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Orientierung im Bücherdschungel - mit Denis Scheck.
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Nils (Justus Kammerer) macht seinen Eltern nur Kummer. Eines Tages wird er in einen Däumling verwandelt und erlebt viele Abenteuer.
Am Anfang ist er noch ein richtiger Rotzlöffel, dieser Nils Holgersson: jung, faul und nichts als Flausen im Kopf. Besonders gerne ärgert er die Tiere. Das geht so lange gut, bis er es einmal zu weit treibt und der Haus-Kobold ihn zur Strafe schrumpfen lässt. Als Winzling versteht er auf einmal die Sprache der Tiere.
Mit der Hausgans Martin fliegt er durch ganz Schweden und erlebt dabei jede Menge Abenteuer - eine Reise, die seine Sicht auf die Dinge verändert. "Nils stellt eigentlich jedes Kind dar, und er ist wie jedes normale Kind auch. Das macht es zwar einfach, ihn zu spielen, aber er durchläuft ja einen Reifeprozess", erklärt Justus Kammerer, der in der Realverfilmung die Hauptfigur darstellt.
Nils freundet sich mit den Gänsen an und lernt, die Natur zu respektieren - das Buch erzählt ein zeitloses Thema, findet Regisseur Dirk Regel: "Es ist eine enorme Qualität, finde ich, wenn ich mir vorstelle, das Werk ist über 100 Jahre alt und nicht gealtert. Das finde ich fantastisch. Und ich finde, dass es sehr berührende, sehr emotionale Kapitel in sich bürgt und dass es diese Thematik nicht mit erhobenem Zeigefinger erzählt."
Selma Lagerlöf (1858-1940) erhielt als erste Frau 1909 den Nobelpreis für Literatur.
Dass Nils Holgersson bei seiner Reise die vielseitige Landschaft Schwedens kennenlernt, ist kein Zufall: Das Buch wurde 1906 geschrieben - als Schulbuch, um den Kindern die Geografie und Tierwelt des Landes näher zu bringen. Der Trick, pädagogische Inhalte in ein spannendes Abenteuer zu verpacken, war damals ein völlig neues Konzept, wie Literaturwissenschaftlerin Susanna Albrecht sagt: "Die Schule war wie in Deutschland sehr auf Aneignen von Wissen fokussiert. Man hat den Kindern das Wissen so vermittelt, dass sie auswendig lernen und wiederkäuen mussten. Diese Pädagogik hat Selma Lagerlöf abgelöst und diese spielerische Art, Wissen zu vermitteln, eingeleitet."
Selma Lagerlöf war zehn Jahre Volksschulehrerin, bevor sie sich für eine Karriere als Schriftstellerin entschied. Den Auftrag für das Buch erhielt sie vom schwedischen Lehrerverband. Für ihre Recherchen reiste sie durch ganz Schweden - mit Erfolg: Nur drei Jahre nach Erscheinen gewann sie als erste Frau der Welt den Literaturnobelpreis.
Die Neuverfilmung des Kinderbuchs von Selma Lagerlöf im Ersten
So, 25.12.2011 | 16 Uhr
Mo, 26.12.2011 | 16 Uhr
Wie Nils Holgersson wuchs Selma Lagerlöf auf dem Land auf. Auf dem Hof Gut Marbacka wurde sie 1858 geboren, und dort starb sie auch. Die Natur hat sie ihr Leben lang inspiriert. "Selma Lagerlöf kann unheimlich intensiv Natureindrücke vermitteln", so Albrecht. "Die Berge werden zu Menschen, alles wird personifiziert. Das kann man total mitfühlen." Heute ist Gut Marbacka ein Museum - und Nils Holgersson ein Klassiker der Kinderliteratur. Das Buch wird weltweit verkauft und ist in über 30 Sprachen erhältlich. Aber warum ist es über100 Jahre nach seinem Erscheinen immer noch so bekannt?
"Ich glaube, dass das auch heute noch ein gültiges und ganz menschliches Thema ist", sagt der Regisseur. "Wie geht man mit der Natur um? Wie geht man miteinander um? Und dass man den anderen respektieren lernt, eben nicht nur den anderen Menschen, sondern auch die Tiere und die Umwelt."
Nils (Justus Kammerer) auf der Gans Martin. Ohne moderne Tricktechnik sind solche Szenen nicht machbar.
Auf seiner langen Reise muss Nils viele Abenteuer bestehen: unter anderem eine Wette gegen den Raben Bataki und vor allem den Kampf mit dem bösen Fuchs Smirre. Für die Dreharbeiten ist die Film-Crew für zwei Monate nach Schweden gereist. Tiertrainer haben Raben, Füchse und Gänse zu echten Schauspielern gemacht. Für den Regisseur war es eine schwierige Aufgabe - für den Hauptdarsteller dagegen ein angenehmer Nebeneffekt bei der Arbeit. "Mit den Gänsen hat es viel Spaß gemacht, vor allem mit den kleinen Küken, weil die wirklich süß sind. Ich habe die wie meine eigenen Haustiere behandelt", erzählt Kammerer. Natürlich kam für den Film auch moderne Tricktechnik zum Einsatz, etwa wenn Nils auf einer Gans durch einen Sturm fliegt.
Eine besondere Herausforderung war es für den Regisseur, einer so bekannten literarischen Vorlage gerecht zu werden. "Man hat sonst mehr freien Umgang, man kann schalten und walten wie man möchte. Wenn man so eine große Autorin und dann noch Literaturnobelpreisträgerin als Vorlage hat, dann will man das irgendwie nicht völlig auf den Kopf stellen", so Regel.
Am Ende der Verfilmung trifft Nils Selma Lagerlöf persönlich - genau wie im Buch. Er erzählt ihr von seiner wunderbaren Reise mit den Wildgänsen, eine Reise, die noch heute die Menschen begeistert - egal ob als Buch oder im Film.