Stand: 17.07.2017 10:42 Uhr

Punkrock und Publikumsjodeln in der Laeiszhalle

von Kristina Bischoff
Bild vergrößern
Gemeinsam Haltung zeigen: Dafür traten Kabarettist Gerhard Polt und Hosen-Sänger Campino zusammen auf die Bühne - in Hamburg und zuvor schon, wie auf diesem Bild, in München.

Dass Bayern mit Düsseldorfern in Hamburg "ihr Ding" feiern, sei in etwa eine so ungewöhnliche Kombination wie Schweinebraten mit Pommes, Currywurst und Labskaus anzurichten, sinnierte der Tote-Hosen-Sänger Campino im Konzert der aktuellen Tour "Im Auge des Trommelfells". Das gemeinsame Programm der Toten Hosen mit Gerhard Polt und den Well-Brüdern hatte am Sonntag sein Finale in der ausverkauften Laeiszhalle in Hamburg. 

Es ist eine Mischung, die auf den ersten Blick nicht ganz passen will: Kabarett, Volksmusik und Punkrock unplugged. Die Fans wollen sie trotzdem, unvoreingenommen.  

Gemeinsam gegen Atomkraftwerke

Dass es diesen guten Abend überhaupt geben kann, liegt an einem Auftritt vor 30 Jahren in Wackersdorf. Zusammen gegen AKWs mit Haltung und Musik antreten - das wollten sie alle: ob Volksmusiker, Satiriker oder Punk. Wobei fraglich ist, wem heute welche Rolle zufällt. Michael Breitkopf, der Gitarrist der Toten Hosen, erklärt es so: "Die Punks sind mehr die anderen. Auch von ihrer Einstellung. Das geht auch deswegen so gut zusammen. Die Ausdrucksformen sind unterschiedlich - aber die Inhalte ähnlich."

So machen sich die Parteien auf der Bühne breit. Links die Hosen, Sänger Campino meist mittig und rechts die drei Well-Brüder mit vollem Instrumentarium: "A Stubnmusi" habe es zu Hause immer schon gegeben - gegen Knatsch und Krisen bei 15 Geschwistern, sagen sie. Hätten Trump, Putin und Erdogan doch auch Hausmusik gemacht - was wäre einem da erspart geblieben!  

Campino bleibt der Blickfang

Bild vergrößern
Und auch die Well-Brüder waren beim gemeinsamen Konzert dabei - und brachten sogar Campino zum Trompete-Spielen.

Campino liegt dann eher die eigene Mundart, mit hervorragender Technik dargebracht überrascht er als etwas schräger Vogelfänger, lacht sich ins Fäustchen über Schuhplattler, Rap und Bauchtanzeinlagen der Well-Brüder. Und bleibt trotzdem der Blickfang!

So viel Talent kann nicht verborgen bleiben. Kabarettist Gerhard Polt gibt den windigen Künstleragenten, der Nachwuchsmusikern wie den Toten Hosen auf die Sprünge helfen will. Oder Ratschläge beisteuert: Wenn man was werden will, dürfe man nicht anecken oder gar politische Lieder, zum Beispiel gegen die Pegida singen. Das Publikum versteht die Ironie und macht spontan mit - antwortet mit lautstarken "Nazis Raus"-Rufen, was man so sicherlich lange nicht in der Laeiszhalle gehört hat.

Publikumsjodeln und Stadiongesänge

Nach einer kurzen Biervertilgungspause geht es aufgelockert in den zweiten Teil. Die Stimmung angeheizt, wird das Event mehr und mehr zum Stehkonzert, das nach Publikumsjodeln und Stadiongesängen auch Gerhard Polt die Möglichkeit bietet, letztmalig Unerwartetes zu zeigen. Der mischt als Sänger bayerische Harmonien mit afrikanischem Text, ehe er ganz philosophisch den Rausschmeißer macht - und sich mit seinen Kollegen vom Publikum feiern lässt. Was belegt, dass auch der wildeste Mix ein Erfolg werden kann - solange die Zutaten freundlich aufeinander abgestimmt sind.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 17.07.2017 | 06:55 Uhr

Mehr Kultur

09:07

Schauspielerin Sophie Rois (22.03.1996)

23.09.2017 00:30 Uhr
NDR Talk Show
06:43

Schauspieler Dieter Pfaff (25.10.1996)

23.09.2017 00:30 Uhr
NDR Talk Show