Stand: 16.06.2016 00:01 Uhr  | Archiv

Bruckners Siebte: Ein Meisterwerk der Klassik

von Marcus Stäbler

Der Komponist Anton Bruckner (1824-1896) musste lange auf seine Anerkennung warten. Erst mit 60 Jahren feierte er den Durchbruch - dank der Siebten Sinfonie, die bis heute sein beliebtestes Werk geblieben ist.

Porträt

Anne Thormann

NDR Elbphilharmonie Orchester

Auch die Bratscherin Anne Thormann aus dem NDR Elbphilharmonie Orchester hat Bruckners Siebte ganz besonders ins Herz geschlossen. "Ich finde, diese Sinfonie hat wunderschöne Melodien. Wenn man schon den Anfang hört: Ich finde die erste Phrase erhaben und stolz, aber trotzdem auch sehr emotional. Wenn das Thema sich so schön entfaltet und dann daraus die ganze Sinfonie entsteht, das macht wirklich Spaß", sagt Thormann, seit 2008 Bratscherin im NDR Elbphilharmonie Orchester.

Anstrengend, ein bisschen lustig - und schön

Anton Bruckner beginnt das Thema seiner Siebten Sinfonie mit Hörnern und Celli. Wenig später nimmt er dann auch die Bratschen dazu und mischt so einen weichen und warmen Farbton in die Melodie. Anne Thormann setzt ihr Instrument an und spielt das Thema mit.

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Der berühmt gewordene Satz Mahlers, wonach eine Sinfonie "etwas Kosmisches an sich haben" und "unerschöpflich wie die Welt und das Leben sein" müsse, lässt sich ohne weiteres auch auf die monumentale Sinfonik Bruckners beziehen.

Hier lässt Anton Bruckner die Streicher wunderbar singen - aber es gibt in seiner Sinfonie auch ganz andere Passagen, wie Anne Thormann erklärt: "Wir haben relativ viele Stellen, die nicht so hörbar sind, weil das Blech so laut ist und wir vielleicht auch nur Begleitung spielen oder nur Tremolo. Das sind eigentlich die Stellen, wo ich früher im Jugendorchester immer dachte, das ist so anstrengend und auch ein bisschen lustig, wenn man das spielt, aber an sich finde ich es doch schön."

Eines der größten Meisterwerke der Klassik

Vor dem kraftvollen Scherzo der Siebten Sinfonie steht ein ausgedehnter Adagio-Satz mit der Überschrift "Sehr feierlich und sehr langsam". Er endet mit einer ergreifenden Trauermusik - angeblich hat Bruckner hier den Tod des von ihm sehr verehrten Richard Wagner vorausgeahnt. "Bei Bruckner erscheinen mir die Sinfonien oft konstruiert und durchdacht", meint Anne Thormann. "Trotzdem finde ich, dass die Melodien eine Schönheit und Tiefe und auch ein Wissen haben, das ich jetzt besser verstehe als damals als Schülerin oder Studentin."

Anton Bruckner war selten zufrieden, er hat einige Sinfonien immer wieder überarbeitet und sich auch von seinen Schülern und Dirigenten zu Änderungen überreden lassen. Deshalb gibt es so viele verschiedene Fassungen. Doch bei der Siebten war sich der tiefreligiöse Komponist ziemlich sicher und schrieb nur eine Version. Der Erfolg der Uraufführung in Leipzig im Jahr 1884 hatte ihn bestärkt. Heute gilt die gut einstündige Sinfonie als eines der größten Meisterwerke der Klassik.

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