Stand: 26.09.2017 11:41 Uhr

120 Jahre Norddeutsche Philharmonie Rostock

von Matthias Schümann

Am 22. September 1897, um sieben Uhr abends trat das Rostocker Stadt- und Theaterorchester erstmals in Erscheinung: Auf dem Programm des Sinfoniekonzerts standen Kompositionen von Karl Goldmark, Robert Volkmann, Franz Liszt und die 8. Sinfonie von Ludwig van Beethoven.

Bläser eines Orchesters.

Norddeutsche Philharmonie feiert 120. Jubiläum

Nordmagazin -

Die Norddeutsche Philharmonie feiert ihr 120. Gründungsjubiläum in Rostock. Bei der Programmvorstellung wurden auch die neuen Musiker des Ensambles vorgestellt.

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Geburtsstunde des Orchesters eigentlich zwei Jahre früher

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Regelmäßig triit das Orchester bei großen Festivals auf, wie hier 2012 bei den Festspielen MV. Vor klassischer Kulisse dirigiert Alondra de la Parra die Norddeutsche Philharmonie Rostock.

Die eigentliche Geburtsstunde des Orchesters schlug allerdings schon zwei Jahre früher. "Da haben die Rostocker mit Stolz ein neues schönes Theater eröffnet und danach haben sie gemerkt, dass die Orchestersituation doch nicht ausreichend ist und deshalb hat dann die Stadt 1897, also vor 120 Jahren, beschlossen, den Dirigenten Heinrich Schulz zu beauftragen, ein Orchester zusammenzustellen", erzählt Corina Wenke, die Musikdramaturgin der Philharmonie.

Corina Wenke ist die Musikdramaturgin der Philharmonie. Das heutige Orchester sei mit dem damaligen Klangkörper nur bedingt zu vergleichen. Aus heutiger Sicht sei es ein sehr kleines Orchester gewesen. "Es hatte 34 Musiker. Aber es war natürlich auch eine ganz andere Zeit. Die großen Mahler-Sinfonien waren noch nicht geschrieben, man spielte ein ganz anderes Repertoire."

Kontinuität auch in schwierigen Zeiten

In den Jahren nach seiner Gründung profiliert sich das Orchester unter anderem mit Aufführungen der Werke Richard Wagners. Rostock wird ein Bayreuth des Nordens. Die folgenden Jahrzehnte sind aber auch durch Krisen gekennzeichnet. Der Erste Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise, der Zweite Weltkrieg. Doch es sei immer weiter gegangen, auch wenn es manchmal kaum noch Musiker gegeben habe. Wenke findet, dass das "die Errungenschaft dieser Zeit und dieser Jahre" ist.

Kontinuität setzt für das Orchester erst nach 1945 ein. In ganz sicherem Fahrwasser bewegte es sich spätestens ab 1957. Da übernahm Gerd Puls das Amt des Chefdirigenten. Der etablierte eine rege Konzerttätigkeit. Ab 1974 saß dabei eine junge Flötistin in seinem Orchester. Eva Maria Leonhardt - als eine von gerade mal fünf Frauen.

Für die Musikerin bewegte sich die Norddeutsche Philharmonie spätestens ab Ende der 80er-Jahre auf ihren absoluten Höhepunkt zu. "Die letzten Jahre von Herrn Puls und dann der Übergang nach der Wende, das waren die schönsten Jahre. Damals war das Orchester wirklich regionenübergreifend. Es hatte einen relativ großen Wirkungskreis."

Neue Experimente - organisatorisch und musikalisch

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Seit 2011 ist Florian Krumpöck Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Norddeutschen Philharmonie Rostock und des Volkstheaters Rostock.

Michael Zilm, Generalmusikdirektor ab 1991 krempelt das Repertoire völlig um und spielt einen gewaltigen Zyklus mit sämtlichen Werken Gustav Mahlers. Im Jahr 1997 feiert die Philharmonie ihren 100. Geburtstag, mit dem Slogan "90 werden 100". Heute müsste dieser Spruch lauten: Knapp 70 werden 120. Die Philharmonie muss sparen. Zum Wegfall von Musikerstellen kommen nicht besetzte Plätze im Ensemble.

Heftig kritisiert wird das vom Förderverein der Philharmonischen Gesellschaft. Das Orchester bewegt sich unterdessen zu neuen Ufern. Die Norddeutsche Philharmonie Rostock ist Gründungsmitglied der Europäischen Filmphilharmonie und nach vielen Stummfilmuntermalungen steht nun ein ganz neues Experiment ins Haus: Die Buddenbrooks, ein Spielfilm von Heinrich Breloer. Das Orchester spielt die Original-Filmmusik zu dem Film.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 26.09.2017 | 11:20 Uhr

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