Das"Festival Theaterformen" kann auch in diesem Jahr wieder mit namhaften Künstlern aus 15 Ländern aufwarten, die vom 19. bis 30. Juni Hannovers Spielstätten bevölkern werden.
Die "Mehr Theatre Group" gastiert mit ihrem zweieinhalb Stunden langen "Iwanow" nach Anton Tschechow am Schauspielhaus. Regie führt der Iraner Amir Reza Koohestani, der mit seinem Stück die aktuelle politische Lage in seiner Heimat kritisiert.
"21 - Erinnerungen ans Erwachsenwerden" nennt sich die Videoinstallation von Mats Staub. Der Schweizer führte hierfür Interviews mit neun Hannoveranern unterschiedlichen Alters, die von ihrem ganz persönlichen Reifeprozess erzählen.
Die deutsche Theatergruppe "Agentur Kriwomasow" wird eine Uraufführung in den Räumlichkeiten der Ethnologischen Sammlung im Landesmuseum Hannover präsentieren. "Congo Connection" nennt sich die Hörausstellung und schickt die Besucher auf einen bunten Entdeckungstrip voller Sinneswahrnehmungen durch den Kongo und Deutschland.
Die Mitglieder von "Rimini Protokoll" lernten sich während des Theater-Studiums in Gießen kennen. Mit ihrer Freiluftaufführung "Remote Hannover" sind sie nun zum zweiten mal beim "Theaterformen" vertreten. Ihr Stück wird als "urbane Schnitzeljagd" beschrieben und ist speziell an Hannover angepasst worden.
"Studios Kabako" kommen aus der Demokratischen Republik Kongo und spielen "Drums and Digging" im Ballhof Eins. Die Arbeit des ausgebildeten Tänzers Faustin Linyekula setzt sich mit politischen, wirtschaftlichen und religiösen Entwicklungen in seinem Heimatland auseinander. Es geht um Kindheitserinnerungen und die Frage, was bleibt, nach langen Jahren des Krieges.
Diese drei verrückten Kerle gehören zur Theatergruppe um den Regisseur Boyzie Cekwana aus Südafrika. Er präsentiert in diesem Jahr "In case of fire, run for the elevator", den dritten Teil seiner "Influx Controls"-Trilogie, die sich mit Kolonialismus, Identität und Apartheid auseinandersetzt.
"De Grote Reis - Die Grosse Reise" ist ein 35-minütiges Stück für die kleinen Theaterinteressierten von vier bis sieben Jahren. Es stammt aus der Feder der Niederländerin Judith Nab und schickt die jungen Gäste in einem umgebauten Linienbus auf eine auf die Innenseiten der Busfenster projizierte Reise durch die ganze Welt. An Wochentagen wird der Bus über die hannoverschen Schulhöfe tingeln, und am Wochenende im Festivalzentrum auf neugierige Besucher warten.
Um das Schicksal afrikanischer Kindersoldaten geht es in "Nine Finger" des Belgiers Alain Platel. Es handelt sich hierbei um die Adaption des preisgekrönten Romans "Beasts Of No Nation" des nigerianisch-amerikanischen Autors Uzodinma Iweala.
"La fin de la légende" nennt sich die Arbeit des kongolesischen Regisseurs Dieudonné Niangouna. Das Stück ist geprägt von seinen persönlichen Erfahrungen aus den Bürgerkriegen in seinem Heimatland, die auch die Zerstörung sämtlicher Kultureinrichtungen der Republik Kongo zu Folge hatten.
Der Argentinier Mariano Pensotti kommt mit "Cineastas" nach Hannover. Er verhandelt die Leben von vier Filmemachern und die Überschneidungen, die zwischen den Geschichten, die sie erzählen, und ihren eigenen Lebenswegen zu finden sind. Das Bühnenbild wird hierbei aus einem zweistöckigen Bau bestehen.
Aus Dublin kommen die "Brokentalkers" und zeigen mit ihrem Werk "Have I no mouth" welche Auswirkungen der Verlust eines geliebten Menschen auf das Leben der Hinterbliebenen haben kann. Auf der Bühne stehen dabei keine Schauspieler sondern tatsächlich Betroffene.
Die französische Truppe "Compagnie 111" kommt unter der Regie von Aurélien Bory nach Hannover. "Sans Objet" arbeitet mit den Körpern als Ausdrucksmittel und kommt vollkommen ohne Text der Akteure aus. Die deutsche Erstaufführung wird im Schauspielhaus stattfinden.
In den Ballhof Eins lädt die "Blitz Theatre Group" aus Griechenland. Das dreiköpfige Künstler-Kollektiv zeigt sein Stück "Late Night". Im Zentrum ihrer Arbeit suchen sie nach den gesellschaftlichen Erwartungen an die Kunst und nach dem Hintergrund theatraler Strukturen der Gegenwart.
Die Schweizer von "Far A Day Cage" zeigen in ihrem "Urwald" die Folgen von Verstädterung und Anwachsen der Wälder. Das Bühnenbild wird hierbei von einer Berghütte dominiert, ein Nachbau der Behausung, die die Mitglieder der Gruppe während ihres Probenprozesses im größten Urwald der Alpen tatsächlich bewohnten.
