutsche Charaktere - hart aber herzlich. Auch privat ist er eher ein Raubein, einer, der sich nicht an Konventionen hält und sich nicht verbiegen lässt. Und genau so liebt ihn das Publikum: Mehrfach wählten ihn die NDR Zuschauer zum beliebtesten Schauspieler des Nordens.
Jan Fedder wird am 14. Januar 1955 als waschechter Hamburger Jung geboren. Seine Vorfahren fuhren alle zur See, er wächst als Sohn eines Kneipenwirtes und einer Revue-Tänzerin im Stadtteil St. Pauli auf. Im Alter von zehn Jahren beginnt er mit dem Schauspielunterricht, mit 13 steht er das erste Mal in seiner Heimatstadt auf der Bühne: in "Unsere kleine Stadt" am Ernst-Deutsch-Theater.
Nach der Schule macht Fedder eine Ausbildung als Speditionskaufmann, arbeitet aber nie in dem Beruf. Stattdessen spielt er weiter Theater, unter anderem an der Württembergischen Landesbühne Esslingen (1974 - 1976). Nach kleineren Fernsehauftritten wird er 1981 als schnoddriger Bootsmann Pilgrim in Wolfgang Petersens Welterfolg "Das Boot" einem größeren Publikum bekannt. Danach folgen Rollen unter anderem in "Superstau" (1991) sowie Gastauftritte in TV-Krimi-Reihen wie "Tatort".
Dirk Matthies (Jan Fedder) und Ellen Wegener (Mareike Carrière, l.) in einer Folge der Serie "Großstadtrevier" aus dem Jahr 1993.
"Ich bin der Neue" - mit diesen Worten trat Jan Fedder als Dirk Matthies am 3. Mai 1991 seinen Dienst im Großstadtrevier auf dem Hamburger Kiez an. Die Fernseh-Serie, die inzwischen Kult-Status hat, machte ihn bundesweit bekannt. Als Streifenpolizist Dirk Matthies kümmert er sich darin - wie kann es anders sein - um die großen und kleinen Nöte der Bewohner des Kiezes rund um den Hamburger Hafen. Die Rolle ist ihm auf den Leib geschneidert: Matthies beherrscht den rauen Ton des Kiezes und lässt es an Härte nicht missen. Er hat aber auch Herz und setzt sich, wenn nötig, für die kleinen Leute ein - auch wenn sie den Pfad der Tugend einmal verlassen haben. Mehr als 270 Mal war Fedder schon im Großstadtrevier im Einsatz.
Nicht weniger erfolgreich und ebenfalls schon Kult ist die NDR Serie "Neues aus Büttenwarder". Fedder mimt darin - an der Seite von Peter Heinrich Brix ("Adsche") - den Bauern Kurt Brakelmann. Der sorgt in dem Dorf auf dem platten Land, wo eigentlich nicht viel los ist, immer wieder für Aufregung, wenn er auf trickreiche Art und Weise das ganz große Geschäft zu machen versucht. Die erste Folge von "Büttenwarder" war Weihnachten 1997 im Rahmen der Heimatgeschichten zu sehen. Wegen des großen Erfolges wurde aus der Dorfgeschichte eine Serie.
Mal was anderes - Fedder als Taucher in "Der Mann im Strom".
In rund 250 Filmen hat Fedder bisher mitgespielt, die nach seinen eigenen Worten nicht alle "preisverdächtig sind". Aber nicht immer konnte sich der Schauspieler, besonders am Anfang der Karriere, seine Rollen aussuchen. Für die Hauptrolle in "Der Mann im Strom", einer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Siegfried Lenz, hat sich Fedder allerdings ganz bewusst entschieden: "Ich bin einfach froh, dass ich in dieser Produktion einmal eine andere Facette zeigen kann. Wenn man so intensiv mit einer Serie verbunden ist wie ich mit dem 'Großstadtrevier', hat man nicht oft die Gelegenheit dazu." Er spielt in dem Film einen Taucher im Hamburger Hafen, der seine Papiere fälscht, um an einen Job zu kommen, und sich damit erpressbar macht. Für die Darstellung erhält er 2006 den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Bester Schauspieler Fernsehfilm".
An diesen Erfolg knüpft Fedder in den folgenden Jahren an und spielt in zwei weiteren Verfilmungen, die auf Erzählungen von Siegfried Lenz basieren. "Das Feuerschiff" (2008) und "Die Auflehnung" (2010). Beide Produktionen kommen bei Publikum und Kritikern gut an, Fedder wird für seine schauspielerischen Qualitäten gelobt. Gleichzeitig entwickelt er eine tiefe Zuneigung zu dem Schriftsteller. Sein Verhältnis zu Lenz beschreibt er in einem Interview mit dem Kulturjournal schmunzelnd: "Ich liebe ihn. Er ist gütig, er ist schlau, er ist liebenswert. Wenn ich ihn sehe, geht mein Herz auf und dann möchte ich ihn beschützen, wie man seinen Großvater vor allem Unbill dieser Welt beschützen möchte." Und Siegfried Lenz gesteht: "Jan Fedder ist ein Schauspieler, den ich einfach gern habe. Das geht so weit, dass ich für den Rest meines Lebens, das, was ich schreibe, insgeheim an ihn adressieren werde; in der Hoffnung, das kann nur Jan Fedder spielen."
Privat sammelt Fedder, der Kettenraucher ist und sich seit 50 Jahren überwiegend vegetarisch ernährt, leidenschaftlich alte Fahrzeuge. Auf seinem Bauernhof in Schleswig-Holstein bei Itzehoe, wo er meist die Wochenenden verbringt, hat er sich ein kleines Privatmuseum eingerichtet und hortet dort seine Schätze. Dazu gehören Autos, Trecker, Motorräder und Antiquitäten. Sein absolutes Lieblingsstück ist ein Messerschmitt-Kabinenroller. In seiner Freizeit bastelt der Schauspieler gern an den Motoren seiner Sammlerstücke herum. Zudem ist er Musiker und hat sich als Leadsänger der Rockband "Big Balls", die bereits zwei CDs veröffentlicht hat, einen Namen gemacht. Jan Fedder ist seit 2000 verheiratet.