Stand: 13.01.2016 16:48 Uhr

Himmlischer Klang: Harfe ist Instrument des Jahres

von Benedikt Stubendorff

Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) wirkt deutlich nervös, als er im Plenarsaal die Stufen runtergeht. "Mach's bloß nicht kaputt, würde mein alter Musiklehrer sagen", schmunzelt der Politiker. Für ihn steht eine Musikstunde mit Professorin Gesine Dreyer auf dem Plan. Die Lübecker Harfenistin ist in diesem Jahr Schirmherrin des "Instrument des Jahres" des Landesmusikrats Schleswig-Holstein. Sie wartet in der Mitte des Saales mit zwei Instrumenten auf den Landtagspräsidenten: Eine große, mit goldfarbenen Ornamenten verzierte Konzertharfe für sich und eine deutlich kleinere für das politische Schwergewicht. "Ich konnte mich gar nicht vorbereiten. Ich liebe Musik, kann aber noch nicht mal richtig Noten lesen", rechtfertigt sich der 61-jährige schon bevor er überhaupt angefangen hat.

Nach der Bratsche, der Gitarre und dem Horn kommt die Harfe

Aber es ist Tradition, dass sich der Landtagspräsident publikumswirksam am jeweiligen Instrument des Jahres versucht. In den vergangenen Jahren hat Klaus Schlie schon ins Horn stoßen müssen, auf einer Bratsche gequietscht und sich an der Gitarre versucht. In diesem Jahr ist es eben die Harfe. "Sie müssen sich hinter das Instrument setzen, damit sie mit den Händen links und rechts an die Saiten kommen", gibt Gesine Dreyer erste Anweisungen. "Und jetzt zupfen Sie erst die rote und dann die blaue Saite". Zaghaft macht der gestandene Mann das, was ihm gesagt wird. Zum ersten Mal in seinem Leben hat er eine Harfe in den Händen.

Im Himmel spielen die Engel und im Landtag Klaus Schlie

"Kein Instrument klingt so himmlisch wie die Harfe - nicht umsonst verbindet sich das Bild einer Harfe unmittelbar mit dem eines Harfe spielenden Engels", so die Begründung des Landesmusikrates zur Wahl der Harfe zum Instrument des Jahres 2016. Wie ein Engel sieht Klaus Schlie an seinem Instrument allerdings nicht aus und von "himmlisch" sind die Klänge, die er diesem entlockt, auch noch ein gutes Stück entfernt. Immerhin sind aber schon Töne zu hören. Das war im vergangenen Jahr bei seinen Versuchen am Horn anders.

Zum Troubadour reicht es noch nicht

Die Harfe ist bereits das neunte "Instrument des Jahres". NDR 1 Welle Nord und Schleswig-Holstein Magazin sind Medienpartner der Aktion des Landesmusikrats Schleswig-Holstein. Ziel ist es, das jeweilige Instrument und seine Musik bekannter zu machen. In diesem Jahr dreht sich also alles um die Harfe. Viele Konzerte sollen das ganze Jahr über die Werbetrommel für eines der ältesten Instrumente der Welt rühren. Schon vor 5.000 Jahren haben ägyptische Jünglinge an diesem Instrument gezupft. Jetzt ist es Schleswig-Holsteins Landtagspräsident. "Das klingt doch schon ganz ordentlich", macht Gesine Dreyer Mut. "Aber um meiner Frau heute Abend ein Minnelied zu spielen, reicht es noch nicht", schätzt Klaus Schlie seine eigene Leistung trocken ein. "Da muss ich noch mehr lernen, als diese zwei Töne hier".

Das Instrument des Jahres 2016

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 13.01.2016 | 20:05 Uhr