"Studio 4 Istanbul" stammen aus der Türkei und verhandeln in "Olmamis Mi" die großen Fragen der Türken um die 30: Was ist aus uns geworden? Hat uns die wilde Zeit der 1990er Jahre geprägt? Wo sind unsere Erwartungen und Träume hin? Themen wie Gleichstellung der Geschlechter und soziale Gerechtigkeit haben ebenfalls Einfluss auf die Arbeit der Gruppe.
An der Cumberlandschen Bühne zeigt der Syrer Omar Abusaada sein in arabischer Sprache mit deutschen Übertiteln vorgetragenes Stück "Intimacy". Der 1977 in Damaskus geborene Regisseur war bereits 2012 beim "Festival Theaterformen" in Braunschweig zu Gast und lehrt Szenisches Schreiben in seiner Heimat.
Ebenfalls aus dem Dunstkreis des Gießener Instituts für angewandte Theaterwissenschaft stammt die Gruppe "She She Pop", die sich für "Testament" zahlenmäßig erweitert hat. Unter dem Namen "She She Pop und ihrer Väter" wird das Schauspielhaus zum Verhandlungsraum für einen utopischen Prozess: Der Ausgleich zwischen den Generationen.
Die Russen von "Priut Komedianta" bearbeiten in "Lear. Eine Komödie" das Stück von William Shakespeare. Texte von beispielsweise Friedrich Nietzsche werden hinzugefügt und die Geschichte in das Moskau der 1930er und 1940er Jahre verlagert. Die deutsche Erstaufführung zeigt ein Stück russische Geschichtsaufarbeitung der besonderen Art.
Die gebürtige Australierin bietet tiefgründiges Songwriting mit experimentellen Einflüssen. Ihre tiefe Stimme erinnert an Annie Lennox oder PJ Harvey. Am Mittwoch den 19.06. beschwört "Kat Frankie" ab 22.00 Uhr eine ganz eigene musikalische Welt herrauf.
Indierock aus Hamburg bietet die selbstbetitelte coolste Girlgroup aus Deutschland: "Die Heiterkeit". Am Donnerstag den 20.06. ab 22.00 Uhr erklingen wahnwitzige Texte mit einer musikalischen Untermalung zwischen Pavement und Hildegard Knef.
Musikethnologe, Blogger und Kassetten-Dj Brian Shimkovitz lädt zu einer musikalischen Reise ein. Vor sechs Jahren kehrte er mit einem Koffer voller Aufnahmen aus Afrika zurück. Am Sonnabend den 22.6. kann ab 22.00 Uhr der außergewöhnliche Mix aus traditioneller Musik und House-Rythmen, live vom Band, miterlebt werden.
Liebe und Politik bilden bei "Bernadette La Hengst" keine Widerspruch sondern eine Symbiose. Genrefrei schafft sie konsequent den Spagat zwischen Persönlichem und Politischem. Am Sonntag den 23.6. startet ab 21:30 Uhr die Live-Rakete "La Hengst".
Liebeslieder wohin die Ohren reichen. Künstler "Dagobert" zielt direkt in Richtung Herzgegend und das aus voller Absicht. Am Montag den 24.6. werden ab 21.30 Uhr die Feuerzeuge und Taschentücher gezückt.
"Fredda" stammt aus Frankreich, versteht sich jedoch weder als dramatische Chanteuse, noch als Pop-Lolita. Am Dienstag den 25.6. erklingt ab 21.30 Uhr ihre betörende Stimme zwischen New Orleans-Dixie und Pariser Swing.
Die Berliner "Ja, Panik" kommen ursprünglich aus dem Burgenland. Ihr aktuelles Album hört auf den Namen: "DMD KIU LIDT". Das Konzept einer Rockband existiert und funktioniert bei ihnen nur auf der Bühne, dort aber hervorragend. Am Mittwoch den 26.6. kann man sich ab 21.30 Uhr davon überzeugen lassen.
Ehrlich, gradlinig und melancholisch. Am Donnerstag den 27.6. ab 21.30 Uhr umarmen "Naked Lunch" die Welt welche sie im gleichen Moment verloren zu haben scheinen. Die Gedankenwelt des gleichnamigen Buches bleibt vor der Tür.
Die Wienerin Eva Jantschitsch lädt unter ihrem alter Ego "Gustav" zur musikalischen Karusselfahrt ein. Von ihrem Laptop aus lässt sie am Freitag den 28.6. ab 22.00 Uhr experimentelle Sounds, die auch vor Blasmusik und Schlager nicht zurückschrecken, auf die Zuschauer los.
Blues, Soul, Funk, Chanson, Rock, Pop, Country und Punk gibt es am Samstag den 29.6. ab 22.00 Uhr von einer einzigen Band: Die "Mardi Gras Big Band" attackiert die Zuschauer mit ihrer "großkalibrigen New Orleans-Groove-Attacke".