Stand: 07.11.2017 15:39 Uhr

Ein Leben für die Orgelmusik

von Markus Bruderreck

Einen "Star" an der Orgel - gibt es das überhaupt? Interpreten mit Glamourfaktor wie Cameron Carpenter oder Iveta Apkalna, die Residenzkünstlerin der Hamburger Elbphilharmonie, haben das Instrument immer mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Jedes größere Konzerthaus hat seine Orgel und eine dazu passende Konzertreihe.

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Will mit seinen Konzerten "intensive musikalische Erfahrungen vermitteln": der Organist Sebastian Küchler-Blessing.

Die Welt des Organisten Sebastian Küchler-Blessing allerdings ist das weniger. Er wurde 2014 mit erst 26 Jahren in Essen zum Domorganisten berufen. Ein Star? Nein, einfach ein hervorragender Organist, der mit seinen Konzerten intensive musikalische Erfahrungen vermitteln will. Am kommenden Montag, den 13. November, spielt er in der Konzertkirche in Neubrandenburg im Rahmen des NDR Kultur Foyerkonzert on tour.

Oft sorgen besondere Erlebnisse dafür, dass jemand sich dazu entschließt, sein Leben ganz der Musik zu widmen. Selten reichen solche Ereignisse aber so weit zurück wie bei Sebastian Küchler-Blessing. Als er drei Jahre alt war, nahm ihn sein Großvater mit in die Rottweiler Münsterkirche.

Hospitation im Kleinkindalter

"Dort hat mich der Organist gesehen und neben sich an die Orgel gesetzt", erinnert sich Küchler-Blessing. "Und dort saß ich nicht nur einmal, sondern ein paar Jahre lang. Mit dreieinhalb wusste ich dann schon: Das möchtest du später machen und nichts anderes."

Natürlich stand bei den Großeltern im schwäbischen Rottweil, wo der Junge aufwuchs, keine Orgel, sondern ein Klavier. Doch als Kind tat er einfach so, als sei das Instrument eine Orgel und benutzte es "als eine Art evolutionäre Vorstufe" dazu.

Sebastian Küchler-Blessing weiß auch heute ganz genau, was er will. Der junge Mann mit den leuchtend roten Locken ist ein ernsthafter Charakter, doch seine durchdachten Antworten garniert er gerne mit einem Augenzwinkern. Wenn er sich an den Orgeltisch setzt, fliegen seine Finger über die Manuale und ziehen beim Improvisieren in Windeseile die Register. Und die 2004 eingeweihte Rieger-Orgel im Essener Dom gehorcht ihm aufs Wort.

Die Orgel singen lassen

Sebastian Küchler-Blessing hatte Unterricht bei einer ganzen Reihe guter Lehrer. Die Klavierpädagogin Sontraud Speidel zum Beispiel brachte ihm bei, über sich und seine Interpretationen nachzudenken und schließlich so entspannt zu sein, dass Nervosität keine Rolle mehr spielt. Bei seinem ersten Orgellehrer Christoph Bossert hatte Küchler-Blessing neun Jahre lang Unterricht. Von ihm hat er gelernt: Jede Orgel hat sein eigenes Wesen. "Er hat mich gelehrt, die Orgel singen zu lassen. Da habe ich viele Jahre dran gearbeitet und arbeite immer noch dran."

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Am 13. November spielt Sebastian Küchler-Blessing ein "Foyerkonzert on Tour" in der Konzertkirche Neubrandenburg.

Sebastian Küchler-Blessing hat den Leipziger Bachpreis und den Mendelssohn-Preis gewonnen und wurde auch von den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet. Er gibt Konzerte, unterrichtet an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf und ist viel unterwegs. Als Domorganist ist er aber auch für das Alltägliche zuständig: Er begleitet die Chöre und sitzt bei allen elf Messen in der Woche selbst an der Orgel. Anfangs versuchte er noch, bei den Gottesdiensten alles zu geben und sich künstlerisch zu verwirklichen. Mittlerweile weiß er: "Das ist einfach nicht zu leisten. Ich habe dann gelernt, wie schön es ist, sich in die Liturgie fallen zu lassen."

Tiefere künstlerische Erlebnisse überlässt Küchler-Blessing lieber den reinen Orgelkonzerten. Spirituelle Fragen, die Musik beantworten kann, sind ihm wichtig. Weltabgewandt ist er deshalb aber nicht. Für den "Internationalen Orgelzyklus am Essener Dom" hat er auf YouTube Werbung gemacht - und Improvisationswünsche via Facebook und Smartphone entgegengenommen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 07.11.2017 | 15:20 Uhr

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