Wendepunkte

Was geschah sonst noch am 24. September?

In Leipzig treffen sich Vertreter des Neuen Forums, der Gruppierung Demokratie Jetzt, der Vereinigten Linken und weiterer oppositioneller Gruppen und diskutieren über ihrer weitere Zusammenarbeit. Die Teilnehmer einigen sich darauf, dass das neue Forum die Dachorganisation werden soll. Bislang haben 4.000 DDR-Bürger den Aufruf des "Neuen Forums" unterzeichnet. Bärbel Bohley erklärt, Ziel der Bewegung sei nicht die Einführung des Kapitalismus, sondern "ein anderer Sozialismus als der in der DDR praktizierte."

In Kirch-Kogel im Kreis Güstrow geht ein dreitägiges Regionaltreffen kirchlicher Basisgruppen zu Ende. Die Mehrheit der Teilnehmer will ihre zuweilen regimekritischen Aktivitäten weiter fortzusetzen. Die Kirche stellt ihren Mitglieder wird frei, in den neuen politischen Gruppen mitzuarbeiten.

Glossar
Stasi Zentrale in Ostberlin © dpa - Bildarchiv Fotograf: Wolfgang Kumm
 

Stasi-Gründung: "Schild und Schwert der Partei"

Am 8.2.1950 wird das Ministerium für Staatssicherheit gegründet. mehr


Ministerium für Staatssicherheit (MfS)

Mindestens 85.500 hauptamtliche Mitarbeiter arbeiteten im MfS. mehr


Bürgerbewegung

Die Bürgerbewegung in der DDR 1989. mehr

 

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Der Tag X: Die perfiden Pläne des MfS

Der frühere DDR-Bürgerrechtler Jörn Mothes © NDR Fotograf: Wolf v. Dewitz Detailansicht des Bildes Jörn Mothes ist seit September 2008 Referatsleiter im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wartete im September und Oktober 1989 nur noch auf den letzten Befehl: Angesichts der überall in der DDR aufflammenden Proteste liefen bei der Stasi detaillierte Vorbereitungen für den sogenannten Tag X.  An diesem Tag hätte die Staatssicherheit Zehntausende Oppositionelle in Isolierungslagern interniert. Ihr einziges Verbrechen wäre die kritische Haltung gegenüber dem SED-Regime gewesen. Was wäre genau am "Tag X" passiert? NDR Online sprach über die Pläne des MfS mit Jörn Mothes, dem ehemaligen Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen in Mecklenburg-Vorpommern.

NDR Online: Am 22. September 1989 forderte Erich Honecker die 1. Sekretäre der SED-Bezirksleitungen dazu auf, die "feindlichen Aktionen" im Keime zu ersticken. Es sei dafür Sorge zu tragen, "dass die Organisatoren der konterrevolutionären Tätigkeit isoliert werden". Hierfür existierte bei der Stasi bereits der "Plan zur Realisierung der Vorbeuge- und Sondermaßnahmen", der vorsah, in der ganzen DDR Isolierungslager für Oppositionelle einzurichten. Wie sollte dieser Plan in den Nordbezirken umgesetzt werden?

Jörn Mothes: Dazu gibt es sehr detaillierte Informationen. In den drei Bezirksverwaltungen der Staatssicherheit gab es eine Sonderkartei, bestehend aus orange-gelben Karteikarten. In dieser Kartei waren die Personen registriert, die für diesen Tag X oder für diesen Ernstfall aus Sicht des Staates für die Internierung vorgesehen waren. Dabei handelte es sich um Oppositionelle, oppositionelle Parteileute, Leute der Kirche und andere Personen, denen der Staat zutraute, in solch einer Situation Rädelsführer zu sein. Jede Person war namentlich mit Adresse erfasst.  

Diese Karteikarten wurden ständig aktualisiert. Es gab für jede dieser Personen eine eigene Zuführungsgruppe der Stasi, bestehend aus drei Stasi-Mitarbeitern, inklusive eines PKWs, der benutzt worden wäre, um die jeweilige Person dem jeweiligen Internierungslager zuzuführen.

NDR Online: Gab es diese Internierungslager schon?

Mothes: Diese Orte waren bereits vorhandene staatliche Einrichtungen, mal eine Sportanlage, mal eine Schule, mal ein anderes Objekt, das in besonderer Weise baulich gesichert war, sodass man es innerhalb weniger Stunden mittels einer ausreichenden Bewachung durch das MfS ausbruchssicher machen konnte. Es waren zum Beispiel Objekte, um die ein hoher Zaun gezogen war oder die isoliert lagen. Diese Orte sind alle in Listen erfasst und für den Norden auch bekannt.

Der Plan selbst wurde nicht mehr umgesetzt, aber es gab sozusagen die Mobilmachung dazu. Man musste die Orte ja vorbereiten, das war mit einigen Aufgaben verbunden. In Waren an der Müritz war beispielsweise ein Kinderferienlager für die Internierung vorgesehen. Man musste also bis zum Tag X das Ferienlager von Kindergruppen befreit haben. Das waren Dinge, die in dieser Mobilisierungsphase anliefen, noch bevor der eigentliche Befehl zur Umsetzung der Richtlinie erfolgte. (Anm. d. Red.: Auf Honeckers Weisung vom 22. September 1989 folgte am 8. Oktober ein Befehl Mielkes. Der Stasi-Chef ordnete "volle Dienstbereitschaft" sowie das ständige Tragen von Waffen an und leitete die erste Stufe des "Vorbeugekomplexes" ein.)

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Mustin © Bundespolizei Ratzeburg Fotograf: Sigurd Müller
 

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Hintergrund

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Eine Demonstration auf dem Olaf-Palme-Platz in Stralsund (05.11.1989). © picture-alliance/ ZB Fotograf: Sammlung Sauer
 

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Links

Homepage der Landesbehörde in Mecklenburg-Vorpommern.

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