Stand: 10.06.2015 15:40 Uhr

Trauer um James Last

Der Bandleader James Last ist tot. Der in Bremen geborene Musiker starb am Dienstag mit 86 Jahren im US-Bundesstaat Florida, wie sein langjähriger Konzertveranstalter Semmel Concerts am Mittwoch mitteilte. Last sei im Beisein seiner Familie nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.

Last war als Erfinder des "Happy Party Sound" der erfolgreichste deutsche Bandleader nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit seiner lässigen Art und den Pop-Klängen im Big-Band-Format traf er den Nerv der Nachkriegsgeneration.

James Last

James Last im Alter von 86 Jahren gestorben

Hamburg Journal -

Er war Deutschlands erfolgreichster Musiker, verkaufte Millionen Platten und brachte die Kellerbars zum Beben: James Last. Nun ist er im Alter von 86 Jahren gestorben.

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Am 17. April 1929 als Hans Last im Stadtteil Sebaldsbrück in Bremen geboren, wächst er mit fünf Geschwistern auf. Vater Louis Last arbeitet bei den Stadtwerken als Gasableser, abends macht er Musik in Bremer Klubs. Zwei seiner Brüder sind ebenfalls musikalisch, Robert spielt Schlagzeug und Werner Posaune. "Unser Zuhause war die reinste Musikschule, ich brauchte sozusagen nur mehr die Noten zusammenzukehren", schreibt Last in seiner Autobiografie. Weil während des Krieges nur noch eine Ausbildung beim Militär möglich ist, lernt Last an den Heeresmusikschulen in Frankfurt am Main und Bückeburg zunächst Fagott, später Kontrabass und Tuba.

Erstes Engagement bei Radio Bremen

Als er nach Bremen zurückkehrt, kommt er als Bassist im Tanzorchester beim neugegründeten Radio Bremen unter - so steht er bereits als 17-Jähriger auf der Bühne. Neben Tanzmusik spielte auch Jazz eine große Rolle im Leben des Vollblut-Musikers, der schon 1950 als bester Jazzbassist des Jahres ausgezeichnet wurde. Auf dem ersten deutschen Jazzfestival in Frankfurt im Jahr 1953 brillierte er mit den "German All Stars", zu denen auch Paul Kuhn und Max Greger gehörten.

1955 wechselte Last zum Tanzorchester des damaligen NWDR nach Hamburg und arrangierte Songs für Freddy Quinn, Caterina Valente und Helmut Zacharias.

Stimmen zum Tod von James Last

  • Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen:

    "Er hat sich als Botschafter Bremens um das Ansehen der Hansestadt in der Welt verdient gemacht. Wir sind tief getroffen von seinem Tod."

  • Lasts Plattenfirma Universal Music:

    "Trotz des überragenden Erfolgs blieb er stets durch und durch Hanseat: niemals abgehoben, sondern immer authentisch, warmherzig, bescheiden und von einer Großzügigkeit geprägt, die nur wenige Menschen auszeichnet."

  • Trompeter und Arrangeur Till Brönner:

    "Als Jazzkünstler verliere ich mit 'Hansi' ein großes Idol und Vorbild."

  • Bandleader Hugo Strasser im Hessischen Rundfunk:

    "Ein großer Verlust. Der Hansi war ein echter Kollege. Bei ihm gab es keinen Neid oder Missgunst, er hat alles positiv gesehen. Er war immer ein feiner und liebenswerter, fabelhafter Kollege."

  • Schauspieler Til Schweiger auf Facebook:

    "James Last ist tot. Mein Gott, was war das für ein toller Mann!!! Ich bin traurig."

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Ketzer: "Das war einfach Musik von James Last"

10.06.2015 16:55 Uhr
NDR Info

Der Jazz-Schlagzeuger Willy Ketzer kannte James Last gut. Im NDR Info Interview erzählt er von seinen Begegnungen mit dem im Alter von 86 Jahren verstorbenen Bandleader. Audio (03:57 min)

Ein Sound erobert die Welt

Seine großen Erfolge fuhr James Last dann ab Mitte der 60er-Jahre für das Plattenlabel Polydor ein. Mit seinem großen Orchester, in dem eine Vielzahl an Streichern und Bläsern den typischen James-Last-Sound ausmachten, begann er seinen musikalischen Siegeszug um die ganze Welt. Als Mann im weißen Anzug, der lässig dirigierend vor seinem Orchester stand, begeisterte er mit seinen Arrangements aus Schlager und Popmusik aber auch immer wieder das deutsche TV-Publikum.

Kritiker schmähten zwar die immer gleichen Zutaten, Fans und Freunde kümmerte das jedoch nicht. Last wurde geliebt wie ein Freund, der immer wieder mit neuen Ideen vorbeikommt. Als Bandleader, Komponist, Arrangeur und Produzent verkaufte er mehr als 80 Millionen Tonträger; 208 Goldene Schallplatten krönten seinen Erfolg. Der Mann der "Superlative" trat 87 Mal in der Royal Albert Hall in London auf - so oft wie kein anderer vor ihm. Für seinen weltweiten Erfolg bekam der Bremer Jung unzählige Auszeichnungen - über die "Platine Stimmgabel" und den "Echo für sein Lebenswerk" bis zum Bundesverdienstkreuz. 2012 wird Last als "Musiklegende mit Kultstatus" mit dem Musikautorenpreis für sein Lebenswerk geehrt.

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"Es war eine rührende Begegnung mit James Last"

Am Dienstag starb der Bandleader James Last. NDR Info Redakteur Ocke Bandixen hat ihn wenige Wochen vor seinem Tod getroffen. Im Gespräch schildert er seine persönlichen Erinnerungen. mehr

"Hamburg ist meine Heimat"

Für seine Fans blieb James Last immer der "Hansi". Er selbst wäre wohl nie auf die Idee gekommen, seinen Namen zu ändern. Schließlich war es seine Plattenfirma Polydor, die einst aus dem blonden Hans einen James machte. Aber Last gab zu, dass die englische Version seines Vornamens durchaus funktioniert hat. Auch seiner norddeutschen Heimat blieb der Musiker irgendwie treu: James Last lebte mit seiner zweiten Frau Christine zwar überwiegend in Florida, kaufte sich aber einen Zweitwohnsitz in Hamburg-Poppenbüttel. "Hamburg ist meine Heimat", bekannte er.

In den 90er-Jahren wurde James Last auch für die Generation HipHop interessant, die Elemente seiner Musik sampelte. Noch mit über 80 stand er auf der Bühne. Nach einer schweren Krankheit im letzten Jahr plante er kürzer zu treten. Im Februar 2015 kündigte er schließlich seinen Abschied von der Bühne an.

Die Seele der Musik

James Last vertrat die Auffassung, dass Musikstücke eine Seele haben. In einem Interview 2009 mit dem NDR fragte ihn der Moderator, als welcher Song er wiedergeboren werden wollte. Last antwortete:" Ich finde, 'Heal The World' von Michael Jackson und 'Freude schöner Götterfunken' sind sehr miteinander verwandt. Mit der Ausnahme, dass Michael Jackson einfach viel mehr Gefühl hat. Wenn ich als 'Heal The World' wiederkomme, wäre das nicht schlecht."

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James Last - Musik war seine Welt

Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 10.06.2015 | 15:15 Uhr

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