Stand: 02.10.2016 13:39 Uhr

Jazz trifft Klassik: Zwei Welten werden eins

von Amrei Flechsig

Wer die Jugendlichen gemeinsam spielen sieht, kann sich kaum vorstellen, dass sie noch vor Kurzem in getrennten Welten gelebt haben: Für das Projekt "Two Tribes. One Spirit" des Landesmusikrats Niedersachsen hat sich das Landesjugendjazzorchester "Wind Machine" mit einem klassischen Streichorchester zusammengetan. Auf beiden Seiten Jugendliche, die sich nun als ebenbürtige Partner musikalisch die "Bälle zuwerfen" - und gemeinsam einen einzigartigen neuen Klangkörper bilden. Eigens für diese Begegnung von Jazz und Klassik haben die renommierten Jazzkomponisten Sebastian Aaron Sternal, ECHO-Gewinner aus Köln, und Jörg Achim Keller, ehemaliger Chefdirigent der NDR Bigband, zwei neue Werke geschrieben, die am Donnerstag in Uelzen uraufgeführt wurden.

Konzerte am langen Wochenende

Am Sonntag spielt "Two Tribes.One Spirit" in der Bremer Glocke und am Montag in Bielefeld in der Rudolf-Oelker-Halle. Bereits am Freitag war das Projekt in Leer im Theater an der Blinke zu hören und am Sonnabend in der Osnabrücker Angelaschule. Termine für Januar und Februar sind noch in Planung. Was dann folgt, ist offen - die Organisatoren hoffen auf neue Auftrittsmöglichkeiten, auch nachdem die Förderung des Projekts ausgelaufen ist.

Entflammt für die Verbindung von Jazz und Klassik

Hervorgegangen ist das Projekt aus einer Idee des NDR Radiophilharmonie-Cellisten Oliver Mascarenhas. In seiner eigenen Begeisterung für Jazz war Mascarenhas daran interessiert, klassischen Musikern den Einstieg in die Jazzmusik zu erleichtern, gleichzeitig träumte er von einer neuen Komposition für Cello und Bigband, die beide Musikbereiche verbinden sollte. Schon vor einigen Jahren hatten Johannes Klose, Referent des Landesmusikrats, und Mascarenhas sich kennengelernt: "Er war schon vor Jahrzehnten süchtig nach Jazz-Workshops", erzählt Klose, "er ist einfach so authentisch entflammt für dieses Crossover, dass wir gesagt haben, den müssen wir unterstützen." Die Bläser von "Wind Machine" erschienen ideal für das Projekt, da sie sowieso häufig akustisch und mit einem sinfonischen Konzept spielen. Das Gegenüber, ein Jugendstreichorchester, ist für das Projekt mit jungen Musikern aus ganz Niedersachsen neu zusammengestellt worden.

Intensive Arbeitsphase in Rheinsberg

Beeindruckende neue Werke

Für die Komponisten war die Ausgangsidee ebenfalls sehr inspirierend: Sie hatten die Anforderungen sowohl der Jugendlichen als auch der Solisten vor Augen, aber auch das Motto "Two Tribes. One Spirit", die Idee der Begegnung der zwei Musikrichtungen und ihrer Verbindung. Jörg Achim Keller meinte im Anschluss sogar, dass seine Komposition etwas geworden sei, was er seit Jahrzehnten nicht geschrieben habe und was ihn persönlich unglaublich weiterbringe. Als die neuen Werke eintrafen, war Oliver Mascarenhas begeistert: "Meine Vorstellungen sind von den Kompositionen noch einmal um ein Vielfaches übertroffen worden: Man wird technisch wie musikalisch sehr herausgefordert, es wurden teilweise komplett neue Spieltechniken mit eingeflochten." Außerdem bekommen die klassischen Solisten reichlich Möglichkeit zum Improvisieren.

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Die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Pianistin Ragna Schirmer hat an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover studiert.

Die Solisten, das sind Mascarenhas selbst und die renommierte Pianistin und gebürtige Hildesheimerin Ragna Schirmer, die sich derzeit in der Händelstadt Halle gezielt für die Nachwuchsförderung einsetzt. Für sie ist entscheidend, "dass junge Leute auch mit erfahrenen Profis zusammenarbeiten. Wer da wem auf die Finger schaut, ist gar nicht so wichtig, sondern dass man voneinander lernt. Man sollte sich gegenseitig inspirieren."

