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Orientierung im Bücherdschungel - mit Denis Scheck.
Link in neuem Fenster öffnenEinen Ausflug mit kinderreichen Familien organisieren, ein Spargelessen oder eine Bootstour mit Gleichgesinnten machen - Ricarda Riefling ist umtriebig, engagiert, gestaltet ihre Umwelt aktiv mit. Eigentlich gut. "Ich bin ein Teil der Gesellschaft, und es wird vielen nicht passen", sagt sie. "Und viele regen sich wahrscheinlich darüber auf und wollen das gar nicht, aber es ist die Realität. Viele von uns leben mittendrin."
Ricarda Riefling ist eine aktive Funktionärin der extrem rechten Szene Norddeutschlands.
Was viele erschüttern wird: Die eigentlich nette Frau von nebenan, ist eine der rührigsten Funktionärinnen der extrem rechten Szene Norddeutschlands. Sie engagiert sich in radikalen Kameradschaften. Auch ihr Mann gehört zur Szene. Er ist vorbestraft. Doch Ricarda Riefling gibt sich gerne als Sauberfrau. Sie ist Chefin des NPD-Unterbezirks Oberweser und seit Herbst Pressesprecherin des Rings Nationaler Frauen, der Frauenorganisation der NPD.
"Mir kann man nicht vorwerfen, dass ich gewalttätig bin", sagt sie. "Man kann mir nicht vorwerfen, dass ich asozial bin, mit Parolen ein gewisses Klischee verbreite. Sondern bei uns, wo ich herkomme, in Hildesheim, bin ich eine Bürgerin wie viele andere auch, die nur andere Ziele verfolgt."
Ricarda Riefling, diese nette 27-Jährige, diese aufgeräumte Mutter von mittlerweile vier Kindern ist ein Paradebeispiel für das neue weibliche Selbstbewusstsein in der rechten Bewegung. Sie ist eine der "harten Weichspülerinnen", eine der netten, smarten Frauen, die ihre extremen Botschaften auf die sanfte Tour vermitteln, wie Andrea Röpke und Andreas Speit in ihrem Buch "Mädelsache!" schreiben.
Die Autoren Andreas Speit (l.) und Andrea Röpke.
"Man hat wirklich nicht das Ansinnen, wenn man in einem Dorf, in einer Stadt oder einem Verein oder in einem vorpolitischen Raum Akzeptanz gewinnen will, sofort klar zu machen: Ich bin von der NPD, sondern tatsächlich erst mal da zu sein, zuzuhören, mitzumachen, mit zu lachen - und das können natürlich Frauen sehr gut", erklärt Röpke.
"Deutschlands Zukunft ist auch Frauensache" - so wirbt der Ring nationaler Frauen. Für Andrea Röpke und Andreas Speit ist das Teil einer Strategie. Die Frauen organisieren scheinbar harmlose Heimat-, Kinder- und Erntefeste. Ein weiteres Ziel: Kinder- und Jugendarbeit - als verständnisvolle Erzieherinnen, Elternbeiräte oder Trainerinnen sollen sie laut NPD-Zeitung "Deutsche Stimme" nationale Werte an Jüngere vermitteln.

Andrea Röpke / Andreas Speit