Biograf Volker Skierka über Armin Müller-Stahl
Volker Skierka, der Biograf des Schauspielers und künstlerischen Multitalents Armin Mueller-Stahl im Gespräch mit Jan Holthaus.
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Bei der Grimme-Preisverleihung 2002 in Marl spielte der Preisträger ein Stück auf der Geige.
Er ist ein Mann, der Charakter nicht nur darstellt: die Leinwand-Legende Armin Mueller-Stahl. Der charismatische Künstler ist Menschen im In- und Ausland vor allem als Schauspieler bekannt. Er hat in seinem Leben aber auch Konzert-Geige studiert, Gedichte und mehrere Bücher geschrieben, er malt, zeichnet und stellt seine Werke seit einigen Jahren auch aus. 2010 erschien seine erste CD mit eigenen Liedern. Natürlich singt er sie auch selbst - und geht damit auf Tournee.
Ein filmisches Porträt über den Weltstar eröffnet am 25. April 2013 die erste Kunst- und Filmbiennale in Worpswede. Der Künstler ist als Ehrengast anwesend.
Und so hat alles angefangen: Armin Mueller-Stahl wird 1930 als drittes von fünf Kindern in Tilsit geboren. Sein Vater ist Bankkaufmann, hat aber eine sehr große Leidenschaft zum Theaterspielen. Die Mutter ist Ärztin. Nach dem Abitur studiert Armin Mueller-Stahl Musikwissenschaften in Berlin und will Geiger werden. Als er sein Examen in der Tasche hat, entscheidet er sich für die Schauspielerei. Ein Studium an der Staatlichen Schauspielschule muss er nach einem Jahr abbrechen - ihm wird "mangelnde Begabung" attestiert. Doch er gibt nicht auf und bekommt 1952 sein erstes festes Engagement am Berliner Theater.
In der DDR spielt der junge Mann ab 1956 in zahlreichen Filmen (unter anderem mit seinem Freund Manfred Krug). Er erhält im Laufe der Zeit etwa 60 Hauptrollen und gewinnt viele Preise. Fünf Jahre hintereinander wird er zum "beliebtesten Schauspieler der DDR" und 1975 zum DDR-Fernsehkünstler des Jahres gewählt. Als ihm das Konzept einer Serie, in der er spielt, zu ideologisch wird, steigt er aus. Kurz darauf unterzeichnet er einen offenen Brief gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann. Und plötzlich gibt es für ihn keine Rollen mehr. Das Multitalent nutzt diese Zeit und schreibt darüber sein erstes Buch. Es trägt den Titel "Verordneter Sonntag".
Armin Mueller-Stahl und Rosel Zech in einer Szene des Films "Die Sehnsucht der Veronika Voss" von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1982.
1980 reist Mueller-Stahl mit seiner zweiten Frau, der Ärztin Gabriele Scholz, und seinem 1974 geborenen Sohn nach West-Berlin aus. 1984 zieht die Familie nach Schleswig-Holstein. Der Künstler kann sowohl im Theater wie bei Film und Fernsehen relativ problemlos an seine Erfolge in der DDR anknüpfen, spielt im "Tatort" und in Fassbinder-Filmen wie "Lola" und "Die Sehnsucht der Veronika Voss". Mueller-Stahl entwickelt sich zum Charakterdarsteller. International werden Regisseure und Jurys auf ihn aufmerksam. Trotz seiner großen Erfolge bleibt der Mann mit den klaren blauen Augen unangepasst: So lehnt er 1985 die Rolle des Chefarztes in der Fernsehserie "Die Schwarzwaldklinik" ab. Viele können das nicht verstehen, doch Mueller-Stahl will keine Serienfigur werden.
Stattdessen erobert der 60-Jährige nun Hollywood mit Filmen wie "Avalon" (1990) und Jim Jarmuschs "Night on Earth" (1991). 1997 wird er für seine Rolle in dem Film "Shine" als bester Nebendarsteller für den Oscar nominiert. In Deutschland brilliert er 2001 als Thomas Mann in dem Fernseh-Dreiteiler "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" und erhält dafür unter anderem den Grimme-Preis. Zuletzt war er in den Literaturverfilmungen "Buddenbrooks" (2008) und "Illuminati" (2009) auf der Kinoleinwand zu sehen.
Armin Mueller-Stahl in seinem Haus in Sierksdorf, 1994.
Während seiner beeindruckenden Schauspiel-Karriere hat sich Mueller-Stahl immer auch seinen vielen anderen künstlerischen Talenten gewidmet. Vielleicht hat ihn unter anderem das so unabhängig von Zwängen der Film- und Fernsehwelt bleiben lassen. Schon vor mehr als 40 Jahren hat er zum Beispiel auch zu malen begonnen. Seine erste Ausstellung präsentierte Mueller-Stahl jedoch erst vor zehn Jahren - anlässlich seines 70. Geburtstags.
Armin Mueller-Stahl ist am 17. Dezember 2010 80 Jahre alt geworden. Zu diesem Zeitpunkt erschien auch seine erste CD mit eigenen Liedern. Die CD heißt "Es gibt Tage ..." und gibt einen Teil seiner persönlichen Geschichte preis. Die Lieder darauf hat Mueller-Stahl vor mehr als 45 Jahren in der DDR geschrieben. Er trägt sie gemeinsam mit dem Filmkomponisten und Jazzsaxofonisten Günther Fischer vor. Beide verbindet eine lange Freundschaft: Sie kennen sich seit 47 Jahren.
Das Ehepaar Gabriele Scholz und Armin Mueller-Stahl im Jahr 2006.
Seit 37 Jahren ist Armin Mueller-Stahl inzwischen mit Gabriele Scholz verheiratet: "Ich bin einer der seltenen Außerirdischen, die eine glückliche Ehe führen", sagte er in einem Interview mit NDR.de. Seit 1985 lebt der mit Preisen und Anerkennungen überhäufte Künstler etwa die Hälfte des Jahres in Sierksdorf an der Lübecker Bucht. Die andere Hälfte seiner Zeit verbringt er in Pacific Palisades bei Los Angeles oder in Berlin-Köpenick. 2008 hat Armin Mueller-Stahl das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik erhalten. 2010 wurde er der fünfte Ehrenbürger Schleswig-Holsteins.