Jim Rakete: Der deutsche Film und seine Stars

Jedes Gesicht erzählt eine Geschichte. Manche Gesichter erzählen immer neue. Jim Rakete hat die Gesichter des deutschen Films fotografiert. Wir reden über seinen neuen Bildband "Stand der Dinge". Es fing ganz klein an, mit einem Dutzend Porträts fürs Frankfurter Filmmuseum. "Und kaum haben wir losgelegt mit dem Fotografieren, haben wir uns immer angesehen, die Leute vom Museum und ich, und haben gesagt: 'Ein Dutzend, das reicht nicht'", erinnert sich der Fotograf.

Interview mit Fotograf Jim Rakete

Der Künstler über Fotografie, Schauspieler und den Deutschen Film.

Er hat hundert Große und Berühmte zusammenbekommen, eben die, die am "Stand der Dinge" des deutschen Films arbeiten. Aber lässt sich das, was das deutsche Kino besonders macht, in starren Fotos ausdrücken? "Wir konnten ja keinen Aufwand treiben", erzählt Rakete. "Wir konnten ja nicht 20 weiße Elefanten bestellen. Das ist ja kein Werbejob, da war ich immer alleine unterwegs mit so einer ollen Kamera und hatte in der Tasche manchmal noch ein eingewickeltes Requisit, aus irgendeinem Filmmuseum oder die haben was mitgebracht."

Gesichter und Requisiten

Moritz Bleibtreu mit Beretta. © 2011 Jim Rakete / courtesy Schirmer/Mosel Detailansicht des Bildes Der Kinofilm "Knocking on Heaven's Door" hat Moritz Bleibtreu berühmt gemacht. Diese Requisiten sind mehr als Gegenstände. Sie erzählen, zusammen mit den Gesichtern der Schauspieler und Regisseure, Filmgeschichte - neue und alte. Und sie stehen für Karrieren, so wie Oskars Trommel aus "Die Blechtrommel" oder die Knarre von Moritz Bleibtreu, alias Abdul aus "Knockin on Heaven's Door". "In dem Buch sind genau diese Gegenstände aufgereiht", erklärt der Fotograf. "Du hast genau diese Momente, diese Plot-Points in den Leben von Schauspielern oder Filmemachern, die das abbilden." So erinnert das verbundene Handgelenk von Sibel Kekili an den Beginn ihrer Karriere in "Gegen die Wand".

Fotos ohne Retusche

Ulrich Tukur mit Mantel. © 2011 Jim Rakete / courtesy Schirmer/Mosel Detailansicht des Bildes Ulrich Tukur mit seinem Mantel aus dem Film "John Rabe". Ein Gesicht, ein paar Dinge, eine Geschichte, ein Augenblick. Je länger man Raketes Fotos betrachtet, desto bewusster wird einem, dass der Zauber des Kinos oft aus ganz einfachen Momenten entsteht. Dieser Zauber ist das eine. Das Geschäft mit den Gesichtern ist das andere. "Ich wollte ungern, dass das ein Photoshop-Projekt wird", so Rakete. "Und es war gar nicht so leicht, sich das heilig zu halten. Weil es doch Leute gibt, gerade aus der jungen Generation, die sehr routiniert fordern, dass man dies und jenes wegretuschiert oder glättet. Das geht bei meinen Fotos halt nicht. Das ist bedauerlich, aber an der Stelle bin ich ein Auslaufmodell. Ich will die Wirklichkeit."

Bernd Eichinger mit Turnschuhen über der Schulter barfuß auf der Straße. © 2011 Jim Rakete / courtesy Schirmer/Mosel Detailansicht des Bildes Das letzte Foto von Bernd Eichinger. Am 24. Januar 2011 verstarb der Regisseur unerwartet an einem Herzinfarkt. So erzählen Jim Raketes Porträts auch ganz einfach davon, dass die Zeit vergeht. Und dass nur der Film-Moment unvergänglich ist. "Das letzte Foto, das jemand von Bernd Eichinger gemacht hat, habe ich gemacht. Für dieses Buch. Und ich hab gesagt: 'Bernd, was soll denn da drauf sein?' Und er hat gesagt: 'Ich möchte barfuß auf der Straße stehen und mir meine blöden Turnschuhe über die Schulter hängen.' Und da sind wir rausgegangen in den Regen, und er stand mitten im Verkehr auf der albernen Straße, und wir haben ein Foto gemacht. Das ist, was wirklich da ist. Wenn ich an Bernd denke, ist es dieser Moment! Es ist dieses Bild."

Buchcover: Stand der Dinge von Jim Rakete. © 2011 Jim Rakete / courtesy Schirmer/Mosel

Stand der Dinge

Jim Rakete

  • Typ: Buch
  • Bestellnummer: 978-3829605335
  • Verlag: Schirmer/Mosel
  • Preis: 49,80 €
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