Druckfrisch
Orientierung im Bücherdschungel - mit Denis Scheck.
Link in neuem Fenster öffnenDa will einer nur mal eben aufs Klo und steht plötzlich in einem Biergarten in Süddeutschland. Unglaublich? Ja. Aber das widerfährt Heiner Boie, genannt "Lazyboy", und zwar nicht nur ein Mal, sondern ständig. Er hat ein Türenproblem. Nur noch selten kommt er da an, wo er hin will. Dies passt zu einem, der selbst mit 35 Jahren keinen Plan hat - und sich bloß nicht festlegen will.
Autor Michael Weins erklärt: "Der steht quasi in einem Raum, in dem es unendlich viele Möglichkeiten und Türen gibt. Hinter jeder ist etwas Vielversprechendes, und er möchte jede Tür aufmachen, am liebsten gleichzeitig. Es wird zu seinem Schicksal, dass er sich nicht mehr retten kann vor Türen, die ihn verschlucken, weil er nicht erwachsen werden will, weil er in jedes Zimmer hinein will, um zu gucken, was da los ist."
"Lazyboy" ist Michael Weins' zweiter Roman. Der Hamburger Autor erzählt mit präziser Situationskomik von der tragischen Angst, erwachsen und womöglich spießig zu werden. Ironisch und liebevoll blickt Weins auf seine Generation und die ewigen "Berufsjugendlichen". Seinem Romanhelden hat Weins ein paar autobiografische Züge verpasst: die Wohnung auf St. Pauli zum Beispiel. Und Fluchtgedanken kennt Weins seit seiner Kindheit im Hamburger Norden.
Fernweh und Flucht. Genau darum geht es in "Layzboy". Allerdings ist der Protagonist leider kein Superheld, der seine "Türsprünge" kontrollieren kann. Lazyboy fällt von einer absurden Situation in die nächste. Er genießt seine Abenteuer. Doch mit Freundin Monika gibt es nun ständig Stress, weil er sie permanent versetzt - zu oft ist er unfreiwillig unterwegs. Bei allem Witz scheint aber immer wieder auch ein zutiefst melancholischer Held durch, der nicht weiß, wohin er gehört.

Michael Weins