Stand: 20.04.2017 15:23 Uhr

Schaurig-schön: "Addams Family" in Lüneburg

von Ina Kast

Die sechsköpfige Band spielt sich gerade noch ein, doch die anwesenden Schauspieler sind kaum zu bremsen. Jeder einzelne singt vor sich hin und kann es kaum erwarten, dass die Probe gleich startet. Sie wirken wie infiziert mit ihrem Studimusical "The Addams Family". "Ruhe bitte!", ruft Regisseur Oliver Paul durch den Raum. Kurz darauf setzt die Band ein. Alle 18 Darsteller schnipsen rhythmisch dazu. Der 23-jährige Hauptdarsteller Max Sellmer betritt die Bühne. "Einmal im Jahr versammeln wir uns unter unserem Familienbaum, um den ewigen Kreis von Leben und Tod zu ehren", beginnt er seinen Auftritt. Ab dem 23. April werden die Zuschauer in die düstere und skurrile Welt der New Yorker Familie Addams entführt. Zehn Auftritte stehen am Theater Lüneburg auf dem Programm.

Theaterbühne statt Hörsaal

Hang zum Morbiden und Skurrilen

Grabsteine, ein Folterstuhl und eine abgehackte Hand, die sich selbstständig bewegt - zugegeben, die Familie Addams und ihre Vorlieben sind ziemlich speziell. Sie singen vom "berauschenden Duft des Friedhofs“ und finden, dass "ein Tag nur mit Gift und Galle schön" ist. Weltweit begeisterte Familie Addams ihre Fans zunächst in Comics und einer Fernsehserie. Die Handlung des Musicals ist schnell erzählt: Wednesday Addams eröffnet ihrem Vater Gomez, dass sie sich mit ihrer großen Liebe Lucas Beineke verlobt hat. Sie bittet Gomez, ihrer Mutter davon nichts zu erzählen. Eine schwierige Situation für den stolzen Familienvater, denn normalerweise haben er und seine Frau keinerlei Geheimnisse voreinander. Das folgende gemeinsame Abendessen von Familie Addams und Familie Beineke steht kurz vor der Eskalation …

Zwei Grabsteine  Fotograf: Ina Kast

Probenbesuch bei "The Addams Family"

NDR 1 Niedersachsen -

Studierende der Leuphana Universität Lüneburg bringen zusammen mit dem Theater Lüneburg das Broadway-Musical "The Addams Family" auf die Bühne. Ein Probenbesuch.

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Lieder trällern statt Bücher wälzen

Für die Studenten der Leuphana Universität ist die Kooperation mit dem Theater Lüneburg ein aufregender Ausflug - weg von langatmigen Vorlesungen im Hörsaal hin zur Schauspielbühne. "Die Studenten brennen richtig für dieses Musical, da kommt ganz viel Energie bei der Arbeit rüber", erzählt Regisseur Paul. Er begleitet das Studimusical bereits seit der ersten Auflage im Jahr 2008. Bemerkenswert findet er, dass Studenten sämtlicher Fachrichtungen zum Casting kamen. "Sie studieren alles mögliche, Kulturwissenschaften, Digitale Medien oder Lehramt“, sagt Paul. Max Sellmer ist bereits zum vierten Mal beim Studimusical dabei und hat zum ersten Mal die Hauptrolle ergattert. Er verkörpert die Rolle des Familienvaters Gomez voller Inbrunst und spricht dabei mit erfrischendem spanischen Akzent.

Universität vergibt für Musical keine Leistungspunkte mehr

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Familenvater Gomez ist über die Verlobung seiner Tochter überrascht.

Texte auswendig lernen, mehrstimmig singen und richtig spielen, das alles erfordert viel Zeit und Mut. Einige der insgesamt 18 Darsteller stehen zum ersten Mal auf einer größeren Theaterbühne. "Ich finde, dafür, dass sich die Studenten so viel Mühe geben, könnte die Uni ruhig wieder fünf Leistungspunkte vergeben", sagt Svenja Huckle. In den vergangenen Jahren nämlich hatte die Universität den Aufwand der Studenten mit Leistungspunkten honoriert, Huckle war als Dozentin von der Uni gebucht. Nun aber sehe die Uni in den Musical-Proben keine wissenschaftliche Arbeit mehr. "Die Studenten wälzen hier zwar keine Fachbücher, aber darum sollte es an der Uni auch nicht ausschließlich gehen. Es ist sinnvoll, dass man andere Bereiche kennenlernt, sich dafür engagiert und dafür belohnt wird", sagt Huckle. Zum ersten Mal muss die musikalische Leiterin für das Studimusical nun also keine Noten vergeben. Wenn sie es doch tun müsste, würde sie das diesjährige Ensemble mit der Note 1,3 bewerten. "Schauspiel und Gesang hätten eine glatte 1 verdient. Allerdings ist es ein bisschen anstrengend, die Konzentration bei den Studenten aufrecht zu erhalten", verrät die 30-Jährige.

Komplimente für die Studenten als Darsteller

Das Casting für "The Addams Family" fand im vergangenen November statt, im Januar begannen die musikalischen Proben. Seit Anfang März werden die einzelnen Szenen im Theater Lüneburg geprobt. "Das größte Kompliment ist es, wenn die Zuschauer am Ende rausgehen und sagen, man hätte nicht gemerkt, dass die Darsteller Studenten sind", sagt Huckle. Diese Rückmeldung habe sie in den vergangenen Jahren immer wieder bekommen.

Nach dem Musical ist vor dem Musical

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Gutes Team: Regisseur Oliver Paul und die musikalische Leiterin Svenja Huckle.

Die Studenten investieren viel Zeit in ihre Musical-Erfahrung. "Das Studium muss schon ein kleines bisschen leiden, eine Klausur musste ich verschieben", erzählt Hannah Keimling, die die Rolle der Mutter Morticia verkörpert. Momentan stecken die Studenten voll in den Endproben für die Premiere am 23. April. Der Gedanke daran, dass die Musical-Zeit mit der "Addams Family" in wenigen Wochen der Vergangenheit angehören wird, ist der Studentin Keimling noch fern. "Ich glaube, dann sind wir zwei Wochen richtig traurig und warten schon sehnsüchtig auf das nächste Musical", sagt sie. Sie werde wieder zum Casting gehen, auch wenn sie dann eigentlich mit dem Studium fertig ist. "Wenn ich nochmal eine Rolle kriege, dann würde ich wohl auch extra dafür ein Semester länger an der Leuphana Universität studieren", so die 21-Jährige.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 20.04.2017 | 17:00 Uhr

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