Wulff würdigt Bedeutung der Villa Seligmann
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Nach jahrelanger Arbeit wird ein Traum für Izsák wahr: Sein Zentrum für Jüdische Musik bezieht die Villa Seligmann.
Authentisch soll es sein, das hat sich Andor Izsák auf die Fahnen seines Europäischen Zentrums für Jüdische Musik (EZJM) geschrieben. Der Professor für Synagogale Musik wollte kein Kunstprodukt schaffen, sondern das lebendige religiös-kulturelle Erbe pflegen.
Zeugnisse jüdischer Kultur und Synagogaler Musik bewahren und ins Leben zurückholen - das eines der Ziele des EZJM.
1988 hat Andor Izsák zusammen mit der Universität Augsburg das EZJM gegründet. Seit 1992 ist es ein Institut der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Ziel ist es, die jüdisch-liturgische Musik zu dokumentieren und zu rekonstruieren, also jene geistliche Musik zu bewahren, die vor dem Holocaust in europäischen Synagogen zu hören war.
1944 Geburt von Andor Izsák im Budapester Ghetto als Sohn streng orthodoxer Juden
1957 erster Kontakt mit Synagogen-Orgel
1957-1967 Organist an der Budapester Dohány-Synagoge
1962 Gründung des Lewandowski-Chors, Aufführungen synagogaler Chormusik erstmals nach dem Holocaust
1965-1967/1969-1971 Studium an der Franz-Liszt-Musikhochschule, Budapest
1983 Übersiedlung nach Deutschland
1988 Gründung des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik (EZJM) in Augsburg
1992 EZJM kommt als Institut an die Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover (hmtmh)
2002 Auszeichnung mit dem Großen Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens
2003 Einführung des Studiengangs "Synagogale Musik" an der hmtmh
2003 Berufung Izsáks zum Professor für Synagogale Musik an der hmtmh
2006 Gründung der Siegmund Seligmann Stiftung
2006 Stiftung Seligmann kauft der Stadt Hannover die Villa Seligmann ab
2007 Auszeichnung mit dem Ehrenpreis für das Lebenswerk der Stiftung Bibel und Kultur
2011 EZJM richtet seinen Sitz in der Villa Seligmann ein
2012 Abschluss der Restauration und Fertigstellung der Villa Seligmann als Sitz des EZJM
Ausgangspunkt ist Izsáks umfangreiche Sammlung, die als einzigartig gilt. Der Direktor des EZJM hat Dokumente, Noten sowie Tonaufnahmen aus der Blütezeit jüdisch-liturgischer Musik gesammelt. Und er besitzt einige der wenigen Synagogenorgeln, die die Zerstörungen in der Zeit des Nationalsozialismus überstanden haben - Raritäten von unschätzbarem Wert.
Neben Noten und Dokumenten sammelt Izsák in der Villa Seligmann auch historische Instrumente, hier die Budapester Dohány-Orgel, auf der er als Jugendlicher selbst spielte. Die Pfeifen des Instruments existieren allerdings nicht mehr.
Zum einen widmet sich das EZJM der Forschung, sucht nach Dokumenten, dokumentiert und publiziert sie und sucht nach verschollen geglaubten Instrumenten. Zum anderen legt das Institut Wert auf praktische Arbeit: Es gibt Konzerte und Ausstellungen, Solisten- sowie Chöre werden geschult. Dem EZJM geht es darum, "die Stimme der Synagoge einer breiten Öffentlichkeit zu Gehör zu bringen", so Izsák. So soll das Zentrum einen Eindruck von der Schönheit und dem Reichtum dieses Schatzes der deutsch-jüdischen Kultur vermitteln.
Kein abgeschottetes, wissenschaftliches Zentrum für Experten, sondern eine Begegnungsstätte will Izsák in der Villa Seligmann schaffen. Eine Begegnungsstätte, in der die sakrale jüdische Musik sowie die jüdische Musikgeschichte als Zeugnis jüdischen Lebens dokumentiert, erforscht und präsentiert werden sollen.