Stand: 01.06.2017 23:46 Uhr

All That Jazz auf der Werft

von Andreas Moll

Am Donnerstagabend standen in Hamburg die Größen der Jazzmusik im Rampenlicht. Zum achten Mal wurden die Echo-Jazz-Preise verliehen. In diesem Jahr auf dem Werftgelände von Blohm+Voss.

Schon Frank Sinatra sang über eine Stadt am Wasser: "And it has / all that jazz ..." Damit war im Jahr 1957 nicht Hamburg, sondern Chicago gemeint. Spätestens nun, 60 Jahre danach, hat Hamburg sich einen ähnlichen Ruf verdient. Hamburg gilt als Jazz-Hauptstadt und ist schon zum vierten Mal in Folge Gastgeber des Deutschen Musikpreises Echo Jazz.

Kind of Blue auf dem roten Teppich

Das Jazzalbum "Kind of Blue" von Miles Davis war ein Meilenstein der Musikgeschichte und blau ist auch die bestimmende Farbe auf dem Werftgelände von Blohm+Voss. Am frühen Abend ein blauer Himmel über dem roten Teppich, auf dem sich Prominenz aus Pop, Politik und Schauspiel tummelt.

Ein musikalisches Moin vom Kultursenator

Kultursenator Carsten Brosda begrüßt das Publikum mit einem trockenen "Moin, wie man hier sagt". Er betont in Zeiten von Trump und Terrorismus das Vereinende in der Jazzmusik. Und zitiert auf Englisch die Jazzstars Duke Ellington und Charles Mingus mit launigen Bonmots wie: "If someone has been escaping reality, I don't expect him to dig my music".

Mehr Kunst und Kultur wagen

Veranstalter Dieter Gorny vom Bundesverband Musikindustrie erklärt, das Werftgelände erinnere ihn an seine Heimat, das Ruhrgebiet. Dort erhöhe gerade ein Theaterintendant die Einstiegsgehälter junger Schauspieler. Vergleichbares wünsche er sich auch für den Jazz-Nachwuchs in Deutschland: "Ich glaube, dass Kunst und Kultur massiv unterschätzt werden und damit die Künstlerinnen und Künstler selbst. Sie spiegeln die Veränderungen des Menschen und tragen zu diesen Veränderungen bei." Deshalb müsse man Kunst und Kultur wieder mehr Platz einräumen. "Wir brauchen ein neues Bekenntnis zu Kunst, Kultur, zu Jazz und seiner Einzigartigkeit. Wir sollten mehr Kunst und Kultur wagen - in aller Breite und Vielfalt. Wir werden alle profitieren - gesellschaftlich und künstlerisch."

Der Look der guten alten Zeit

Mit dem swingenden Song "Unbreakable" scheint Jazzlegende und Posaunist Nils Landgren mit seiner Band Funk Unit diese These Gornys zu bestätigen.

Dann betritt im Showprogramm der Mann mit der Tolle und dem Kleidungsstil aus Schellack-Zeiten die Bühne bei Blohm+Voss: Musiker und Moderator Götz Alsmann. Der Westfale eröffnet den feierlichen Teil des Echo Jazz zusammen mit dem Schweden Landgren. Die beiden begrüßen die erste Laudatorin. Moderatorin Collien Ulmen Fernandes. Die Frau des Schauspielers Christian Ulmen lobt die Schweizer Sängerin Lucia Cadotsch.

Sonderpreis für Fotobuch-Projekt American Jazz Heroes

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Vor maritimer Kulisse zeigen die Preisträger Joachim Kühn (links) und Emile Parisien was sie können.

Pianist Joachim Kühn und Saxofonist Emile Parisien liefern in ihrem Showact bunte Saxofon-Kaskaden zu entspannten Klavierklängen. Eine rot angestrahlte Schiffsturbine bildet das Hintergrundbild, eingefasst in blaues Scheinwerferlicht. In dem steht als nächstes der Preisträger Arne Reimer. Er bekommt einen Sonderpreis für sein Fotobuch-Projekt Amercian Jazz Heroes. "Die Leute, die Jazz lieben, werden auch Arnes Bücher lieben", sagt Landgren.

Max Mutzke kündigt in seiner Laudatio Eva Kruse an: Die Bassistin, die in Schleswig-Holstein aufgewachsen ist, verrät, dass das Schleppen des Basses das größte Leid in ihrem Berufsleben sei.

