Stand: 17.03.2016 16:21 Uhr

Hamburgs Komponisten-WG bekommt Zuwachs

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In den Räumen des KomponistenQuartiers werden auch die Instrumente berühmter Musiker gezeigt, die in Hamburg wirkten.

Das KomponistenQuartier in der Hamburger Neustadt wächst weiter. Zu den Museen über bekannte Musiker, die in Hamburg geboren wurden oder hier wirkten, kommen zwei neue hinzu: eines über Gustav Mahler und eines über die Geschwister Fanny und Felix Mendelssohn. Im Juli beginnen die Bauarbeiten. Schon für Frühjahr 2017 ist die Eröffnung geplant. NDR 90,3 sprach mit Ingeborg Steifensand, der Vizepräsidentin der Hamburger Gustav Mahler Vereinigung und  Vorstandsmitglied beim KomponistenQuartier.

Gustav Mahler war von 1891-1897 in Hamburg. Was wird im neuen Museum davon zu sehen sein?

Ingeborg Steifensand: Wie werden versuchen, die Kern-Essenzen von Mahlers Hamburger Zeit auf wenigen Quadratmetern abzubilden. Das ist dann die große Kunst. Wir wollen ihn zum einen im Rahmen seines Hamburger Kulturnetzwerkes darstellen. Er war zwar kein besonders kommunikativer Mensch, wurde aber als Generalmusikdirektor von den Salons der Stadt vereinnahmt. Wir wollen ihn dann in einem zweiten Schritt als Arbeitstier zeigen. Er saß sozusagen immer vorne auf der Stuhlkante, war also ein ganz dynamischer Mensch. Schließlich wollen wir ihn auf seinem Weg nach Wien darstellen. Wir erzählen beispielsweise, wie er sich im katholischen Kleinen Michel hat taufen lassen, denn das war die Vorbedingung, um den Posten in Wien zu bekommen.

Die Pläne für das Museum liegen schon lange in der Schublade. Es gab ja auch mal die Überlegung, ein eigenes Mahler-Museum in seinem Hamburger Wohnhaus in der Bundesstraße 10 zu eröffnen. Was hat jetzt den Ausschlag für das KomponistenQuartier gegeben?

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Gustav Mahler war von 1891 bis 1897 erster Kapellmeister am Stadt-Theater Hamburg.

Steifensand: Sie müssen bedenken: Die Bundesstraße 10 ist ein Mehrfamilienhaus. Das heißt, da muss man viele Stufen hoch, das ist im dritten Stock, dann sind da noch ungeklärte Eigentumsverhältnisse und so weiter. Diese Idee war von Anfang an - ehrlich gesagt - eine Totgeburt. Als die Carl-Toepfer Stiftung dann mit den Plänen für das Komponisten-Quartier auf uns zukam und uns bat, mit einer Mahler-Ausstellung den Weg der Hamburger Musik in die Moderne zu zeigen, haben wir den Gründer unserer Gesellschaft, Georg Borchardt, überzeugt, auf die Idee eines eigenen Museums in der Bundesstraße zu verzichten.

Ein echter Coup ist Ihnen gelungen, indem Thomas Hampson, der weltbekannte Bariton und Mahler-Experte, die Patenschaft für das geplante Museum übernimmt. Wie haben Sie das geschafft?

Steifensand: Wir wollten schon früh unser noch fiktives Museum mit großen Namen schmücken. Deshalb haben wir Hampson schon im Herbst 2014 einen Brief geschrieben. Da hatten wir noch nicht mal ein Konzept. Und er antwortete aus San Francisco, dass er sich sehr geehrt fühle, diese Patenschaft zu übernehmen. Am Freitag besucht er nun das KomponistenQuartier und erklärt in einem Künstlergespräch seine musikalische Beziehung zu Gustav Mahler.

Felix und Fanny Mendelssohn wurden gegenüber vom Michel geboren - eine Gedenkplatte erinnert dort an die beiden. Was will das KomponistenQuartier von den Geschwistern erzählen?

Steifensand: Die beiden haben ja nicht sehr lange in Hamburg gelebt. Die Ausstellung wird vor allem den familiären Aspekt zeigen und den jüdischen Hintergrund der Familie erläutern.

Viele Musikfreunde aus dem Ausland freuen sich immer besonders über authentische Ausstellungsstücke. Wie viel Originales wird es in den neuen Museen geben?

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Gustav Mahler mit Töchterchen Anna im Sommerurlaub in Tirol.

Steifensand: Wir versuchen, Partituren mit Original-Anmerkungen von Gustav Mahler auszustellen, möglicherweise zeigen wir auch einen Taktstock von ihm. Außerdem bemühen wir uns um den Nachbau eines Komponierhäuschens. Mahler hat in solch einer kleinen Hütte in der Abgeschiedenheit der Alpen in den Sommermonaten gesessen und seine Sinfonien geschrieben. Das war für ihn ein heiliger Ort, den nur auserwählte Menschen betreten durften - manchmal nicht einmal seine Frau Alma.

Das KomponistenQuartier zeigt bislang Ausstellungen zu Georg Philipp Telemann, zu seinem Nachfolger CPE Bach und zum Bergedorfer Opernkomponisten Johann Adolf Hasse. Wie viele Besucher hatten Sie seit der Eröffnung im vergangenen Jahr?

Steifensand: Bis zum Jahresende waren es etwa 10.000 Besucher. Damit können wir natürlich noch nicht zufrieden sein. Aber erst einmal muss das KomponistenQuartier komplett fertig werden. Dann können wir uns auch überlegen, wie das Marketing aussehen soll. Es kommen viele Touristen. Wir würden gern noch viel stärker Hamburger ansprechen. Unser Plan ist auch, den Lichtwarksaal auszubauen und als Veranstaltungsort stärker zu nutzen. Die "Komponisten-WG" ist für größere Gruppen dann doch etwas zu klein.

Das Interview führte Daniel Kaiser.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 17.03.2016 | 19:00 Uhr