Stand: 25.06.2015 10:21 Uhr

Petrenko vs. Thielemann?

von Sabine Lange
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Designierter Chef der Berliner Philharmoniker: Kirill Petrenko.

Jetzt einmal Mäuschen sein am Grünen Hügel von Bayreuth. Christian Thielemann probt für die Festspieleröffnung im Juli Katharina Wagners Neuinszenierung von Richard Wagners "Tristan und Isolde". Ein Werk, das für seinen exzessiven Wahnsinn berühmt und berüchtigt ist. Für seinen emotionalen Ausnahmezustand.

"Tristan" in Bayreuth - für den deutschen Dirigenten mit explizit deutschem Repertoire ein Höhepunkt seiner Karriere - und gleichzeitig muss Christian Thielemann in diesen Tagen die tiefste Demütigung seines Lebens ertragen. Jeden Tag und noch wochenlang muss Thielemann auf dem Grünen Hügel jetzt dem begegnen, der sich als sein schärfster Konkurrent erwiesen hat, dem, der ihm das Kostbarste vor der Nase weggeschnappt hat: Ring-Dirigent Kirill Petrenko - designierter Chef der Berliner Philharmoniker. Ein Posten, auf den Thielemann nicht nur spekuliert hatte, er hatte fest mit ihm gerechnet.

Ist der gedemütigte Gott seiner Herrlichkeit beraubt?

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Christian Thielemann hat nicht nur auf den Chefposten der Berliner Philharmoniker spekuliert, er hatte fest mit ihm gerechnet.

Thielemann, in Berlin geboren, ausgebildet vom legendären Herbert von Karajan, der über 30 Jahre die Berliner Philharmoniker prägte, Thielemann, ein weltweit gefeierter Experte des deutschen Klanges, ein Klangzauberer, der einst auch im Ruf stand, seine Musiker wie kaum ein anderer in den Bann ziehen zu können, ausgerechnet er wird verschmäht von seinen Leuten? Er, nach dem Tod des Patriarchen Wolfgang Wagner der neue Hausgott von Bayreuth?

[Ursprüngliche Passage wurde von der Redaktion entfernt.]

Hexenkessel aus Tradition und Zorn

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Das Festspielhaus in Bayreuth Ort: für Dramen und große Oper.

Und wie wird sich Kirill Petrenko jetzt in seinen Ring-Proben am Grünen Hügel fühlen, der als ebenso genial wie hochsensibel gilt? Noch vor kurzem teilte Petrenko öffentlich mit, er würde angesichts des unsäglichen Führungsstils am liebsten in Bayreuth vorzeitig hinschmeißen - eine Festspielleiterin verbietet der anderen das Haus, Thielemann droht, nicht zu dirigieren, wenn Eva Wagner-Pasquier anwesend sei etc. etc..

Wird Petrenko diesen Hexenkessel des traditionell schon berüchtigten Wagner-Clans heil überstehen, in dem jetzt noch als zusätzliche Zutat der Zorn des öffentlich gedemütigten Konkurrenten brodelt?

Stellungnahme

Die Redaktion von NDR Kultur bedauert die Veröffentlichung des Kommentars "Petrenko vs. Thielemann?" in seiner ersten Fassung. Die darin verwendete Analogie zu Figuren des Wagnerschen Rings wurde entfernt, denn sie hätte nicht gewählt und der Kommentar aus diesem Grunde nicht veröffentlicht werden dürfen. Beim Abnahmeverfahren der Redaktion hat es diesbezüglich Versäumnisse gegeben. Die Redaktion wird sicherstellen, dass sich solche Fehler nicht wiederholen.

Barbara Mirow, Programmchefin NDR Kultur

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 23.06.2015 | 14:40 Uhr

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