Stand: 16.02.2016 09:20 Uhr

Der Pudel Club: "Schrabbelig, aber mit Stil"

Die Hamburger Clubszene trauert: Der Golden Pudel Club auf St. Pauli ist in der Nacht auf Sonntag abgebrannt, die Polizei geht von schwerer Brandstiftung aus. NDR Info sprach mit Nachtclub-Moderator Jan Möller über die Bedeutung des Clubs für das Hamburger Nachtleben.

Brand zerstört Hamburger Golden Pudel Club

Was macht den Golden Pudel Club so besonders, wofür steht er?

Jan Möller: Ich fange mal an mit dem, wofür er nicht steht: nämlich für das, was man so als Eventkultur bezeichnet. Von allem, was mit Hochglanz und inszeniertem Halligalli zu tun hat, ist der Golden Pudel Club genau das Gegenteil - und zwar allein schon äußerlich. Das ist eine Art Bretterbude, ein ehemaliges Schmugglergefängnis aus dem 19. Jahrhundert, und in diesem alten Häuschen unten am Hafenrand haben DJs und Bands aus aller Welt gespielt. Leute, die abseits des Mainstreams zum Teil auch einen großen Namen haben.

Aber egal wer da aufgetreten ist: Im Pudel ist es fast nie nach "Schema F" gelaufen. Da wurde viel ausprobiert, es gab immer wieder unerwartete, zum Teil auch sehr lustige Momente. Es war alles ziemlich schrabbelig und hatte trotzdem Stil. Dazu war es auch nicht teuer und das Publikum selbst war es eigentlich, das bestimmt hat, wie der Abend so läuft. Also kurz gesagt: Es ist oder war ein Club mit einem sehr eigenwilligen Charme, und genau der hat ihn auch weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt gemacht.

Klingt ein bisschen nach dem legendären Hamburger Club Onkel Pö aus den Siebzigern - kann man das vergleichen?

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Möller: Ja, auf eine Art schon, das hatte ja manchmal auch so etwas Anarchisches und Freigeistiges. Aber es gibt auch einen wichtigen Unterschied: Der Golden Pudel Club wird betrieben von einem Kollektiv um die Musiker Rocko Schamoni und Schorsch Kamerun, und dieses Kollektiv mischt sich auch immer wieder in politische Fragen ein, vor allem in Fragen der Stadtentwicklung. Mit dem Pudel untrennbar verbunden ist zum Beispiel die angrenzende Grünfläche Park Fiction. Das ist ein Kunstprojekt, ein Park, der in den Neunzigern gemeinsam mit Anwohnern errichtet werden konnte, und zwar anstelle von Bürogebäuden, die da eigentlich geplant waren. Es geht also auch darum, nicht-kommerzielle Freiräume zu bewahren. Es geht um eine Haltung, es geht darum, sich einzumischen und sich nicht vereinnahmen zu lassen.

Nun soll das Gebäude in gut zwei Monaten zwangsversteigert werden, nach einem jahrelangen Streit zwischen dem Betreiberkollektiv und dem Miteigentümer Wolf Richter. Da lässt dieser Brand ja Raum für Spekulationen.

Möller: Ja klar, zumal die Unterstützer und Betreiber des Golden Pudel Clubs gerade noch mal angekündigt hatten, künstlerische Aktionen zu starten, damit der Klub, so wie er ist, erhalten bleibt und Investoren, für die diese Toplage mit Elbblick natürlich attraktiv ist, doch lieber die Finger davon lassen. Tja, und gerade dann brennt das Gebäude auf einmal, da kann man sich schon mal wundern. Vom Pudel-Club selbst allerdings will sich niemand an den Spekulationen beteiligen. Da sind einfach nur alle geschockt und müssen jetzt gucken, wie und ob es weitergehen kann.

Ist denn da eine Lösung in Sicht?

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"Im Pudel ist es fast nie nach 'Schema F' gelaufen", sagt NDR Info Nachtclub-Moderator Jan Möller.

Möller: Nein, es ist auch alles noch zu frisch im Moment. Es sind Versicherungsfragen zu klären, es ist unklar, ob das Gebäude überhaupt noch mal nutzbar ist und man muss natürlich die polizeilichen Ermittlungen abwarten. Immerhin: Aus der Hamburger Kulturszene gibt es viel Unterstützung. Ein DJ-Abend ist zum Beispiel gleich sehr spontan in einen anderen Club verlegt worden, so was wird es wohl auch häufiger geben. Aber klar: Der Golden Pudel Club woanders, das wäre nicht mehr derselbe Club - und es sieht fast so aus, als würde Hamburg da wieder einen kulturellen Ort mit Charakter verlieren.

Das Interview führte Carsten Vick, NDR Info.

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NDR Info | 16.02.2016 | 09:56 Uhr