Ministerium für Staatssicherheit (MfS)
Mindestens 85.500 hauptamtliche Mitarbeiter arbeiteten im MfS. mehr
In den drei Nordbezirken Schwerin, Neubrandenburg und Rostock ging der Aufbau der Strukturen und des Überwachungsnetzes in den Anfangsjahren eher langsam voran. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen seien die Vorreiter bei dem Ausbau dieses Netzes gewesen, sagt Gieseke.
Im Rahmen der konspirativ vorbereiteten "Aktion Rose" enteignete der Staat 1953 Hotel- und Pensionsbesitzer im Norden der DDR. Deren Ferienobjekte wurden dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) übergeben. Mehr als 400 Menschen wurden verhaftet und vor einem Sondergericht zu Gefängnisstrafen verurteilt. Enteignungen hatten im ganzen Land auch schon zuvor stattgefunden und den Unmut der DDR-Bevölkerung geschürt.
Im selben Jahr protestierten Arbeiter im ganzen Land gegen die staatlich festgesetzte Erhöhung der Arbeitsnormen: Während der Volksaufstand in anderen Regionen wie etwa Berlin, Sachsen und Thüringen schon am 17. Juni in vollem Gange war, fanden im Norden erst einen Tag später Demonstrationen und Proteste statt - zumeist in den Hafenstädten wie Wismar, Stralsund und Rostock. Volkspolizei, MfS und die sowjetische Armee erstickten die Aktionen im dünn besiedelten Mecklenburg-Vorpommern aber im Keim.
Er war in der DDR ein gefürchteter Politiker: Stasi-Chef Erich Mielke.
Die Macht der SED, gegen deren Politik sich die Proteste der Arbeiter und Bauern richteten, war allerdings zutiefst erschüttert worden. Sogar Dienststellen des MfS hatten die Demonstranten gestürmt. In der Folge kam es in der DDR nach Angaben der BStU unter anderem zu 13.000 bis 15.000 Festnahmen und 18 Hinrichtungen durch Sowjetische Militärtribunale.
Stasi-Chef Zaisser war bei der Ulbricht-Regierung in Ungnade gefallen und wurde im Juli 1953 wegen "parteifeindlicher fraktioneller Tätigkeit" als Minister abgesetzt. Seinen Posten übernahm Ernst Wollweber. Das MfS wurde zum Staatssekretariat abgewertet und bekam erst zwei Jahre später wieder des Status eines Ministeriums. Die Ära Wollweber dauerte bis 1957, danach wurde Erich Mielke Chef der DDR-Staatssicherheit und blieb es bis zuletzt.
Ab Ende der 60er-Jahre und etwas später unter der Regierung Honecker sei der "präventive Sicherheitsstaat" ausgebaut worden, sagt Jens Gieseke. "Es ging darum, in der gesamten Gesellschaft mögliche politische Abweichungen schon im Vorhinein zu erfassen und damit unter Kontrolle zu bekommen." Ein extremer Personalaufbau ab den 70er-Jahren war die Folge. Es sei in dieser Phase vor allem darum gegangen, den Einfluss des Westens, der ja durch den Grundlagenvertrag und die neue Ostpolitik wieder stärker wurde, wirklich gering zu halten, so Gieseke. Am Ende stand ein nahezu lückenloses Spitzel- und Überwachungsnetz, das alle Lebensbereiche der DDR-Bürger durchdrang - ein "Verdienst" des linientreuen neuen Stasi-Chefs.
Selbst Ostsee-Urlauber wurden überwacht. Das MfS wollte Fluchtversuchen übers Wasser vorbeugen.
Diese Entwicklung ging natürlich auch am Norden der DDR nicht vorbei. Bald erkannte die Stasi, dass im Bezirk Rostock gewisse Gefahren lauerten: Der Hafen, von dem aus DDR-Matrosen in See stachen und in dem internationale Seeleute von Bord gingen, barg ein Risiko als potentielles Schlupfloch ins Ausland. Eine eigene Abteilung überwachte deshalb das Areal. Auch war die Region ein beliebtes Urlaubsgebiet bei DDR-Bürgern. Die Nähe zum Meer schien nur allzu verlockend für einen möglichen Fluchtversuch über das Wasser.
Der Überwachungsbedarf wuchs nach Auffassung des MfS also stetig, in der Folge wurde die Bezirksverwaltung Rostock erweitert und war 1980 mit 3.072 die größte unter den 15 DDR-Dienststellen. 1989 befand sie sich mit 3.827 hauptamtlichen Mitarbeitern noch auf dem zweiten Platz - gleich hinter Potsdam. Im Vergleich dazu verfügten die beiden anderen Nord-Bezirksverwaltungen über eine wesentlich schmalere Personaldecke: Schwerin hatte fast 2.300 Mitarbeiter, im bevölkerungsarmen Neubrandenburg waren zuletzt rund 1.900 Hauptamtliche beschäftigt.
Nach dem Mauerfall im November 1989 wendete sich das Blatt: Die Stasi geriet schnell ins Visier der DDR-Bevölkerung, auch im Norden. In der ersten Dezemberwoche stürmten Bürgerrechtler die Dienststellen in Schwerin, Neubrandenburg und Rostock - und forderten die Herausgabe der Akten. Vor allem wollten sie verhindern, dass wichtige Dokumente vernichtet werden.
Nachdem die Stasi noch kurze Zeit als Amt für nationale Sicherheit fortbestanden hatte, wurde sie Anfang 1990 per Regierungsbeschluss aufgelöst. Danach begann das schwierige Kapitel der Aufarbeitung, das bis heute andauert. Seit den Anfängen prägt es ein Rostocker Pfarrer maßgeblich: Joachim Gauck, der 1991 erster Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen wurde.