Damals im Osten
Das Online-Spezial des MDR zur Alltagsgeschichte der DDR.
Link in neuem Fenster öffnenBereits 1945/46 wurden in den Landes- und Provinzialverwaltungen der Sowjetischen Beatzungszone "Ämter für Information" gebildet, die zunächst für die Propaganda zuständig waren, dabei aber zugleich die Stimmung in der Bevölkerung ausforschen und Kontrollfunktionen gegenüber anderen Behörden ausüben sollten. 1947 kamen die sogenannten "Kommissariate 5" hinzu, eine Art politische Polizei, 1948 der von der Deutschen Wirtschaftskommission gebildete "Ausschuss zum Schutz des Volkseigentums" unter Vorsitz von Erich Mielke, die spätere "Hauptverwaltung zum Schutz der Volkswirtschaft". Auf Beschluss der Volkskammer der mittlerweile gegründeten DDR erfolgte die Umwandlung dieser Hauptverwaltung in ein eigenständiges "Ministerium für Staatssicherheit". Ein entsprechendes "Gesetz über die Bildung und Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit" gab es zwar, doch enthielt es keinerlei Regelungen über dessen Aufgaben, Strukturen und Zuständigkeiten.
Zum ersten Minister des MfS wurde der zuverlässige Parteisoldat Wilhelm Zaisser - Mitglied im Politbüro der SED - ernannt, der jedoch im Zusammenhang mit den Ereignissen des 17. Juni 1953 seiner Parteiämter enthoben wurde. Gleichzeitig wurde das MfS in seiner Bedeutung zum Staatssekretariat zurückgestuft, bevor es 1955 erneut den Status eines Ministeriums erhielt.
Zunächst tatsächlich als Staatssicherheitsdienst zum Schutz der Wirtschaft und des Staates fungierend, teils von heftigen inneren und innerparteilichen Auseinandersetzungen und zahlreichen Umstrukturierungen geprägt, erlangte das MfS zunächst unter Zaisser (1950-1953) und später unter Wollweber (1953-1957) bei Weitem nicht die Funktionsfülle, die ihm später unter Mielke zukommen sollte. Erst unter seiner Führung entwickelte sich ein flächendeckendes, nahezu lückenloses Überwachungs- und Bespitzelungssystem der DDR-Bevölkerung.
Die Geschäfte von Wollweber übernahm am 1. November 1957 ein ebenfalls treuer Parteisoldat, der aber bei der Besetzung von Positionen bislang ewiger Zweiter war: Erich Mielke. Ulbricht hätte den überzeugten Klassenkämpfer gern schon bei der Gründung des MfS an dessen Spitze gesehen, scheiterte aber am Einfluss der sowjetischen Besatzungsmacht. Nun war die Zeit reif für einen Mann wie Mielke, der alle Eigenschaften eines guten Tschekisten in einer Person vereinte: Disziplin, Arbeitseifer, Loyalität und Wille zur Macht.
Während seine Vorgänger die Arbeit der Staatssicherheit öffentlich legitimieren oder sogar auf eine rechtliche Grundlage stellen wollten, erfüllte Mielke mit Hingabe Ulbrichts und Honeckers Vorstellungen von der konspirativen und umfassenden Überwachung des eigenen Volkes.
Das MfS wurde ein streng militärisch organisierter Geheimdienst, der zugleich Funktionen einer Geheimpolizei wahrnahm. Sein Minister stand als alleinverantwortlicher, militärischer Leiter an der Spitze und war gegenüber dem Politbüro für die "Gewährleistung der staatlichen Sicherheit der DDR" verantwortlich. Mielkes "Verdienst" war unter anderem die ungeheure Ausdehnung des Personalbestands - von rund 13.000 hauptamtlichen Mitarbeitern im Jahr 1959 über circa 52.700 im Jahr 1973 auf mindestens 85.500 Hauptamtliche im Jahr 1989. So wurde Erich Mielke nach Honecker und neben Mittag zum mächtigsten (und verhasstesten) Mann der DDR. Die Sicherheitsbelange des Landes besprach er unter Ausschaltung der gesamten Parteiführung nur noch persönlich mit Honecker.
Sich selbst stellte das MfS als "Schild und Schwert" der Partei dar, betrieb die Durchsetzung der SED-Politik, die Absicherung der Monopolstellung der Staatspartei.