Stand: 10.10.2017 12:41 Uhr

Jubiläum eines neugierigen Musikers

von Marcus Stäbler

Mit seinem Harvestehuder Kammerchor hat Claus Bantzer vor kurzem seinen Abschied als Leiter des Ensembles gefeiert. Am 10. Oktober ist der vielseitige Musiker 75 Jahre alt geworden. Ein Mann, der nicht nur das Hamburger Kulturleben über Jahrzehnte mitgeprägt hat. Ein Porträt.

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Claus Bantzer im Gespräch mit Marcus Stäbler

Der junge Claus Bantzer sitzt mit vier Jahren am Klavier und erfindet seine eigenen Klänge, inspiriert von der Malerei, wie er sich erinnert: "Da meine beiden Eltern Kunstmaler waren, hatten wir sehr viele Kunstbände. Und ich liebte diesen Corot-Band, der verhältnismäßig schwer war. Den holte ich mir und stellte ihn aufs Klavier - wir hatten damals keinen Flügel, sondern ein Klavier - und hab nach diesen Bildern improvisiert." Dieses Bild erzählt schon ziemlich viel darüber, was den feinsinnigen Menschen und Musiker Claus Bantzer ausmacht. "Das Improvisieren ist dann ja auch mein großes Steckenpferd geworden."

Offenheit und Neugier sind seine Markenzeichen

Der gebürtige Marburger, der bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2008 als Kantor an der Kirche St. Johannis in Hamburg-Harvestehude wirkte, hat gerade mit seinen originellen Orgelimprovisationen eine eigene Fangemeinde angelockt. Die Liebe zur Improvisation und die besondere Hingabe an den Moment gehören ebenso zu den Markenzeichen von Bantzers Persönlichkeit wie eine große Offenheit und Neugier.

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Bantzer begann sein Studium von Klavier, Orgel und Dirigieren an der Hochschule für Musik in Frankfurt am Main.

Künstlerische Grenzen sind für den schlanken, manchmal etwas verträumt wirkenden Mann ein Fremdwort, der nie sich selbst, sondern immer die Musik ins Zentrum rückt. Er ist Organist, Dirigent, Pianist und Komponist in einer Person - und er hat immer die Begegnung mit den Nachbarkünsten gesucht. Mit seinem Bruder, dem Schauspieler Christoph Bantzer, konzipierte er musikalisch-literarische Abende, lange bevor diese Konzertform in Mode kam. In seiner Reihe "Kreuzungen" präsentierte Bantzer Bachs Matthäus-Passion mit Live-Malerei oder brachte zur Lesung von Jean Genets "Seiltänzer" einen echten Seiltänzer in die Kirche.

Besonders durch Chormusik bekannt

Der Startschuss zur Keuzungen-Reihe war eine Kooperation von Bantzer und seinem Harvestehuder Kammerchor mit den Nachwuchstänzern von John Neumeiers Hamburg Ballett im Jahr 1999: "Ich habe improvisiert, der Kammerchor hat gesungen und die haben auch improvisiert! Das haben wir noch zwei-dreimal mit diesem jungen Ballett wiederholt."

Als Komponist ist Claus Bantzer vor allem für seine Chormusik bekannt - etwa für seine 1980 vollendete Jazz-Messe aber auch für seine Filmmusiken für Regisseure wie Jan Schütte oder Doris Dörrie. Bantzers Musik umrahmt etwa Dörries Komödie "Männer" aus dem Jahr 1985 und das Drama "Kirschblüten - Hanami".

Fit durch Yoga

Organist, Komponist, Dirigent und Chorleiter Claus Bantzer. © www.clausbantzer.de

Claus Bantzer zum 75. Geburtstag

NDR Kultur -

Mit seinem Harvestehuder Kammerchor hat Claus Bantzer vor kurzem seinen Abschied als Leiter des Ensembles gefeiert. Nun ist der Musiker 75 Jahre alt geworden.

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Der Arbeitsprozess bei diesen Stücken erinnert an Bantzers Bildbandimprovisationen aus der Kindheit: "Ich hatte dann immer einen Fernseher auf der Orgel und kriegte einen Rohschnitt, und versuchte die Vorstellungen der Regisseure umzusetzen." Nachdem Claus Bantzer, der sich mit Yoga-Übungen geistig und körperlich fit hält, jetzt die künstlerische Leitung des Harvestehuder Kammerchors abgegeben hat, ist er in Zukunft etwas seltener als Dirigent und dafür öfter als Pianist und Organist zu erleben. So zum Beispiel mit dem Saxofonisten Leszek Zadlo, mit dem er seit Jahrzehnten ein begehrters Improvisationsduo bildet. Vor allem aber möchte er die freie Zeit nutzen, um eigene Werke zu schaffen: "Ich will natürlich auch verstärkt komponieren, was ich immer noch für das Schwierigste halte - aber das interessiert mich schon, da neue Wege zu finden, und dazu brauche ich viel Zeit."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 10.10.2017 | 11:20 Uhr

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