Stand: 19.02.2016 16:40 Uhr

Pavol Breslik: Mit einem Steak an die Kronjuwelen

von Daniel Kaiser

Der 36-jährige slowakische Tenor Pavol Breslik hat schon auf den ganz großen Bühnen gesungen und mit weltbekannten Dirigenten zusammen gearbeitet. Jetzt ist er zum ersten Mal in Hamburg: Am Wochenende singt er, begleitet von den Hamburger Symphonikern, in der Hamburger Laeiszhalle Lieder von Richard Strauss.

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Der slowakische Sänger Pavol Breslik singt 2013 im Festspielhaus Baden-Baden in der "Zauberflöte".

Diese Lieder sind nicht irgendwelche Musik. Pavol Breslik weiß: Dies ist die Champions League der Klassik-Welt. "Das sind die Kronjuwelen!", sagt er und nickt ehrfürchtig. Der blonde Mittdreißiger mit den weichen Gesichtszügen ist die perfekte Besetzung für einen jugendlichen Liebhaber auf der Opernbühne. Von den Strauss-Liedern träumt er, seit er sie am Beginn seiner Karriere Fritz Wunderlich einmal hat singen hören. Vor allem die ganz großen Namen haben sich immer wieder an diese Stücke getraut. Er ahnt: Die Erwartungen des Publikums sind hoch. "Daran will ich aber gar nicht denken, sonst würde ich gar nicht auf die Bühne gehen. Diese Lieder haben sonst wirklich die Titanen der Musik gesungen. Das muss ich ausblenden, sonst würde ich mir in die Hose machen", lacht Breslik.

"Turandot" als Erweckungserlebnis

Pavol Breslik wurde 1979 in Bratislava geboren.

Mit seinem lyrischen Tenor ist er ein gefragter Sänger. Er war schon Ensemblemitglied der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, singt jetzt am Opernhaus in Zürich und hat auch schon die MET in New York beschallt. Es ist eine erstaunliche Karriere, die nicht unbedingt vorgezeichnet war. "Meine Mutter ist Schneiderin und mein Vater war Polizist, aber wir haben zu Hause immer gesungen, bei Beerdigungen und Hochzeiten. Seit ich denken kann, wurde immer gesungen." Als Jugendlicher lieh er sich in der Bibliothek von Bratislava einmal eine Platte aus. Es war Turandot von Puccini - die legendäre Aufnahme mit Luciano Pavarotti und Montserrat Caballe. "Ich war völlig ahnungslos und dachte, 'Turandot' sei eine neue Band oder so. Ich war damals zwölf und wollte eigentlich Michael Jackson oder Madonna hören. Ich legte die Platte auf und das war der Hammer. Ich habe mit allen mitgesungen!"

Hand in Hand mit der Gruberova

Am Anfang der Gesangskarriere standen aber noch Bedenken der Eltern. Bresliks Vater glaubte nicht, dass man mit Gesang wirklich Geld verdienen kann. "Jahre später habe ich ihn einmal nach Rom eingeladen, als ich dort mal gesungen habe. Dann hat er begriffen: Man kann auch ein bisschen Geld verdienen", schmunzelt Breslik. Vor elf Jahren wählte ihn die Fachzeitschrift 'Opernwelt' zum "Nachwuchssänger des Jahres". Plötzlich standen viele Türen weit offen. Schon bald sah sich Breslik Hand in Hand mit der Opern-Diva Edita Gruberova in "Lucrezia Borgia" auf der Bühne stehen. "Ich erinnere mich noch genau, wie ich bei der Premiere dachte 'Mein Gott! Ich stehe hier. Und die Gruberova neben mir - das ist schon unglaublich!'"

Proteine für Strauss

Der charmante Slowake mit dem sympathischen Akzent steht gern auf der Bühne. Immer wieder zieht es ihn aber zum Kunstlied. Gerade hat er eine CD mit Schuberts "Schöner Müllerin" herausgebracht. "Beim Lied springt der Funke unmittelbar auf das Publikum über. Es ist viel intimer - sogar in den Orchesterversionen." Ganz wichtig: Vor Aufführungen und Konzerten wird bei Pavol Breslik immer gut gegessen. Auch vor Strauss am Sonntag landet wahrscheinlich ein Steak auf seinem Teller. "Für diese Lieder braucht man Stütze - da darf der Magen nicht leer sein!"

Konzert

Hamburger Symphoniker
6. Symphoniekonzert: "Ich trage meine Minne"

Sonntag, 19.00 Uhr/Laeiszhalle Hamburg Großer Saal

Hamburger Symphoniker
Pavol Breslik, Tenor
Dirigent: Jeffrey Tate

Ein Dirigent hebt den Taktstock vor dem Hamburger  Symphonieorchester. © Hamburger Symphoniker Fotograf: Hamburger Symphoniker

Pavol Breslik singt mit den Hamburger Symphonikern

NDR 90,3 -

Der slowakische Tenor ist international gefragt. Am Sonntag singt er zum ersten Mal mit den Hamburger Symphonikern in der Laeiszhalle Lieder von Richard Strauss.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 18.02.2016 | 19:03 Uhr