Stand: 22.08.2017 15:31 Uhr

Bodo Wartkes Suche nach dem perfekten Reim

Alle, die tolle deutsche Texte und mitreißende Big-Band-Sounds mögen, haben auch in diesem Jahr wieder Gelegenheit, den Klavierkabarettisten Bodo Wartke beim Schleswig-Holstein Musik Festival zu erleben.

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Bodo Wartke begeistert sein Publikum mit abendfüllenden Programmen.

Kabarettist, Liedermacher, Poet und Theaterregisseur - Bodo Wartke kann viel und macht dabei immer sein ganz eigenes Ding. Was sich jedoch wie ein roter Faden durch sein Repertoire zieht, ist die Liebe zur deutschen Sprache und die ewige Suche nach dem perfekten Reim: "Ich finde Reime ganz wichtig, wenn sie gut sind und auch ästhetisch ansprechend. Wenn es sich wirklich gut reimt und wenn sich vielleicht nicht nur die letzte Silbe reimt, sondern auch die vorletzte und vorvorletzte und vorvorvorletzte. Das ist eine Möglichkeit, Sprache zum Klingen zu bringen", so der Klavierkabarettist.

50 Mark für die erste Varieté-Moderation

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Aufgewachsen ist er in Bad Schwartau. Sein erstes Bühnenprogramm stellt er schon kurz vor dem Abitur auf die Beine. Nach seinem Zivildienst in Lübeck zieht Bodo Wartke dann nach Berlin, fängt ein Physikstudium an und macht seine ersten Gehversuche in der Berliner Kleinkunstszene in der legendären "Scheinbar" in Schöneberg. "Da war ich früher immer und habe meine Kollegen kennengelernt und die haben mich gefragt: 'Heh, hast du Lust, hier in der Varieté-Show mitzumachen. Wir brauchen noch einen Moderator.' Und ich: 'Na, klar!' Und als ich dann meinen Kollegen erklärt habe, dass ich Physik studiere, sagten die: 'Was, wieso das denn? Du bist Künstler!' Und ich sagte: 'Ja, aber davon kann man doch nicht leben' Und sie entgegneten: 'Ja, aber du machst es doch! Du lebst ja davon.' - So war es tatsächlich. Ich habe diese Varieté-Show moderiert, 50 Mark am Abend verdient und konnte davon meine Miete bezahlen", erzählte der Künstler dem NDR in einerm früheren Interview.

Neue Programme zu Hause testen

Seitdem war Bodo Wartke in keiner einzigen Physikvorlesung mehr. Stattdessen ist er in ganz Deutschland unterwegs, sackt einen Kleinkunstpreis nach dem anderen ein und erspielt sich ein immer größeres Publikum. "Man merkt, glaube ich, in allem, was ich da tue, dass ich total in meinem Element bin, also das, was mir eben liegt. Also, die Liebe zur Musik und zur Sprache und die Verbindung von beidem." Woher die Texte und Ideen kämen, das könne er selbst nicht sagen. "Die ereilen mich", sagt Wartke.

Nach Schleswig-Holstein kommt er gerne, um seine Familie zu besuchen und manchmal um seine Shows in einem kleinen intimen Rahmen zu testen.

Mit der Tribüne Noderstedt verbinde ihn auch ein sehr besonderes Ereignis, erzählt Wartke: "Eine Kommilitonin, die auch aus Norderstedt kommt, hat hier 2004 "Orpheus in der Unterwelt" zur Aufführung gebracht. Und zwar mit einem komplett neuen Libretto, das ich geschrieben habe."

"Mir ist Klarheit sehr wichtig. Klarheit und Sorgfalt. Das sucht man ja bei manchen Leuten echt vergeblich. Eine klare Aussage, dass es sich reimt, dass es gut klingt und dass es Sachen auch wirklich auf den Punkt bringt. Ich brauche häufig auch länger als drei Minuten - also das gängige Radioformat - um was auf den Punkt zu bringen. Viele Lieder fangen bei mir bei fünf Minuten an und deswegen findet man Künstler wie mich selben bis gar nicht im Radio."

Ein Künstler ohne Schublade

Bodo Wartke erfindet sich eben immer wieder neu und auch darum lässt er sich in keine Schublade stecken: "Wenn ich Lust habe, ein Theaterstück zu inszenieren, dann mache ich das. Oder, wenn ich Lust habe, mit einem Orchester aufzutreten, dann mache ich eben das.

Das ist für mein Publikum manchmal ein bisschen schwierig, weil die denken: Bodo Wartke - warte - das ist doch dieser lustige Liedersänger am Klavier! Wie, der hat jetzt auch ein Orchester, hä? Wie müssen wir uns das denn vorstellen? Ich kann nur jedem raten: 'Freunde, guckt euch das an. Lasst euch überraschen - auch, wenn man mich schon kennt - das ist wirklich noch mal was anderes'."

Vita von Bodo Wartke (Auszug)

1977
in Hamburg geboren

1988 - 1997
Klavierunterricht bei Georg Pabel

1996
Abitur in Bad Schwartau
Produktion der ersten CD "Bodo live - das Konzert"

1998
Moderation der Wintershow im Chamäleon-Varieté in Berlin
Uraufführung des Programmes "Ich denke, also sing' ich" in Hamburg
Veröffentlichung der zweiten Live-CD

1999
Teilnahme am Kontakt-studiengang Popularmusik an der HfMT Hamburg

2000 - 2005
Musikstudium an der Universität der Künste Berlin

2001
Gastspiel in Hong Kong
● Bundeswettbewerb Gesang, 1. Preis in der Sparte Chanson

2002
Tournee durch Deutschland und die Schweiz

2003
Premiere des neuen Programmes "Achillesverse"

2004
Auszeichnung mit dem Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Chanson
Gastspiel in Südkorea

2006
Premiere des dritten Programms "Noah war ein Archetyp"

2009
Premiere des Solo-Theaters "König Ödipus"

2010
Veröffentlichung der DVD "König Ödipus"

2011
das Hessische Staatstheater Wiesbaden zeigt "König Ödipus" als Ensemble- Fassung
Bodo Wartke schreibt das offizielle Lied für den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag, Dresden

Zu den aktuellen Veröffentlichungen des Künstlers zählt unter anderem der Konzertfilm "Bei dir heute Nacht", der im Februar 2017 das "Prädikat wertvoll" durch die die Deutsche Film- und Medienbewertung erhielt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 22.08.2017 | 20:00 Uhr

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