Als Andor Izsák die Villa Seligmann 1992 zum ersten Mal betrat, stand für ihn fest: Dies wird der Sitz des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik (EZJM).
In den letzten zehn Jahren hat sich die Villa Seligmann optisch verändert. Die Räumlichkeiten wurden in dieser Zeit aufwendig und denkmalsschutzgerecht restauriert.
Nach jahrelanger liebevoller Arbeit von Restauratorin Barbara Helmrich passen Fassade und Interieur des prachtvollen Baus im Neorenaissance-Stil wieder zueinander.
Letzte Handgriffe vor der offiziellen Eröffnung: Heute wird die Villa Seligmann in der Hohenzollernstraße, direkt an der Eilenriede, feierlich eingeweiht.
Siegmund Seligmann - der Namensgeber der Villa aus dem frühen 20. Jahrhundert - in einer Kopie des von Max Liebermann gemalten Porträts. Zur Einweihungsfeier des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik (EZJM) wird dann auch das Liebermann-Original im Repräsentationszimmer hängen.
Die Berliner Orgel, eines der wichtigsten Objekte im Besitz des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik, steht heute in der Großen Halle der Villa. Einst war dieser Raum das Gesellschaftszimmer der Seligmanns.
Vor dem Zweiten Weltkrieg stand das Instrument, hier in einer Rückansicht, in einer Berliner Synagoge. Sie ist die einzige Synagogen-Orgel Deutschlands, die während der Reichspogromnacht nicht zerstört wurde. Sie galt lange Zeit als verschollen.
Musikliebhaber Andor Izsák hat es geschafft, das wertvolle Stück in die Villa Seligmann zu holen. Er wird die Orgel während des Festakts am 17. Januar erstmals nach dem Holocaust offiziell spielen.
Kleine Übungseinheiten noch während der Villa-Restaurierung ließ er sich nicht nehmen.
In nahezu jedem Raum des großbürgerlichen Baus fallen die in mühsamer Kleinstarbeit wiederhergestellten Gestaltungselemente des einstigen Architekten Hermann Schaedtler auf - hier der Mosaikboden des Wintergartens.
Verschiedene Ornamente an den Wänden ...
... und Stuck-Verzierungen waren über Jahrzehnte unter mehreren Schichten Tapete, Farbe oder Holz verborgen.
Auch die Verkleidung der Wände mit feinen Webstoffen, ...
... Seidentapete und Holzschnitzereien wurde rekonstruiert beziehungsweise grundlegend überholt. Ein langwieriger Prozess, über dessen Kosten Andor Izsák aber schweigt.
Die vielen Verzierungen erinnern an die prunkvollen Zeiten, in denen die Villa Seligmann in ihrer Blüte stand.
Die Villa war früher mindestens so liebevoll eingerichtet, wie Izsák sie nun wieder herausgeputzt hat.
Dieses historische Bild zeigt ein Wohnzimmer der alten Villa Seligmann. Es ist gutbürgerlich eingerichtet und lässt erahnen, welche Geschichte das Haus birgt.
Für das EZJM hat Andor Izsák viele Schätze zusammengetragen. Von dieser Orgel aus einer Budapester Synagoge, gebaut um 1860, ist nur der große Spieltisch erhalten, die Pfeifen fehlen.
Izsák spielt trotzdem auf ihr - auch wenn er die Musik nur in seinem Kopf hören kann.
Neben Orgeln hat Izsák die Villa auch mit anderen kostbaren Instrumenten bestückt, ...
... wie etwa mit diesem historischen Klavier.
Die Ziele des EZJM gehen jedoch weit über das Bewahren jüdisch-liturgischer Instrumente hinaus. So möchte Izsák in der Villa Seligmann eine Begegnungstätte schaffen, in der Besucher das religiös-kulturelle Erbe kennenlernen und lebendig pflegen können.
Auch Wissenschaft und Forschung haben hier ihren Platz. Tausende historische Dokumente haben die Mitarbeiter des EZJM im Archiv zusammengetragen, ...
... zu denen auch wertvolle Noten und seltene Tonträger gehören.