Stand: 19.06.2017 11:38 Uhr

Bewegender Abschied von Dirigent Jeffrey Tate

von Elisabeth Richter

Am 2. Juni verstarb völlig unerwartet der Chefdirigent der Symphoniker Hamburg Jeffrey Tate im Alter von 74 Jahren. Am Sonntag sollte der Brite eigentlich das letzte Saisonkonzert des Orchesters in der Hamburger Laeiszhalle dirigieren. Nun wurde es zu seinem Abschiedskonzert. In die Laeiszhalle war viel Prominenz aus Politik und Kultur gekommen, darunter Kultursenator Carsten Brosda.

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Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda trägt sich ins Kondolenzbuch für Sir Jeffrey Tate ein.

Jeffrey Tate liebte seine Symphoniker - und sie liebten ihn. Das war beim Abschiedskonzert für den überraschend verstorbenen Chefdirigenten deutlich zu spüren. Nicht nur bei Schuberts "Unvollendeter" Sinfonie zu Beginn spielte das Orchester mit großer Wärme und mit einem geradezu liebevollen Engagement. Jeder Musiker wollte die beste Qualität bringen, was gelang und was unglaublich berührte, aber nicht rührselig war.

Sir Jeffrey Tate

Abschiedskonzert für Sir Jeffrey Tate

Hamburg Journal -

Die Symphoniker Hamburg haben ihrem geliebten Chefdirigenten mit einem Abschiedskonzert die letzte Ehre erwiesen. Sir Jeffrey Tate war Anfang Juni überraschend verstorben.

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Musik auf hohem Niveau ist Arbeit. Dass Jeffrey Tate mit den Symphonikern Hamburg gut gearbeitet hat, war bei diesem Konzert unter dem ersten Gastdirigenten Ion Marin bei jeder Note zu hören. Das Programm war bewusst gewählt: Die "Unvollendete" war das erste Werk, das Tate 2009 als neuer Chefdirigent präsentierte. Es folgte der letzte Satz aus Gustav Mahlers 9. Sinfonie, die der Brite nur ein paar Tage vor seinem Tod dirigiert hatte. Ein Stück, das von Abschied erzählt, voller Wehmut und Melancholie.

Daniel Kühnel hält bewegte Trauerrede

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Intendant Daniel Kühnel: ""Die präziseste Arbeit an jedem einzelnen Takt war immer eingebettet in das Ringen um Schönheit:"

Der Intendant der Symphoniker Hamburger Daniel Kühnel hielt - sichtlich bewegt - eine Trauerrede, bei der er hervorhob, wie viel das Orchester und er nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich von Jeffrey Tate gelernt hätten. Er sagte: "Die präziseste Arbeit an jedem einzelnen Takt war immer eingebettet in das Ringen um Schönheit. Alles Technische ergab sich aus diesem Ringen wie nebenbei."

Zum Schluss war Tate noch einmal auf einem Video bei einem Probenausschnitt mit den Symphonikern Hamburg zu sehen. Am Ende des Videos blieb ein Foto von ihm als Standbild - dazu erklang als letztes Stück des Abschiedskonzerts das "Agnus dei" und das "Dona nobis pacem" aus Bachs h-Moll Messe. Es hätte Jeffrey Tate gefallen. Am Schluss gab es minutenlangen Applaus, das Publikum hatte sich zu Ehren eines großen Musikers erhoben. Würdevoller kann ein Abschied nicht sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 19.06.2017 | 09:20 Uhr

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