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Über Nordfriesland

Geschichte, Geografie, Wirtschaft und Kultur Nordfrieslands - einige Grundzüge

Im äußersten Nordwesten Deutschlands, auf Inseln und Halligen und dem Küstenstreifen zwischen den Flüssen Eider und Wiedau leben die Nordfriesen. Sie bewohnen eine einzigartige, vor allem von der Nordsee geprägte Landschaft. Das dem Festland vorgelagerte Wattenmeer zählt zu den größten Wattgebieten der Erde und zeichnet sich durch seine Vielfalt mit Vorländern, amphibischen Wattflächen, Sänden, Wattströmen aus; es gehört seit 1985 zum Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Das Festland besteht aus der weiten bedeichten Marsch im Westen und der Geest im Osten, die auch Wälder und Reste der einstmals großen Moor- und Heideflächen aufweist.

Sturmfluten zwingen Nordfriesen zur Expansion

Die frühe nordfriesische Geschichte liegt weithin im Dunkeln. In zwei Schüben wanderten Friesen aus ihrem ursprünglichen Siedlungsgebiet zwischen Zuidersee (heute Ijsselmeer) und Weser in das zunächst "Uthlande" und "Klein-Friesland", sodann "Nordfriesland" genannte Küstengebiet ein, wie aus historischen, archäologischen und sprachwissenschaftlichen Befunden hervorgeht. Im achten Jahrhundert dürften vor allem die Inseln Sylt, Föhr und Amrum sowie vermutlich auch das westliche Eiderstedt und Helgoland besiedelt worden sein, teilweise auch bereits die weiten Marschgebiete.

Stärker wurde die Marsch aber erst um die Jahrtausendwende in einer zweiten Auswanderungswelle in Besitz genommen. Auseinandersetzungen mit dem expandierenden Frankenreich, die Wirren der Wikingerzeit, vielleicht ein Ausweichen vor der Christianisierung werden als Gründe für die Wanderung nach Nordfriesland angenommen. Dieses Gebiet war den neuen Siedlern aufgrund ihres weitgespannten Handels im "Mare Frisicum", wie die Nordsee damals genannt wurde, bereits bekannt. Später erweiterten die Nordfriesen infolge von Sturmfluten ihr Gebiet auch nach Osten auf den Geestrand und die hohe Geest.

Seit 1946 dem Land Schleswig-Holstein zugehörig

Staatsrechtlich unterstanden die Nordfriesen zunächst lange dem dänischen König. Im Mittelalter beteiligten sie sich an den mannigfaltigen Auseinandersetzungen um das Herzogtum Schleswig, wobei sie nur selten geschlossen auftraten. Bei der Landesteilung von 1544 kamen sie unter drei Landesherren. Seit der Teilung 1581 gehörte Nordfriesland zum Gebiet des Gottorfer Herzogs; nur die Nordergoesharde um Bredstedt zählten zum Anteil des dänischen Königs, während die "reichsdänischen Enklaven" Westerlandföhr, Amrum und List/Sylt Bestandteil Dänemarks waren (und es bis 1864 blieben).

1721 wurden die Verhältnisse vereinfacht: Die Gottorfer Anteile wurden mit den königlichen vereinigt. Fortan gehörte Nordfriesland insgesamt zum dänischen Gesamtstaat. Landesherr war der dänische König in seiner Eigenschaft als Herzog von Schleswig. In der Folge des deutsch-dänischen Krieges von 1864 kam Nordfriesland insgesamt erstmals in seiner Geschichte zu einem deutschen Staatswesen. Es gehörte seit 1867 zur preußischen Provinz, seit 1946 zum Land Schleswig-Holstein.

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