Stand: 10.10.2016 13:40 Uhr

"Rigoletto" in Kiel - stark und berührend

von Sabine Lange

"Rigoletto" vervollständigt auf der Kieler Opernbühne nach "La Traviata" (2012) und "Der Troubadour" (2013) das Dreigespann von Opern, das Verdis Weltruhm als Opernkomponist begründete. Am Wochenende war Premiere.

Ein Welt gerät aus den Fugen 

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Amartuvshin Enkhbat als Rigoletto (links), Hye Jung Lee als seine Tochter Gilda (Mitte) und Yoonki Baek als Herzog von Mantua in der Inszenierung von Verdis "Rigoletto" an der Oper Kiel.

So erfrischend, kindlich und berührend erlebt man Gilda selten. Wie sie verspielt auf die Schultern ihres Vaters Rigoletto klettert, wie sie mit ihm herumtollt - was für ein liebenswürdiges und lebenshungriges Mädchen!

Kein Wunder, dass ihre Welt aus den Fugen gerät, als sie nachts entführt wird und im Palast des Herzogs von Mantua von diesem Weiberhelden viel zu früh und unfreiwillig in die Geheimnisse des Sexuellen eingeweiht wird. Ihre Seele verkraftet es nicht - sie gibt ihr Leben für diesen vermeintlichen Mann ihrer Träume.

Das Weibliche als Projektionsfläche

Der Italiener Fabio Ceresa präsentiert nun seine erste Inszenierung in Deutschland. Der im Frühjahr in London mit dem International Opera Ward 2016 Ausgezeichnete ("Bester Nachwuchsregisseur") setzt auf schlichte, aber sehr wirkungsvolle Bilder - und zeigt auffallend viel Mitgefühl mit den Frauen! Rigoletto will um jeden Preis seine minderjährige Tochter Gilda vor der bösen, skrupellosen Hofgesellschaft Mantuas schützen. Doch die obsessive Art, in der es das tut, stellt ihn - laut Ceresa - auf eine Stufe mit seinem verhassten Arbeitgeber: Der berüchtigte Weiberheld, der mächtige Herzog von Mantua, verfügt über Frauen wie über Besitz, und Rigoletto tut das auf seine Weise. Das Weibliche ist Objekt, Projektionsfläche, im Palast wie in der Hütte.

Fabio Ceresa wählt als Symbol für dieses Besitzdenken große Schatztruhen. Eine davon schleppt Rigoletto immer mit sich herum. In einer solchen Schatztruhe entführen die Höflinge seine Tochter Gilda, später wird sie tödlich verletzt in eine solche Schatztruhe zum Sterben gelegt.

Bewegende Darstellung

Das sind starke Bilder, die sehr berühren, auch, wenn sich einzelne Hofdamen plötzlich still mit Gilda zu identifizieren scheinen. Sie zeigen Mitleid. Ansätze von Frauensolidarität in einer männerdominierten Welt. Fabio Ceresa lässt Rigoletto nicht mit seinem Lamento durchkommen, die Welt sei ihm so viel schuldig, sie allein habe ihn zu dem gemacht, was er sei. Er selbst ist schuldig, er selbst gibt den Mord in Auftrag, dem seine Tochter zum Opfer fällt.

Die koreanische Sopranistin Hye Jung Lee, seit vergangener Spielzeit Mitglied im Ensemble der Oper Kiel, begeisterte das Premierenpublikum mit ihrer authentischen, glaubwürdigen Art der Darstellung und ihrer herausragenden Stimme. Nach dem anrührenden Schlussduett mit ihrem Vater, dem mongolischen Bariton Amartuvshin Enkhbat, der gestern in Kiel debütierte, kannte das Publikum kein Halten mehr: einhelliger Jubel für die beiden, aber auch für das Ensemble, den Chor und das Orchester der Oper Kiel unter Leitung des Generalmusikdirektors Georg Fritzsch.

"Rigoletto" in Kiel - stark und berührend

"Rigoletto" ist eine der Opern, die Verdis Weltruhm als Opernkomponist begründeten. Der Italiener Ceresa führt Regie bei der Aufführung in Kiel. Es ist seine erste Inszenierung in Deutschland.

Art:
Bühne
Datum:
Ort:
Opernhaus Kiel
Rathausplatz 4
24103  Kiel
Telefon:
(0431) 901-2879 (Kartentelefon)
Preis:
zwischen 8,50 und 54,40 Euro
Kartenverkauf:
Theaterkassen
Rathausplatz 4 und Holtenauer Straße 103

Abendkasse
Eine Stunde vor Beginn der Vorstellung.

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weitere Informationen auf der Webseite des Theaters
Hinweis:
Giuseppe Verdi: "Rigoletto"
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung: Georg Fritzsch
Regie: Fabio Ceresa

mit
Yoonki Baek als Herzog von Mantua; Amartuvshin Enkhbat als sein Hofnarr Rigoletto; Hye Jung Lee als Gilda und anderen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 10.10.2016 | 19:40 Uhr

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