Sphärische Gesänge verzaubern das Publikum

Den nächsten Preis räumt der Drummer und Percussionist Diego Piñera ab. Agnes Obel singt Transzendent-Tragikomisches zu Cello, zwei Tasteninstrumenten und einer Art Xylofon. Das ist so schön, so elfenhaft, dass man verwundert ist, dass sie keinen Echo erhält. Das Publikum ist so in ihrem musikalischen Bann, dass es fast vergisst, mit dem Klatschen einzusetzen.

Blaue Stunde im Hamburger Hafen

Blau sind die Kräne zum Verladen der riesigen Schiffsanlagen auf dem Werftgelände und blau ist auch das Branding von Nils Wülkers neuem Album "ON", einer Melange aus Jazz und Hip-Hop. Der Star-Trompeter aus München hat lange in Hamburg gelebt und ist nun Laudator beim Echo Jazz 2017. Er wusste mit 16 noch nicht, wer Miles Davis ist, und heute ist er Deutschlands prominentester Jazzer und Trompeter. Er ehrt Saxofonist Daniel Erdmann mit den Worten: "Jazz hat immer schon neue Wege gesucht und Daniel ist ein wahrer Klangforscher".

Gitarrist Arne Jansen erhält einen der nächsten Echos und komplettiert das Echo Jazz Allstar Quartett 2017: Diego Pinera, Eva Kruse, Frederik Köster und eben Arne Jansen spielen ein eigens für die Preisverleihung arrangiertes Stück namens "Here We Go".

Michael Wolly als internationales Aushängeschild der deutschen Jazzszene

Pianist Michael Wolly wird als Preisträger belobigt vom Jazzjournalisten Götz Bühler. Der meint: "Das hast du nicht verdient ...", kurze Pause, "... nur als Instrumentalist national geehrt zu werden." Michael Wollny ist längst ein internationales Aushängeschild der deutschen Jazzszene.

"Papa Doldinger" und die glückliche Landung

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Der Saxofonist Klaus Doldinger erhält den Echo für sein Lebenswerk.

Echo-Klänge könnte man zwischen den stählernen Hallen der Werft leicht erzeugen. Ein Widerhall wunderschöner Jazzmusik wie der von Klaus Doldinger und seiner Band Passport passt aber perfekt in die Blaue Stunde am Hamburger Hafen.

Sänger Max Mutzke hatte die Berliner Jazzlegende Klaus Doldinger noch kurz zuvor mit dem Echo Jazz für sein Lebenswerk  geehrt. Doldinger hatte Mutzke des Öfteren als Gastsänger für Passport gebucht. Seither nennt Mutzke ihn "Papa" und sagt: "Der Mann ist 81 - der macht keine Pause und jedes Konzert geht über drei Stunden. Unfassbar." Der Schluss-Act von Doldinger und Passport mit dem Song "Happy Landing" geht gute vier Minuten.

Am Ende steigt Mutzke ein und singt "New Moon". Der hängt inzwischen auch am Himmel, denn die Blaue Stunde hat Besitz genommen vom Hamburger Hafen. Nun beginnt neben der Nacht auch die Echo-Jazz-Nacht.

Großes Staraufgebot beim Echo Jazz

Echo Jazz - eine renommierte Auszeichnung für Jazzmusiker

Der Echo zählt zu den international wichtigsten und renommiertesten Musik-Awards der Welt. Die Deutsche Phono-Akademie ehrt damit die erfolgreichsten und besten nationalen und internationalen Künstler. Eine zwölfköpfige Jury aus Journalisten, Vertretern von Musiklabels, Konzertveranstaltern und Jazzexperten bewertet die Einreichungen. Seit 2013 findet die Gala zur Preisverleihung in Hamburg statt.

Highlights der Preis-Gala senden am 2. Juni 2017 NDR Info ab 22.05 Uhr und das NDR Fernsehen ab 0.25 Uhr.

Fernsehtipp

Die Highlights der diesjährigen Verleihung

04.06.2017 00:20 Uhr
NDR Fernsehen

Der Echo Jazz gehört zu den renommiertesten Auszeichnungen der Musikwelt. In diesem Jahr findet die festliche Verleihung in Hamburg bei Blohm & Voss statt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Blue | 01.06.2017 | 20:00 Uhr

Preisträgerporträts

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