Sendedatum: 26.08.2013 15:20 Uhr

Matthias Kirschnereit spielt Händel

Händel: Klavierkonzerte op.4 Nr.1-6
von Matthias Kirschnereit
Vorgestellt von Magdalene Melchers

CD der Woche

Vorgestellt von Magdalene Melchers

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"Ich glaube, uns ist da etwas Schönes gelungen", sagt Matthias Kirschnereit über sein neues Album - und er hat Recht!

Eine neue CD mit Werken von Georg Friedrich Händel verspricht neue Facetten des Komponisten zu präsentieren. Das ist der Anspruch des Pianisten Mathias Kirschnereit. Mit der Einspielung sämtlicher Orgelkonzerte auf dem Klavier entstand nicht nur eine Interpretation sondern vielmehr eine sehr individuelle Ausformulierung des Notentextes.

Detailverliebte Künstler

Orgelkonzerte von Händel auf dem Klavier einzuspielen war für Kirschnereit Neuland: "Natürlich ist mein Spiel historisch informiert, aber ich komme nicht wirklich aus der Alten Musik", sagt der Pianist. "Es stand überhaupt nicht zur Diskussion, dass ich das jetzt auf dem Cembalo spiele oder auf dem Klavichord. Nein, es ging wirklich um einen modernen Konzertflügel und da einen angemessenen Ton zu finden, der stilistisch dieser Musik gerecht wird, aber auch die Möglichkeiten des Instrumentes nutzt - das ist wirklich ein Balanceakt."

Mit der Kammerakademie Neuss unter der Leitung des brasilianischen Dirigenten Lavard Skou Larsen gelingt ein Zusammenspiel detailverliebter Künstler. Kirschnereit hält die Balance zwischen Komposition und eigener Interpretation und fügt sich subtil in den Gesamtklang.

Akustisches Refugium

Orgelkonzerte im klanglichen Spektrum eines Flügels umzusetzen, verlangt nach einem differenzierten Verständnis für Tongestaltungen und nach einer wohl bedachten Entscheidung für das Instrument: "Ich wollte ein Instrument mit einer klaren Trennschärfe und was schön singen kann", betont Kirschnereit. "Die Trennschärfe brauche ich für die ganzen cembalohaften Partien, und das Singen brauche ich für die lyrischen, für die improvisatorischen langsamen Teile. In sofern glaube ich, ist uns da etwas Schönes gelungen."

Die Einspielung ebnet tatsächlich einen neuen Zugang zu Händel. Beinahe scheint es so, als sei der Zeitpunkt perfekt gewählt. Längst hätten Händels Orgelkonzerte auf einem Klavier erklingen können, doch im 21. Jahrhundert bietet diese Neuerscheiung ein akustisches Refugium besonderer Art: "Auf dem Klavier ziehe ich natürlich ein flotteres Tempo vor, was wahrscheinlich auf der Orgel rein instrumentaltechnisch nicht möglich wäre", erklärt Kirschnereit. "So entsteht ein ganz eigenes Bild, aber vielleicht können wir so der Händel-Rezeption eine neue kleine Facette abgewinnen."

Inspirierende Bilder

Auf der Suche nach individuellen Ausdrucksform bietet die Biografie von Kirschnereit Bilder, die Händel nie gesehen hat. Ob sie die Interpretationen der Orgelwerke auf dem Klavier inspirierten, bleibt fraglich und ist doch wunderbar vorstellbar: "Dieses intensive Naturerleben ist für einen Musiker sowieso etwas ganz Wichtiges", schwärmt Kirschnereit, "eine Dimension, dieser namibianische Sternenhimmel, diese Stille in der Wüste - ich weiß nicht, es mag sein, aber beschwören möchte ich es nicht."

Händel: Klavierkonzerte op.4 Nr.1-6

Verlag:
cpo

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 26.08.2013 | 15:20 Uhr

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