Stand: 18.01.2016 19:38 Uhr

Gewöhnliche Gentlemen, ungewöhnliche Musik

von Henning Cordes

Schwarze Musik verbindet man nicht unbedingt mit Norddeutschland. Fünf Ex-, Wahl- und Wurzel-Hamburgern ist das herzlich egal. Die "Liga der gewöhnlichen Gentlemen" steht auf Rhythm and Blues und Soul. Verbunden mit ungehobelten, Mod-inspirierten Gitarren und norddeutscher Schnauze macht sie das zu einer der unverwechselbarsten Bands im Land. Seit Freitag gibt es ein neues Album, ihr drittes: "Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen".

Klare Sache, hier sind Liebhaber am Werk; Musikfans, Nerds geradezu, die es verstehen, ihren Vorbildern kleine Denkmäler zu setzen. Neben den alten Größen aus der Mod-Soul-Ecke arbeiten sich die Gentlemen regelmäßig an sonderbaren Gestalten der Popkultur ab. "Wir haben einen sehr eigenen Kosmos aus Vorlieben", stellt Sänger Carsten Friedrichs fest, "zum Beispiel die Filme von Werner Enke. Ich wollte schon immer mal ein Stück über den schreiben, weil der leider heutzutage nicht so bekannt ist, wie er sein sollte, und die Filme großartig sind."

Typen, Gestalten, vergessene Künstler

Der Schauspieler und Drehbuchautor Werner Enke feierte in den 60er-Jahren Erfolge mit "Zur Sache, Schätzchen" und "Mit Eichenlaub und Feigenblatt". Die Liga hat ihm bereits vor zwei Jahren einen Song gewidmet. Auch auf der neuen Platte setzen sie die Reihe ihrer Hommagen fort. Dieses Mal ist Rolf Wütherich an der Reihe, der Beifahrer bei James Deans Todesfahrt. Sein Leben geriet aus der Spur, nachdem ihn einige Fans des Teen-Idols angefeindet und ihm vereinzelt sogar Morddrohungen geschickt hatten - keine Heldengeschichte, eher der tragische Fall eines Normalos.

"Versuch dich abzuheben"

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Seit dem 15. Januar im Handel: "Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen".

"Als Popband - erste Regel - versuch dich abzuheben. Diese Skurrilitäten und Zitate, das macht im Moment keiner. Also machen wir es gerne", erklärt Carsten Friedrichs das Vorgehen der Band. Das ist mit ein bisschen Augenzwinkern zu verstehen, denn eine tief gehende Strategie scheint hinter der Band nicht zu stecken. Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen hat reinweg Freude an der Musik und macht ihr Ding.

Never change a winning sound

Sound und Ansprache der Gentlemen haben sich in den vergangenen Jahren nicht bedeutend verändert. Auf dem aktuellen Album "Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen" gibt es viel vom Bewährten. Komischerweise legen Kritiker das gern als Fehler aus. "Warum etwas reparieren, was nicht kaputt ist? Ich sehe nicht ein, das zu ändern", sagt Carsten Friedrichs trotzig. "Vielleicht langweilen wir uns bei der nächsten Produktion über unseren Sound, dann machen wir was Neues, aber bis jetzt haben wir Spaß daran."

"Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen" wirkt beizeiten wie ein popkulturelles Kreuzworträtsel. Die Kenner können allerlei Zitate entdecken, kleine Schmankerl für Vinylsammler und Musiker. Allen anderen bleibt ein Album, das eingängig ist, humorvoll und gradlinig.

Neben dem neuen Album der Liga hat Carsten Friedrichs eine Platte mit Mod-Raritäten kompiliert: "Falscher Ort, falsche Zeit" widmet sich deutschsprachigen Mod- und Powerpop-Bands der 80er-Jahre. Beide sind beim Hamburger Label Tapete erschienen.

Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 18.01.2016 | 22:45 Uhr

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