Sendedatum: 12.02.2013 06:40 Uhr

Cencic singt venezianische Opernarien

Venezia
von Max Emanuel Cencic
Vorgestellt von Friederike Westerhaus

CD der Woche

Arien aus Opern von Antonio Caldara, Giovanni Porta, Antonio Vivaldi, Francesco Gasparini, Tomaso Albinoni, Giuseppe Selitto, Geminiano Giacomelli
Max Emanuel Cencic, Countertenor
Il Pomo d'oro
Leitung: Riccardo Minasi

Vorgestellt von Friederike Westerhaus

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Max Emanuel Cencic versammelt auf seiner neuen CD Arien der wichtigsten venezianischen Opernkomponisten des frühen 18. Jahrhunderts.

Als Sechsjähriger hat der Kroate Max Emanuel Cencic die Rache-Arie der "Königin der Nacht" in einer Fernsehshow in seiner Heimat gesungen und war schlagartig in aller Munde. Ganz so hoch singt er heute nicht mehr, aber immerhin noch bis in die Mezzo-Sopran-Lage: Als Erwachsener ist Cencic Countertenor.

Dem Stimmfach entsprechend hat er sich vor allem als Interpret alter Musik einen Namen gemacht. Regelmäßige Projekte führen ihn auch mit seinem Kollegen Philippe Jaroussky zusammen; die beiden haben auch schon gemeinsam eine CD aufgenommen. Cencics neues Album trägt den Titel "Venezia".

Drama, Poesie und Abwechslung

Dies ist weit mehr als das Bravourstück eines hervorragenden Countertenors. Cencic unternimmt einen Streifzug durchs Venedig des frühen 18. Jahrhunderts. Sechs Opernhäuser gab es in der Stadt - eine Hochburg der schönen Künste und der Dolce Vita. Die Stars der Szene waren die Kastraten. Entsprechend anspruchsvoll waren deren Partien.

"Es ist schon sehr virtuos", findet Cencic. "(...) ich habe versucht, verschiedenste Farben und Ausdrucksformen in diese CD zu bringen, nicht nur schnelle Stücke, sondern auch dramatische oder auch mal etwas Ruhiges oder Poetisches. Es ist eine Vielzahl an unterschiedlichen Stilen."

Cencic hat die Arien nicht nur dramaturgisch gekonnt und abwechslungsreich kombiniert, sie geben auch einen Überblick über die wichtigsten venezianischen Opernkomponisten jener Zeit, wie Antonio Caldara, der ungeheuer virtuos schrieb, Giovanni Porta mit seinem überbordenden Melodienreichtum oder auch Tomaso Albinoni. Dessen Arie "Pianta bella, pianta amata", in der Cencic in einen sanften Dialog mit der Soloviola tritt, ist ein überraschender Höhepunkt des Programms.

Geschmeidige, klare Stimme

Einer darf natürlich nicht fehlen: Antonio Vivaldi, der das Opernschaffen jener Zeit krönte. Cencic bringt die ganze Dramatik und Leidenschaft dieser Musik zum Ausdruck - und gerade bei Vivaldi kann auch das Ensemble Il Pomo d'oro seine Kraft und Akkuratesse entfalten.

Die Stimme von Cencic klingt auch in den Koloraturen geschmeidig und klar. Von den widrigen Umständen, unter denen die CD entstand, ist nichts zu merken. "Wir haben bei 40 Grad Hitze aufgenommen, in einer Villa in Italien ohne Klimaanlage, (...) das war gar nicht angenehm", erzählt Cencic. Aber Klimaanlagen gab es im 18. Jahrhundert schließlich auch noch nicht. Und so gewährt die CD auch auf diese Art einen spannenden Einblick in die Opernszene jener Zeit.

Venezia

Verlag:
Virgin Classics

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 12.02.2013 | 06:40 Uhr