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Aus dem Amerikanischen von Conny Lösch
Gelesen von Dietmar Wunder
Vor zwei Jahren startete der Suhrkamp-Verlag eine eigene Krimi-Reihe. Mit Erfolg - eine gute Mischung und mit einem Händchen für anspruchsvolle Plots. "Pacific Private" von Don Winslow etwa war eine richtige Entdeckung für Deutschland und einer der besten Krimis des Jahres. Suhrkamp legte nach mit "Pacific Paradise" und "Frankie Machine". Inzwischen hat Winslow eine Fangemeinde in Deutschland, und Suhrkamp hat die Rechte an allen Büchern von Winslow erworben.
Winslow ist 58 und war Privatdetektiv in New York, Safariführer in Kenia und Surfer in Kalifornien. Er erinnert mit seinem lakonischen Stil an die großen Namen Chandler und Hammett. Der Schotte Ian Rankin meinte; Winslow sei ein so guter Autor, dass man ihn fast für sich behalten möchte. Nach Winslows Opus Magnum "Tage der Toten" ist nun "Zeit des Zorns" erschienen. Die Hörbuchfassung wird gelesen von Dietmar Wunder.
Ein paar Zeilen aus John Mayalls Hymne auf Kalifornien sind dem Roman "Zeit des Zorns" vorangestellt, der im Original Savages heißt, also "Wilde". Und bei Winslow vermutet man hinter diesem Begriff Bestien, Kreaturen in ihrer ganzen Verkommenheit, Menschen ohne Moral und inneren Kompass. Und natürlich ist der Roman voll von solchen Gestalten, natürlich geht es wieder um rivalisierende Drogen-Kartelle, allerdings wird nicht, wie in "Tage der Toten", die ganze Geschichte der mexikanischen Drogenkriege erzählt, sondern eine kleine, in diesem Metier fast alltägliche Episode.
Ben und Chon vertreiben das beste Marihuana in Kalifornien, beide lieben Ophelia, kurz "O" genannt, und beide bekommen vom Baja-Kartell ein Angebot, das sie abzulehnen versuchen. Denn Ben ist eigentlich Weltverbesserer, der sich für Hilfsorganisationen engagiert und Chon war Elitesoldat in Afghanistan. Beiden geht es um Freiheit, nicht ums Geldverdienen. Davon haben sie längst genug.
Während Ben sein Geld an Bedürftige verteilt und die meiste Zeit des Jahres durch die Welt reist, leben Chon und O ein Kiffer-Luxus-Leben. In den Augen ihrer Kunden sind sie Kultfiguren, nicht Drogenhersteller, in ihren eigenen Augen sind sie Revolutionäre und nicht Handlanger irgendwelcher schmieriger mexikanischer Kartelle. Das Angebot des Baja-Kartells kommt natürlich als Drohung, und Ben und Chon beschließen, ganz aus dem Geschäft auszusteigen.
Doch das Baja-Kartell ist nicht bereit zu verhandeln und betrachtet den Rückzieher als Ungehorsam. Ben und Chon haben eine Achillesferse: O.
Selten schreien Romantexte so nach einer Hörbuch-Variante wie dieser. Dietmar Wunder, der auch privat mit Winslow befreundet ist, liest diesen Text nicht, er rappt ihn. Winslow hat einen ganz eigenen atemlos-lakonischen Stil entwickelt, den er in "Zeit des Zorns" noch verfeinert und verdichtet. Stakkatohafte Sätze, denen der übliche Satz- und Zeilenverlauf nicht genügt, ein Text, der sich seine eigene Morphologie sucht, als läge er auf einem Hip Hop-Beat.
Dabei wimmelt es vor Anspielungen auf amerikanische Vergangenheit und Gegenwart, auf Popmusik- und Filmgeschichte - niemals vordergründig, immer durch den Nebel des Grases von Ben und Chon. Die sich natürlich nicht versklaven lassen und Ophelia trotzdem retten wollen.

Don Winslow