Stand: 28.09.2017 14:33 Uhr

"West Side Story"-Probe: Singen, swingen, schwitzen

von Mathias Heller

Am 26. September hat das Musical "West Side Story" von Leonard Bernstein seinen 60. Geburtstag gefeiert. Dass es immer noch zu den beliebtesten Stücken auf Theaterbühnen gehört, beweist die Staatsoper Hannover. Sie bringt den Kampf um Liebe und Selbstbestimmung ab dem 29. September in einer Neuinszenierung auf die Bühne.

Schätzungsweise 20 bis 30 junge Tänzerinnen und Tänzer, Darstellerinnen und Darsteller tummeln sich auf der Bühne der Staatsoper Hannover. In Turnschuhen, Jogginghosen und Gymnastik-Shirts springen, swingen oder rocken sie in Gruppen synchron zur Klaviermusik. Noch ohne Orchester. Ohne Kostüme. Ohne Publikum.

 

Das Publikum emotional erreichen

Nur das Team um den Regisseur Matthias Davids sitzt in der Mitte des leeren Zuschauerraums am Regiepult und schaut genau hin. Die Konzentration ist bei allen Beteiligten spürbar hoch. Matthias Davids ist die Natürlichkeit auf der Bühne extrem wichtig: "Daran haben wir eben mit den Musical-Darstellern, Tänzern und Schauspielern gearbeitet, dass eine Authentizität passiert auf der Bühne, die das Publikum emotional erreicht."

Der Choreograf Simon Eichenberger geht ruhig auf die Bühne, verschiebt kurz Positionen der Darsteller, korrigiert Körperhaltungen: hier einen Arm mehr strecken, dort ein Bein mehr in Spannung bringen. Dann geht es auch schon weiter. Joseph R. Olefirowicz, der musikalische Leiter, zählt ein. Und plötzlich bewegen sich nicht nur die Tänzer. Auch die bühnengroße Häuserfassade aus scheinbar rostbraunem Stahl dreht sich.

Bühne und Tänzer wirken zusammen

Bühnenbild mit Tänzern bei der Probe zur West Side Story in der Staatsoper in Hannover © NDR.de Fotograf: Christina Grob

West Side Story in Hannover - Probenreportage

NDR Kultur -

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Die Bewegung der Bühne hat eine bestimmte Funktion, erklärt Matthias Davids: "Wir haben nicht nur die Tänzer und Darsteller in Bewegung versetzt, sondern bei uns bewegt sich auch das Bühnenbild um die Darsteller, das heißt, nicht die Darsteller gehen von A nach B, sondern die Bühne bringt die Darsteller an einen anderen Ort und das Zusammenwirken von Bühne und Tänzern in diesem Fall ist besonders spannend und gibt dem Ganzen noch mal eine irre Dynamik."

So wandert die glücklose Liebesgeschichte von Tony und Maria von der New Yorker Bronx in eine Stadt, die überall sein kann - wie die Musik: ort- und zeitlos. Stella Motina spielt und singt Maria: "Die ist nicht nur jung und frisch und naiv, sie ist auch eine starke Frau - muss sie auch sein. Diese Kombination zu finden und trotzdem diese Frische von einem jungen Mädchen zu behalten, das ist eine Herausforderung." Für die in Russland geborene und in Hannover ausgebildete Opernsängerin ist es eine Premiere. Noch nie hat Motina eine Musicalrolle gespielt.

Am Ende werden die Taschentücher rausgeholt

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Es ist das erste Mal, dass Stella Motina eine Musicalrolle spielt. Sie liebt besonders das Finale.

Rund vier Stunden wird an diesem Tag geprobt. Harte Arbeit, aber echtes Gefühl. Vor allem Richtung Ende wird es emotional, erzählt Stella Motina: "Ich muss natürlich jedes Mal heulen, wenn wir das große Finale machen und proben. Sogar bei den Proben muss ich jedes Mal das Taschentuch rausholen und alle anderen auch. Das ist sehr dramatisch und sehr berührend und sehr aktuell und diese Liebesgeschichte wird auch immer aktuell bleiben und das wird das Publikum berühren."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 27.09.2017 | 16:20 Uhr

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