Atlas der abgelegenen Inseln

Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde

Vorgestellt von Frank Fingerhuth

Buchcover: Atlas der abgelegenen Inseln von Judith Schalansky © Mare Verlag Es gibt Bücher, die allein aufgrund ihrer liebevollen und phantasiereichen Gestaltung so anziehend sind, dass man es kaum erwarten kann, sie in die Hand zu nehmen und sich in sie zu vertiefen. Verbirgt sich in ihrem Inneren dann noch eine wahrhaft zündende Idee, die das Lesevergnügen so richtig entfacht, dann ist man für einige Zeit verloren an seine Umwelt.

Kreuz und quer über den Globus

Kennen Sie Rapa Iti? Oder St. Kilda? Das Vulkaneiland Tristan da Cunha? Dies sind nur einige von insgesamt 50 abgelegenen Inseln, die Judith Schalansky aufgesucht hat. Mit feinem literarischen Gespür und einem ausgeprägten Sinn für das Abseitige beschreibt sie die entlegenen Orte und ihre Eigenheiten, denn besucht hat sie die fraglichen Inseln im Arktischen Ozean, im Atlantik und Pazifik, im Indischen Ozean und im Antarktischen Ozean nie. Vielmehr legt sie in ihrem Atlas Spuren aus, die kreuz und quer über den Globus laufen und den Leser immer neugieriger machen im Verlauf dieser faszinierenden Inselspringerei. Dabei gräbt sie mitunter Geschichten aus, die so phantastisch klingen, dass man sie kaum glauben mag - wie die des Franzosen Marc Liblin, der als Sechsjähriger von Träumen heimgesucht wird, in denen ihm eine völlig unbekannte Sprache gelehrt wird. Liblin wird zum Phänomen, das auch Wissenschaftler nicht entschlüsseln können, bis sie auf die Idee kommen, ihn in Hafenkneipen auftreten zu lassen, um ihn dort in seiner rätselhaften Sprache  reden zu lassen. Und eines Tages erkennt ein Mann tatsächlich die Sprache als die einer polynesischen Frau wieder, die in seiner Nachbarschaft wohnt. Auf der Insel Rapa Iti im Archipel der Austral-Inseln.

Diese Insel in Französisch-Polynesien und ihre in zartem Grau ausschraffierte Karte im Maßstab 1:125.000 liegt dem Text gegenüber auf der anderen Seite. Der Kopf der Textseite enthält - genau wie bei den anderen Inseln - präzise Angaben zur geographischen Position, zu Größe, Einwohnerzahl und Entfernung zu anderen einsamen Inseln. Somit kommt die Autorin nicht nur der Neugier und dem Fernweh ihrer Leser entgegen, sondern auch deren Informationsbedürfnis.

Das Insel-Prinzip

Schon in der Einleitung zu diesem wunderbar gestalteten Atlas mit seinem schmalen Hochformat und der klar gesetzten Schrift entwickelt Judith Schalansky ihre Sicht des "Prinzips Insel".

"Die Tatsache, dass von ihr aus das nächste Land Wochenreisen mit dem Schiff entfernt ist, macht die Insel in den Köpfen der Kontinentalbewohner zu einem idealen Ort und das vom Wasser umgebene Land zur perfekten Projektionsfläche für utopische Experimente und irdische Paradiese".

So nimmt die Autorin, die in Potsdam übrigens Typographie lehrt, ihre Leser mit auf eine ebenso ungewöhnliche wie spannende "tour de force", getreu dem von ihr gesetzten Motto: Das Paradies ist eine Insel. Die Hölle auch.

Buchcover: Atlas der abgelegenen Inseln von Judith Schalansky © Mare Verlag

Atlas der abgelegenen Inseln

Schalansky, Judith

  • Typ: Buch
  • Bestellnummer: 978-3-86648-117-6
  • Verlag: mareverlag Hamburg
  • Preis: 34,00 €
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