Druckfrisch
Orientierung im Bücherdschungel - mit Denis Scheck.
Link in neuem Fenster öffnenEine weiße Matratze liegt auf dem Boden eines winzigen Hinterzimmers im Hamburger Karolinenviertel. Die Räume gehören zur Galerie Hinterconti. Hier bereitet Lukas Jüliger die Buchpräsentation seines Debüt-Bandes "Vakuum" vor. Jacken liegen auf der Matratze, Limonadenflaschen stehen auf den Dielen, Musik klingt leise aus einem Laptop, der Heizstrahler brummt. Die Kälte zieht durch die alten Fenster. Bald werden sich zahlreiche Menschen durch den engen Flur und die Räume schieben.
Zwei Jahre hat es bis zur Veröffentlichung gedauert. Für Lukas Jüliger ist es ein tolles Gefühl nach dieser Zeit, Besprechungen seiner Arbeit zu lesen oder zu hören: "Manche Artikel haben in vielen Bereichen so den Nagel auf den Kopf getroffen und das macht mich sehr stolz, dass manche Sachen so ankommen, wie sie gemeint sind und gedacht waren."
In den Original-Zeichnungen fehlt der Text, der später am Computer eingefügt wird.
Jüliger erzählt in "Vakuum" vom Sommer eines jungen Teenagers in dem sich vieles dramatisch verändert. Er lernt ein merkwürdiges Mädchen kennen und lieben, er verliert seinen besten Freund, der sich nach einem misslungenen Drogenexperiment in seine eigene Welt zurückzieht. Er erzählt vom Schulalltag in dem es zu sexueller Gewalt, Selbstmord und einem Amoklauf kommt. All das zeichnet und beschreibt Jüliger sehr unaufgeregt, still und ruhig. Für ihn sei es einfach ein "Grundgefühl, was ich transportieren wollte, das irgendwo in mir vorhanden war und sicher auch ist. Das wollte ich irgendwie auf den Punkt bringen und dafür brauchte ich diese Ruhe der Erzählung."
Das gelingt ihm auch durch seinen zarten und weichen Strich. Jedem Objekt in seinen Bildern gibt er durch detaillierte Schraffuren eine eigene Körperlichkeit. Von der Straße, über Bilderahmen an der Wand, bis hin zur Tapete. Seine Figuren wirken schlaksig und zerbrechlich. Ganz anders als die Marvel-Superhelden, die allein schon durch ihre Farbigkeit protzen. Lukas Jüliger ist einen anderen Weg gegangen und der berührt einen bei jeder Seite. Vermutlich, weil, wie er selbst sagt "Hundert Prozent" von ihm selber in der Geschichte steckt.
Für die Arbeit an dem Buch hat Lukas Jüliger sein Illustrations-Studium an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg unterbrochen.
Jüliger ist ein Buch gelungen, das alles andere als ein luftleerer Raum, ein Vakuum, ist. Es entwickelt trotz der schreienden Einsamkeit seiner Hauptfiguren, viel Kraft. Ein Buch, das man verschlingt und sicher nicht so schnell vergessen wird. Was nach der Buchpremiere kommen wird, das steht für den 24-Jährigen noch nicht fest: "Tatsächlich weiß ich danach noch nicht weiter. Ich muss mal gucken, wie sich das alles anfühlt und dann vielleicht in anderen Medien rumprobieren. Ich glaub, ich würd' ganz gerne malen, das ist in letzter Zeit so in meinem Kopf."