Neuland erobern

Einfach war die erste Arbeitswoche allerdings nicht: Nicht nur für die Jugendlichen, auch für die Kollegen der NDR Radiophilharmonie, die als Dozenten und Stimmführer mitwirken, ist das Programm eine Herausforderung. Allein die Begegnung mit dem Jazz hat es offenbar in sich: So hatte die Konzertmeisterin Sophie Pantzier, Geigerin der NDR Radiophilharmonie, vorher nie etwas mit Jazz zu tun gehabt. Es galt Neuland zu erobern. "Ich habe Buchstaben in meinen Noten und kann damit nicht viel anfangen, weil wir das aus dem Klassikbereich nicht gewohnt sind", lacht sie. Mit der Geigen-Gruppe hat sie intensiv gearbeitet und sie mit Klatschen, Singen, Aufteilen der Stimmen "gequält", um Sicherheit mit der ungewohnten Musik zu vermitteln. Und von seinen ersten Tagen mit der Cello-Gruppe erzählt Mascarenhas: "Da musste man knallhart die Rhythmen einpauken, die jungen Leute brauchten erst einmal Zeit, auch wenn sie es nachher perfekt gespielt haben."

Die Konzerttermine

29. September 2016
Uelzen, Theater an der Ilmenau

30. September 2016

Leer, Theater an der Blinke

1. Oktober 2016
Osnabrück, Angelaschule

2. Oktober 2016
Bremen, Die Glocke

3. Oktober 2016
Bielefeld, Rudolf-Oetker-Halle

Weitere Termine in Planung

Zuhause in beiden Welten

Die Jazz-Trompeterin Marieke Ziesmann kennt beide Welten: Sie ist Trompeterin in "Wind Machine", spielt aber auch Geige und ist daher mit der klassischen Spielweise ebenso vertraut. "Jazz hat mehr mit Rhythmik und Harmonien zu tun, Klassik mit Linien und Klangvorstellungen. Das zu vereinen ist gar nicht so einfach", erklärt sie die Unterschiede. Für klassische Musiker sei vor allem der Zugang zum Improvisieren schwierig, aber "wenn man es oft genug spielt, findet man sich in die Rhythmen einfach ein", so Marieke Ziesmann.

Musikalischer Dialog und wilde Klangentfaltung

Groß ist der Enthusiasmus bei allen Mitwirkenden, als schließlich alle Stimmen in der Gesamtprobe zusammenfinden. Dirigent Bernhard Mergner achtet auf die ausgewogene Verschmelzung beider Gruppen. Die Musik ist sehr abwechslungsreich, manchmal klingt sie fast filmisch: In Kellers Concerto grosso ist mal ein Satz mehr vom Jazz, mal ein Satz mehr von Klassik inspiriert. Neben einer starken musikalischen Farbigkeit ist das Miteinander der Musiker beeindruckend: "Zwei Solisten kommunizieren mit zwei Orchestern, mal gemeinsam, mal im Dialog und mal streitet man miteinander", beschreibt Ragna Schirmer. Und Sternals "The Cello Theory" bietet dem Solo-Cello alle Möglichkeiten wilder Klangentfaltung.

Jazz trifft Klassik: Zwei Welten werden eins

Zwei unterschiedliche musikalische Welten werden beim Jugend-Projekt "Two Tribes. One Spirit" zu einer Einheit. Der einzigartige neue Klangkörper ist am Sonntag in Bremen zu hören.

Art:
Konzert
Datum:
Ort:
Theater an der Ilmenau
Greyerstraße 1-3
29525  Uelzen
Kartenverkauf:
Stadt- und Touristinformation
Herzogenplatz 2
29525 Uelzen
Tel. 0581/800-6172
eMail: tourismusinfo@stadt.uelzen.de

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag: 9:00-18:00 Uhr
Freitag und Samstag: 9:00-13:00 Uhr.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 10.10.2016 | 10:12 Uhr

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