Lübeck: Backsteinpracht und Meer
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Horst Frank, ewiger Bösewicht mit rauchiger Stimme und weicher Seele.
Sein Leben - ein Exzess. Horst Frank säuft, raucht, fährt alle Beziehungen an die Wand und zertrümmert im Streit schon mal eine Wohnung. Seine vierte Ehefrau erträgt er nur, weil sie in getrennten Wohnungen leben. Nicht gerade der Typ, mit dem man befreundet sein will. Und dennoch gibt es keinen aus seinem nahen Umfeld, der sich nicht liebevoll über diesen sensiblen Menschen und außergewöhnlichen Schauspieler äußert.
Am 28. Mai 1929 wird Horst (Bernhard Wilhelm) Frank in Lübeck geboren. Seine Eltern trennen sich früh und er wächst in Hamburg auf. Natürlich zeigt sich seine Mutter nicht begeistert, als ihr Sohn den Wunsch äußert, Schauspielunterricht zu nehmen. Inspiriert wurde er von Will Quadflieg. "Ich sah in Hamburg eine Matinee von ihm. Danach wusste ich, das kann ich auch. Ziemlich arrogant." Das Geld für die Schule muss er sich neben seiner Ausbildung zum Kaufmann mit Jobs als Nachtwächter und Dekorateur selbst verdienen. Bei der Aufnahmeprüfung gibt Horst Frank Goethes "Faust" zum Besten. Allerdings nicht nur eine Rolle. Von der einen Seite zur anderen hüpfend, gibt er sowohl den Faust als auch den Mephisto.
Durchdringende Augen, entrückter Blick, ein Glas in der Hand. Horst Frank war auf schwierige Charaktere und zwielichtige Typen abonniert.
1950 erhält der Schauspieler sein erstes Engagement - am Lübecker Theater. Das Fernsehen wird Mitte der 50er-Jahre auf den blonden Wahl-Hamburger aufmerksam. Mehr als 110 TV-Rollen, 75 Kinofilme und mehr als 200 Theaterstücke kommen in seinem Lebenslauf zusammen. Gleich zu Beginn seiner Karriere, 1956 mit "Der Stern von Afrika", wird auch der Grundstein seines Rollenprofils gelegt: Die Produzenten sehen in ihm den zynischen Feigling, den Antihelden, den irrsinnigen Mörder, einen Verbrecher und Versager. Er wirkt in zahlreichen Krimiserien mit, wie "Der Alte", "Der Kommissar" und "Derrick". Zu seinen bekanntesten Fernsehrollen zählt die des Baron Lefuet (ein Ananym: umgekehrt geschrieben "Teufel") in der Kinderserie "Timm Thaler" (1979). Horst Frank wird neben Klaus Kinski zum beliebtesten TV-Widerling. Dabei hätte er "für Deutschland viel lieber geküsst als gemordet", wie der Schauspieler einmal in einem Interview bemerkt. Seine markante Stimme ist vielen auch aus der Hörspielserie "Die drei ???" bekannt, in der er seit 1979 jahrelang den Kommissar Reynolds sprach.
Geküsst hat er viel, wenn auch nicht für die Kameras. Drei Ehen scheiterten, der vierte Versuch mit Schauspielkollegin Brigitte Kollecker war von Tobsuchtsanfällen und intensivsten Versöhnungen begleitet. Das Paar lebte getrennt. Horst Frank hätte einen Alltag nicht ertragen.
Der exzessive Lebensstil des Schauspielers bleibt nicht ohne Folgen. Zeitweise trinkt er täglich eine Flasche Whisky, raucht mehr als 80 Zigaretten am Tag. Das Geld zerrinnt ihm in den Händen, in den 50er-Jahren versucht er in Tansania in Afrika eine Kaffeeplantage zu betreiben. Doch die politische Lage wird für Weiße zu gefährlich und Horst Frank kehrt wieder nach Deutschland zurück. Die Gesundheit macht ihm im Alter mehr und mehr zu schaffen. Bypässe und Lungenemphyseme erschweren die Arbeit. Seine letzte Rolle führt Horst Frank im Frühjahr 1999 nach München. Dort spielt er mit Volker Lechtenbrink. Ausgelaugt macht der 69-Jährige im Anschluss eine Kur in Heidelberg. Dort legt er sich am 21. Mai 1999 zu einem Mittagsschlaf hin, aus dem er nie wieder erwachen soll.
In der Beziehung mit Brigitte Kollecker flogen ordentlich die Fetzen. Doch in seiner schwersten Stunde steht sie ihm bei und trifft die schwerste Entscheidung ihres Lebens.
Einige Jahre zuvor hatte Horst Frank bereits für genau diesen Fall festgelegt, unter keinen Umständen lebenserhaltende Maßnahmen zu bekommen. Seine Frau Brigitte muss die sicher schwerste Entscheidung in den 20 Jahren dieser krisengebeutelten Beziehung treffen: Am 25. Mai lässt sie die Geräte abschalten, drei Tage vor Horst Franks 70. Geburtstag. Am Abend hört sein Herz auf zu schlagen. Heute erinnert eine Grabstätte auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg an den großen Bösewicht mit der weichen Seele. Horst Frank sagt einmal über sich: "Man kann mich hassen, verdammen. Mit Fingern zeigen auf mich. Die Faust in den Magen mir rammen. Nur vergessen, das kann man mich nicht."