Stand: 24.02.2017 11:59 Uhr

Mahlers 2. Sinfonie: Ein großes Farbenklavier

von Daniel Kaiser

Thomas Hengelbrock legt in der Elbphilharmonie ein ganz besonders gewaltiges Werk auf dem Notenständer: Der Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters spielt mit seinen Musikern die 2. Sinfonie von Gustav Mahler – die sogenannte Auferstehungssinfonie. Dieses Riesenwerk hat auch eine Hamburger Geschichte.

Die ganze Bühne steht voller Instrumente: Ein Meer aus Geigen, gleich vier Harfen und große Glocken sind dabei. Ständig trillert, tuscht und trompetet es. Gustav Mahlers Musik überwältigt zwar, sie erschlägt einen aber nicht, sagt Thomas Hengelbrock. "Das Ganze ist ja wie ein großes Farbenklavier", schwärmt er. "Mahler erschafft poetische Stimmungen mit unterschiedlichsten Instrumenten-Kombinationen. Die Altistin singt mit der Trompete, die Sopranistin mit den ersten Geigen. Es ist faszinierend, wie dadurch ein durchpsychologisierter Orchesterklang entsteht."

"Zauberische Verbindung mit dem Höheren!"

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"Auferstehungssinfonie" mit Annette Dasch

24.02.2017 20:00 Uhr und weitere Termine
NDR Elbphilharmonie Orchester

Mit Annette Dasch und Gerhild Romberger brachten das NDR Elbphilharmonie Orchester, der WDR Rundfunkchor und der NDR Chor Mahlers überwältigende "Auferstehungssinfonie" zur Aufführung. mehr

Mit dem ersten Satz der 2. Sinfonie, schrieb Mahler einmal, trage er den Helden aus seiner 1. Sinfonie ("Titan") zu Grabe. Die großen Themen "Tod" und "Auferstehung" bringt der Komponist auch mit Pauken, Trompeten und vielen Effekten in die Musik. Doch plakativ fromm ist die Auferstehungssinfonie mit ihren weihevollen Chören dann am Ende doch nicht. "Auch wenn es manchmal ein bisschen kitschig und nach zu viel Kirche im Konzertsaal klingt, ist Mahler doch vor allem inspiriert von der Philosophie Schopenhauers und Nietzsches", sagt Hengelbrock. Deshalb dürfe man nicht alles im triumphalistischen Fortissimo spielen. Man müsse die Partitur ganz genau lesen und bei einem kaum spielbaren, fünffachen Pianissimo ausloten, wie Stille und Klang einander begegnen: "Es sind diese ganz ruhigen Momente in der Musik, die uns mit unserm inneren Kern in Verbindung bringen, der uns auf ganz zauberische Weise mit etwas Höherem verbindet."

Wie vom Blitz getroffen

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Gustav Mahler begann die Komposition an der 2. Sinfonie 1888, kam dann aber mehrere Jahre nicht dazu, sie zu vollenden. Erst 1894 stellte er sich fertig.

Für seine Sinfonie verwendet Mahler Themen und ein ganzes Lied ("Urlicht") aus dem Zyklus "Des Knaben Wunderhorn". Die Idee zum grandiosen Finale der Sinfonie hatte er während seiner Zeit als Hamburger Generalmusikdirektor. Bei der Trauerfeier für den bekannten Dirigenten Hans von Bülow am 29. März 1894 im Hamburger Michel sang plötzlich ein Knabenchor Verse des Hamburger Dichters Klopstock von der Empore.

"Diese Klopstock-Ode hat Mahler wie ein Blitz getroffen", erklärt Hengelbrock. Es war für ihn die Lösung seines Final-Problems, mit dem er sich lange herumgeschlagen hatte. Zeitzeugen berichten, wie Mahler aus der Kirche nach Hause eilte und stundenlang gebeugt über dem Schreibtisch die Inspiration auf das Notenpapier brachte: "Aufersteh‘n, ja, aufersteh‘n wirst Du mein Herz in einem Nu!" Einige Kritiker waren damals bei der Uraufführung 1895 von der Sinfonie noch überfordert. Sie lästerten über ein "hohles Nichts" und "Lärm". Heute gehört Mahlers Zweite zu den bedeutendsten Werken im Musikbetrieb. "Es gehört dazu, dass große Komponisten ihrer Zeit voraus sind, sonst würde die Musikgeschichte stehenbleiben", so Hengelbrock.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 24.02.2017 | 15:55 Uhr

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