Stand: 03.05.2016 10:02 Uhr

Mit Liebe zum Platt - Uwe Friedrichsen

Es gibt kaum etwas, das dieser Mann als Schauspieler und Sprecher nicht gemacht hat: Neben seiner Teilnahme an unzähligen Theater-Engagements und Fernsehproduktionen wirkt Friedrichsen unter anderem auch in vielen Hörspielen und selbst in Hollywood-Filmproduktionen mit. Uwe Friedrichsen starb am 30. April 2016 im Alter von 81 Jahren in einem Hamburger Krankenhaus.

Ein vielseitiger Künstler

Starke Liebe zum Schauspiel

Friedrichsen erblickt das Licht der Welt am 27. Mai 1934 in Altona. Der heutige Hamburger Bezirk ist damals noch eine eigenständige Stadt und gehört zu Schleswig-Holstein. Teile seiner Kindheit verbringt er bei den Großeltern im schleswig-holsteinischen Kaltenkirchen, wo sein Interesse an der plattdeutschen Sprache erwacht. Seine Schulzeit schließt Friedrichsen mit der mittleren Reife ab, nachdem er zuvor in der Schul-Theatergruppe erste Bühnenerfahrungen sammelt. Davon begeistert, wirkt er anschließend in der Laienspielgruppe der Volkshochschule mit. Parallel absolviert Friedrichsen zwar eine kaufmännische Lehre bei einem Hamburger Porzellanhersteller, doch die Liebe zum Schauspiel ist stärker: Gegen den Willen der Eltern finanziert er sich später eine private Schauspielausbildung, das Geld dafür verdient sich der Theaterbegeisterte mit Jobs im Hafen und als Zeitungsausträger.

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Trauer um Uwe Friedrichsen

Uwe Friedrichsen gründete das Theater 53 in Hamburg und gehörte zum festen Personal der Sesamstraße. Auch in Hollywood-Produktionen war er zu sehen. Nun starb Friedrichsen im Alter von 81 Jahren. mehr

Ritterschlag im Jahr 1956

Zusammen mit Marcus Scholz gründet Friedrichsen 1953 in Hamburg das "Theater 53", spielt dort selbst inszenierte Kurzgeschichten unter anderem von Ernest Hemingway. In der Folge wird Ida Ehre, Leiterin der Hamburger Kammerspiele, auf ihn aufmerksam und verschafft ihm 1955 dort ein Engagement. 1956 dann der Ritterschlag: Generalintendant Gustaf Gründgens holt Friedrichsen ans Deutsche Schauspielhaus, wo er bis 1968 bleiben wird. Neben dieser Anstellung ist der umtriebige Friedrichsen jedoch auch an zahllosen anderen Theatern tätig.

In diese Zeit fällt auch eine seiner frühen Filmrollen: In Gründgens legendärer "Faust"-Verfilmung von 1960 spielt Friedrichsen den Schüler. Die Arbeit vor der Kamera scheint dem Schauspieltalent ohnehin gut zu gefallen - so ist er beispielsweise als Sergeant Pepper im Edgar-Wallace-Film "Der Gorilla von Soho" (1968) zu sehen. Später erlangt er noch größere Bekanntheit mit der Rolle des Zollfahnders Hans Zaluskowski in der Wirtschaftskrimi-Serie "Schwarz, Rot, Gold" des NDR. Es folgen Engagements in der Sesamstraße und, das ist dann schon Anfang der 90er-Jahre, in der Familiensaga "Oppen und Ehrlich", wo er den Bürgermeister Oppen spielt. Ab Dezember 2006 ist er in einigen Folgen der ARD-Vorabendserie "Verbotene Liebe" zu sehen. Auf dem ZDF-"Traumschiff" hat er mehrfach "angeheuert" und auch im NDR Großstadtrevier ist er 2010 zu Gast. Parallel zu den Fernseh-Engagements ist Friedrichsen seit seinem Fortgang vom Deutschen Schauspielhaus als freier Schauspieler immer wieder auf Theaterbühnen zu sehen. Überdies inszeniert er als Regisseur Stücke, so etwa in den 80er-Jahren am Thalia Theater in Hamburg.

Eine Stimme für Karl May, die Beatles und Hollywood

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Für sein künstlerisches und soziales Engagement erhielt Friedrichsen zahlreiche Auszeichnungen.

Doch auch abseits von Bühne oder Drehort weiß Friedrichsen seine Künste einzusetzen. Als Synchron- und Hörspielsprecher macht er sich einen Namen, als er 1964 in Karl Mays "Der Schut" den Bösewicht spricht. Und damit nicht genug: 1968 leiht er Ringo Starr im Beatles-Zeichentrickfilm "Yellow Submarine" seine Stimme, TV-Inspektor Columbo wird von ihm synchronisiert und er wirkt von 1987 bis 1998 als Stimme von Danny Glover in allen vier Teilen der Hollywood-Actionfilm-Serie "Lethal Weapon" mit. Sein stimmliches Talent ermöglicht ihm zudem Engagements als Sänger. Neben Rollen in Musicals von "Chicago" (1976/1977) bis "My Fair Lady" (1995) ist er auch an der Mailänder Scala und in der Londoner Royal Albert Hall zu Gast, wo er unter dem Dirigenten Herbert von Karajan Liederzyklen rezitiert. Nebenbei schreibt er auch eigene Chansons und hält literarische Lesungen ab mit Texten von Tucholsky, Ringelnatz und Kästner.

Plattdeutsche Leidenschaft

Jahrzehntelang engagiert sich der Schauspieler in sozialen Belangen. Für seine sozialen und künstlerischen Verdienste wird er mehrfach geehrt, unter anderem erhält er 1994 das Bundesverdienstkreuz sowie 2003 die Biermann-Ratjen-Medaille der Stadt Hamburg. Nach einer Krebserkrankung in den frühen 90er-Jahren fährt er die Zahl seiner Engagements etwas zurück. Im Alter von 81 Jahren stirbt das norddeutsche Original in Hamburg.

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