Stand: 25.11.2017 10:00 Uhr

"Miriways" eröffnet Hamburger Telemann-Festival

von Ulrike Henningsen

In der Hamburger Laeiszhalle hat am Freitagabend eine konzertante Aufführung der Oper "Miriways" mit der Akademie für Alte Musik Berlin den Auftakt des Telemann-Festivals gebildet. Seit ihrer Uraufführung an der Gänsemarktoper 1728 war sie in Hamburg nicht mehr zu hören.

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Die Akademie für Alte Musik Berlin präsentierte das Stück abwechslungsreich und spannungsvoll. (Archivfoto)

Der Herrscher Miriways möchte seine uneheliche Tochter an den Sohn eines von ihm besiegten Schahs verschenken. Doch diese Tochter gilt als verschollen. Zudem lehnt der Beschenkte auch noch ab, denn er ist unsterblich in eine junge Dame von unbekannter Herkunft verliebt. Nicht nur Gefühlsfilm-erprobte Zuschauer ahnen, dass die rätselhafte Vergangenheit dieser Angebeteten kein Zufall sein kann.

Auch ohne Kostüme überzeugend

Bis am Ende der Oper dann sogar zwei glückliche Paare vereint sind, nimmt sich Georg Philipp Telemann gut drei Stunden Zeit für viele Verwicklungen. Wenn die handelnden Personen nicht in Masken und Kostümen auf einer Opernbühne agieren, kann das mitunter verwirrend sein. Wer nun aber glaubt, dass dies auch monoton sein muss, irrt gewaltig. Die Aufführung im großen Saal der Laeiszhalle bewies genau das Gegenteil.

Musiker beherrschen barocke Klangsprache souverän

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Die Oper besteht im Wesentlichen aus einer Aneinanderreihung von Rezitativen und DaCapo-Arien. Das Solistenensemble und die Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Bernard Labadie schafften das Kunststück, das Bühnenstück "Miriways" so abwechslungsreich und spannungsvoll zu präsentieren, dass die Zeit wie im Flug verging. Das lag vor allem daran, dass die Musiker und Sänger Telemanns barocke Klangsprache souverän beherrschten und in allerbester Spiellaune waren. Sie nahmen den Notentext als Grundlage und gestaltenden je nach Anlage des jeweiligen Stücks mit den Stilmitteln der Zeit. Artikulation und die Phrasierung der Orchestermusiker waren so differenziert, dass die Musik schon zu sprechen begann, bevor die Sänger das Wort erhoben. Und auch die kosteten die Feinheiten dieser Musik voller Affekte aus. Die Barockmusik lebt auch von Verzierungen. Besonders in den Wiederholungen geben sie den Interpreten die  Möglichkeit, eine weitere Facette der Person hinzuzufügen. Das nutzten Sängerinnen und Sänger und boten so ein breites Spektrum unterschiedlicher Gefühlszustände.

Gesangsensemble: Mal anrührend, mal herrlich selbstverliebt

Ähnlich ausgewogen wie die Verteilung der Arien und Rezitative war auch die Auswahl der Sängerinnen und Sänger. André Morsch war kurzfristig eingesprungen und hatte seinen Part in wenigen Tagen gelernt. Er überzeugte als Herrscher Miriways. Robin Johannsen erfüllte ihre Hosenrolle als Sohn des Schahs mit fein geführtem Sopran. Lydia Teuscher gab die anrührende junge Witwe Nisibis, Michael Nagy den unglücklich verliebten Murzah und Mezzosopranistin Anett Fritsch einen herrlich selbstverliebten Fürsten Zemir.

Immer auch augenzwinkernd agierten Musiker und Dirigent an diesem Abend, denn bei aller ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Notentext muss man am Ende doch bedenken, dass diese Musik in ihrer Zeit als Unterhaltungsmusik gedacht war. Der minutenlange, begeisterte Applaus machte deutlich, wie gut sie auch in 2017 noch ankommt, wenn man es richtig angeht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Sonntag | 25.11.2017 | 11:05 Uhr

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