Stand: 20.11.2017 11:04 Uhr

Wer steht künftig in Kiel am Dirigentenpult?

von Kerstin Düring

Zwei Verlängerungen gab es schon für Georg Fritzsch, aber im Sommer 2019 möchte er das Dirigentenpult in Kiel räumen. Fritzsch ist seit 2003 als Generalmusikdirektor am Theater Kiel tätig. Jetzt läuft das Bewerbungsverfahren für seine Nachfolge. Welch Fähigkeiten muss ein geeigneter Kandidat mitbringen und welche Prüfungen muss er bestehen?

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Seit 14 Jahren ist Georg Fritzsch Generalmusikdirektor in Kiel. Er findet, es ist Zeit, einen Nachfolger zu finden.

Der Konzertsaal im Kieler Schloss, Probe des Philharmonischen Orchesters: Die Ränge sind leer, aber auf der Bühne herrscht höchste Konzentration. Dirigent Georg Fritzsch und sein Orchester proben für ein Philharmonisches Konzert. Es ist eines der wenigen in dieser Saison, die vom Generalmusikdirektor selbst dirigiert werden - und nicht von Bewerbern, die seine Nachfolge anstreben. Auf dem Programm stehen Stücke von Schubert und Bruckner, die Fritzsch am Herzen liegen.

"Wer zu spät geht, den bestraft das Leben."

Im Hinblick auf sein baldiges Dienstende, sagt Fritzsch: "Mein Vater - ein sehr weiser Mann - hat gesagt: 'Nicht nur: Wer zu spät kommt den bestraft das Leben, sondern auch: Wer zu spät geht, den bestraft das Leben.' Ich wollte nicht riskieren, dass irgendwann meine Energie und mein Enthusiasmus verloren gehen. Das hier ist mein künstlerisches Zuhause und ich lebe, arbeite und kämpfe dafür, dass sich dieser Standort hält."

Mit seiner Bilanz ist Fritzsch zufrieden: Seit er 2003 ans Kieler Theater kam, sind Zuschauerzahlen und Budget spürbar gestiegen. Beste Aussichten für den Nachfolger, wären da nicht die Probleme mit der Wirkungsstätte des Generalmusikdirektors.

Bevorstehende Sanierung des Konzertsaals

Der Konzertsaal im Kieler Schloss ist dringend sanierungsbedürftig, erzählt der Generalintendant des Kieler Theaters, Daniel Karasek: "Das ist sehr unbefriedigend. Ich glaube schon, dass die Politik heftig daran arbeitet, das Problem zu lösen. Aber, wenn es zu lange hinausgeschoben wird, dann betrifft es natürlich den Generalmusikdirektor schon in seiner ersten Laufzeit relativ stark. Das sind fünf Jahre, dann muss saniert werden, dann gehen Sanierungen vielleicht auch nicht so schnell, wie sie beabsichtigt sind. Also da gibt es schon einige Probleme, aber ich bin zuversichtlich, dass wir einen hochqualifizierten und richtigen Kandidaten für diese Stadt finden werden."

Finalisten zeigen ihr Können in Konzerten

120 Bewerbungen gab es insgesamt - ganz klassisch als schriftliche Bewerbungsmappe oder mit beigelegtem Video. Die besten Kandidaten wurden zu einer einstündigen Orchesterprobe eingeladen. Jetzt sind noch fünf Bewerber übrig, die in dieser Konzertsaison auch vors Publikum treten: als Gastdirigenten ganzer Philharmonischer Konzerte. Das Programm hat sich der amtierende Generalmusikdirektor ausgedacht: "Ich möchte dem Orchester optimale Voraussetzungen schaffen, damit sie die Leute auch ausprobieren können. Das heißt, ich baue Ihnen in der Vorsaison Konzerte, die man miteinander vergleichen kann."

Große Resonanz beim Publikum

Auch die Zuschauer können sich so eine Meinung bilden, meint Riklef Döhl aus dem Orchestervorstand. Er spielt seit 23 Jahren Fagott im Kieler Orchester: "Wir haben es tatsächlich erlebt, dass ganz begeisterte Zuhörer nach dem Konzert auf uns zugekommen sind und sagten: Das war ja so ein tolles Konzert, den müssen Sie unbedingt nehmen! Das ist für uns natürlich schön zu hören, dass das so eine Begeisterung ausgelöst hat - kann und sollte aber natürlich nicht bindend sein."

Jeder Bewerber hat eine eigene Handschrift

Die Entscheidung wird ohnehin schon schwer genug: In der Findungskommission vertreten sind die Führungsriege des Theaters, ein externer Fachexperte und Vertreter aus der Politik. Dass es auch Abstimmungen unter den Sängern und Musikern gibt, ist nicht selbstverständlich, erzählt Döhl: "Es gibt große Häuser, an denen wird der Kandidat von der Politik berufen und bei uns ist es tatsächlich so, dass wir ein sehr hohes Maß an Mitspracherecht haben."

Die Meinungen unter den Musikern, wer das Pult in Kiel übernehmen soll, gehen weit auseinander. Der Grund: Jeder Bewerber trägt eine ganz eine eigene Handschrift als Dirigent. Vorgestellt haben sich schon Philippe Bach aus der Schweiz und der Deutsche Andreas Hotz aus Osnabrück. Als nächstes dirigiert Nicholas Milton aus Australien, im Januar folgen dann die Konzerte der letzten Bewerber: Giordano Bellincampi aus Dänemark und Benjamin Reiners, der aus Mannheim anreist. Die Entscheidung soll bis zum Frühjahr fallen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 17.11.2017 | 20:05 Uhr

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