Stand: 12.02.2016 15:11 Uhr

100 Jahre "Musikausleihe" in Hamburg

von Elisabeth Richter
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Im Gebäude des früheren Postamtes am Hühnerposten befindet sich heute die Zentralbibliothek Hamburgs.

Die Musikbibliothek Hamburg am Hühnerposten beim Hauptbahnhof ist eine der innovativsten in Deutschland. Keine andere hat ein so breites Angebot für ihre Nutzer, mit neuen digitalen Medien und aktiver Einbindung des Publikums. An iPads und Computern kann kostenlos eigene Musik erprobt werden, es gibt "Schnupperkurse" für verschiedene Instrumente und Musiktheorie sowie Konzerte in den unterschiedlichsten Musiksparten.

Tag der offenen Tür am Sonnabend

Das alles neben der sogenannten klassischen Musikalien-Ausleihe, wo in Hamburg ein umfangreicher Bestand an CDs/DVDs/Blu-Rays, Noten, Büchern, Zeitschriften vorhanden ist. Dazu bietet die Musikbibliothek ihren Nutzern kostenlos den Zugang zu Streamingdiensten und vieles mehr. In den vergangenen Monaten wurden die Räumlichkeiten entsprechend den neuen Nutzungsmöglichkeiten umgestaltet. Am Sonnabend ab 11 Uhr wird alles bei einem Tag der offenen Tür dem Publikum präsentiert, zum 100-jährigen Jubiläum.

Erste Musikbibliothek befand sich in St. Georg

Genau genommen wird das Jubiläum nach 100 Jahren und 100 Tagen gefeiert: Im Oktober 1915 befand sich die erste Musikbibliothek in einer Seitenstraße im Stadtteil St. Georg. Bestand damals: 1.500 Titel. Die Musikbibliothekare wollten damals den guten Geschmack bilden, Operetten und populäre Musik waren deshalb nicht erlaubt. Das hat sich mittlerweile grundlegend gewandelt.

Das E-Piano darf jeder nutzen

Nikos Titokis ist Jazz-Musiker und Komponist, aber er hat auch eine halbe Stelle als Musikpädagoge in der "Abteilung Musik und Tanz", wie die Musikbibliothek Hamburg heute heißt. Gerade hat er eine kleine Jubiläumshymne improvisiert. Das E-Piano kann von jedermann genutzt werden, und einige Besucher haben es auch schon ausprobiert. "Ich bin ganz glücklich, weil es ein relativ gutes Klavier ist", sagt einer von ihnen.

Musikpädagogen geben Schnupperkurse

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Nicht nur Bücher: In der Zentralbibliothek kann man sich seit 100 Jahren auch Musik ausleihen - mittlerweile auch digital.

Es ist Samstagnachmittag und ziemlich voll in der Zentralbibliothek am Hamburger Hauptbahnhof, auch in der Musikabteilung herrscht reger Betrieb. 1.100 Quadratmeter Fläche hat die Musikabteilung, im Eingangsbereich findet man gleich Informationen zum Hamburger Musikleben quer durch alle Genres. Im vorderen Bereich ist die Klassik aufgestellt, im hinteren, komplett neu gestalteten Bereich die Popularmusik. Dort hält der zweite Musikpädagoge Michael Schugardt einmal im Monat einen Gitarren-Schnupperkurs ab.

Auch Instrumente können ausgeliehen werden

Programm-Tipp

NDR Kultur berichtet über die Musikbibliothek in Hamburg am Sonntag, den 14.2. von 18 bis 19 Uhr und am Dienstag, den 16.2. von 21 bis 22 Uhr.

"Musik muss man hören, machen, fühlen, leben. Und wir möchten, dass Menschen Musik auch machen können", sagt Heinrike Buerke, die Leiterin der Musikabteilung. Sie hat mit einem Team das Konzept zu Neuausrichtung entwickelt und umgesetzt. Dazu gehört eben auch, dass seit einiger Zeit zwei Musik- und Medienpädagogen in der Abteilung arbeiten. Neben der klassischen Noten-, Buch-, CD-/DVD-Ausleihe können jetzt zum Beispiel auch Instrumente wie E-Gitarren vor Ort ausgeliehen werden. Und: Es wird den Nutzern ein freier Zugang zu Musik-Streamingdiensten geboten, auch von zu Hause aus.

Klassische Musik ein wenig in die Ecke gedrängt

Auf drei iPads und auf zwei weiteren Computern können die Nutzer zum Beispiel ihre eigene Musik erfinden, aber auch Gehörbildungsübungen machen und vieles mehr. Doch manches muss bei der Anpassung an die digitale Medienwelt auch Federn lassen. Manche Bestände wurden reduziert. Und was ist mit der Klassik? "Die klassische Musik ist ein bisschen in die Ecke gedrängt worden", sagt Bibliothekarin Ute Marquard. "Aber das kriegen wir wieder hin!"

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 12.02.2016 | 17:40 Uhr